Rene Eckhart: Die Rampensau im Rampenlicht
Volles Risiko: Rene Eckhart will bei den Paralympics lieber mittendrin, statt nur dabei sein.
Rampensau, chaotischer Vogel, Tiroler Bursche. So beschreibt sich Rene Eckhart selbst. Der 38-jährige Para-Snowboarder geht in Cortina in seine zweiten Paralympischen Winterspiele. 2022 in Peking war er schon dabei, in beiden Bewerben, die er in Angriff nahm, belegte er am Ende Platz 12. Danach ist man bekanntlich immer schlauer, in Italien will Eckhart nun „das Rundherum ausblenden.“
Um das zu schaffen ist auch sein Sportpsychologe mit dabei. Die größten Chancen rechnet sich der Kaunertaler im Cross-Bewerb aus: „Dort kann immer alles passieren. Wenn alles gut läuft ist sicher ein Top-10-Platz drin.“
Der Schlüssel zum Erfolg
Eckhart ist gelernter Schlossermeister. Bis vor knapp einem Jahr übte er diesen Beruf auch Teilzeit aus. Seit März 2025 ist er Heeressportler, kann den Sport nun „professionell“ betreiben.
Dem 38-Jährigen fehlt seit seiner Geburt der linke Schienbeinknochen, mit neun Monaten wurde ihm ein Teil des Beines amputiert. Seit mittlerweile 12 Jahren zeigt er auf dem Snowboard sein Können. Einerseits im Boardercross, andererseits im Banked Slalom. Ersteres verlangt „Mut und Entschlossenheit“, erklärt Eckhart: „In den Vierer-Läufen musst du am Tag X den Kopf ein- und gleichzeitig das Hirn ausschalten. Einfach Gas geben.“
Eigenwerbung: Eckhart weiß sich gut zu verkaufen.
Cool und selbstbewusst
Im Slalom zählen saubere, schnelle Richtungswechsel. Eckhart präferiert ganz klar den Cross-Bewerb: „Schneller, Sprünge, mehr Adrenalin. Das ist schon cooler.“ Cool ist auch der Kaunertaler selbst. Er liebt das Rampenlicht, kann sich gut verkaufen: „Ich mag’s, mittendrin zu sein, das taugt mir. Überall, wo ich bin, kennt man mich.“ Das ändert sich im Wettkampf. „Wenn das Startsignal kommt, bist du auf dich gestellt. Ich, das Snowboard und meine Prothese.“
Klar ist vor der Reise nach Cortina: Italien ist längst nicht die Endstation, die Paralympics 2030 in Frankreich stehen noch auf dem Plan: „Das wäre ein schöner Abschluss“, sagt Eckhart. Und danach? „Vielleicht geht es in Richtung Marketing. Oder ich werde Sportreporter oder Co-Kommentator.“ Rampensau bleibt eben Rampensau.
PARA-SNOWBOARD
Disziplin: Snowboardcross, Banked Slalom
Sportklasse: SB-LL1
Geboren: 20. 3. 1987
Behinderung: Tibia-Aplasie
1. Paralympics Teilnahme: BEIJING 2022
Sportliche Erfolge:
- Paralympics: jeweils 12. Platz Banked Slalom u. Boardercross BEIJING 2022
- Weltmeisterschaften: z. B. 4. Platz La Molina (ESP) 2015, 6. Platz Big White (CAN) 2017, 7. Platz Lilleham- mer (NOR) 2022, alle Boardercross
- Weltcup: z. B. Gold und Silber 2020 (jeweils Dual Banked Slalom), Bronze Silber 2019/’20 (Banked Slalom)