Zwischen Dominanzsignal und Belästigung: Warum zwinkern wir einander zu?

Zwischen Dominanzsignal und Belästigung: Warum zwinkern wir einander zu?
Die einen wollen flirten, die anderen fühlen sich belästigt: Körpersprache-Experte Stefan Verra erklärt, wie das Zwinkern entstanden ist.

Es ist eine Geste, die nur der Mensch macht. Gut, man sagt der Katze nach, ihr Blinzeln aus schmalen Augen entspringe samtpfotiger Zufriedenheit und sei als Lächeln zu deuten. Und wenn einen der Hund freundlich anzwinkert, signalisiere das gute Tier damit, dass es sich wohl fühle. Beim Menschen jedoch ist die Sache verzwickter. Ein Zwinkern lädt ein zu Interpretationen und Missverständnissen. Wie ist es entstanden?

„Wer mit Augen winkt, wird Mühsal anrichten.“ Körpersprache-Experte Stefan Verra zitiert als Antwort darauf gleich einmal aus der Bibel. Der Ursprung der Augenakrobatik würde allerdings sogar noch weiter zurückliegen. Eingesetzt wurde sie, sobald die Gesichtsmuskeln es zuließen.

Wobei der Mensch der einzige Primat ist, der es als Signal in dieser Form bewusst verwendet: „Wenn Feinde im Anmarsch sind, beim Jagen oder in Situationen der Unterdrückung. Immer dann, wenn verbale Kommunikation nicht möglich war oder ist, ermöglicht diese Mimik eine gezielte Kommunktion, die auch meist unbemerkt bleibt.“

Zwinkern beim Flirten?

Doch Gefahr ist nicht die einzige Deutungsweise. „Es ist ein Dominanzsignal“, weiß der Experte, kulturunabhängig würde es eher von Männern ausgehen. Interessant: die Rolle der Hierarchie. „Ober zwinkert, Unter wird bezwinkert“, also: „Der Opa zwinkert dem Enkel zu, der Chef seinem Protegé. Selten zwinkert die Reinigungskraft dem Vorstandsvorsitzenden zu.“ Was uns zum Flirten bringt.

Die Autorin Sophie Passmann beschrieb das Zwinkern in Die Zeit einmal als „schäbige Geste, sie sorgt für Unwohlsein, Verwirrung, Scham, betretenes Schweigen.“ Menschen, die zwinkern, würden dem Irrglauben unterliegen, es sei mutig, witzig oder flirty. Jedoch: „Ein Flirt beginnt nie mit Zwinkern. Sexuelle Belästigung beginnt mit Zwinkern.“

Stefan Verra sagt dazu: „Zwinkern wirkt nur dann positiv, wenn die Empfängerin – und meist ist es die Frau – schon vorab Interesse ausgesandt hat. Es ist kein Signal, das einen Flirt beginnt, sondern die Intensität eines Flirts erhöht. Wer also meint, wildfremden Frauen damit weiche Knie zu machen, wirkt schnell chauvinistisch.“

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