Aigner-Schwestern im Kampf gegen die Zeit

Die Para-Skifahrerinnen Veronika und Elisabeth Aigner fahren in fünf Bewerben um Medaillen. Dabei stehen sie unter Zeitdruck.
Die Skifahrerinnen Veronika und Elisabeth Aigner in Rennposition fahren schnell eine verschneite Piste hinunter, im Hintergrund unscharfe Bäume.

Dafür, dass Veronika Aigner laut Eigenaussage seit ihrem Kreuzbandriss 2021 nach wie vor eine Art innere Bremse eingebaut hat, sind die 23-Jährige und ihre Schwester Elisabeth (27) ziemlich schnell unterwegs. Wo die Aigner-Schwestern starten, jubeln sie oftmals am Ende auch über den Sieg. Und das, obwohl das Duo seit dieser Saison in einer neuen Klasse fährt, was Elisabeth als „nicht ganz fair“ empfindet.

Konkret wurde der Zeitfaktor angepasst. Bislang wurde die Netto-Zeit der Aigners mit dem Faktor 0,86 multipliziert. Dieser stieg nun auf 0,9. „Wir müssen also objektiv schneller fahren, um gleichauf zu sein“, stellt das Duo klar. Auf eine Minute gerechnet können das schon mal bis zu zwei Sekunden sein. Doch auch darin sehen die Schwestern etwas Positives: „Es zwingt uns zur Weiterentwicklung.“

Die Paralympics in Peking vor vier Jahren waren für Veronika Aigner gleichzeitig Premiere, aber auch ein Comeback nach der schweren Verletzung im Jahr davor. Das Ergebnis: Gold im Slalom und Riesentorlauf. Die eigene Messlatte liegt also durchaus hoch. „Wir wollen es vor allem genießen“, so die beiden Schwestern. Das große Ziel sind natürlich trotzdem die Podestplätze. „Der Best Case wären fünf Medaillen in fünf Disziplinen“, ist die Marschroute klar. Gestartet wird also in allen Bewerben. Im Slalom wird es aber das letzte Mal sein: „Danach kommen die Slalom-Ski an die Wand.“ Zum einen, weil es „nicht mehr so viel Spaß“ mache, zum anderen, weil es für den Guide eine extrem schwierige Disziplin ist.

Veronika Aighner, eine junge Frau mit Zopf und Tattoos auf den Armen steht lächelnd mit verschränkten Armen vor Sponsorenlogos.

Aus Liebe zum Sport

Schwierig ist oft auch das viele Reisen, vor allem für die Psyche. Schweiz, Italien, Frankreich, Deutschland. Die beiden Schwestern reisen im Weltcup teilweise von Skigebiet zu Skigebiet, von Hotel zu Hotel. „Man will zwischendurch einfach heim. Und wenn das Essen mal nicht passt, zieht das auch runter“, erzählt Elisabeth. Daher versuchen sie, an freien Tagen bewusst etwas zu unternehmen. „Sonst hockst du den ganzen Tag im Hotel.“ Das kann dann ein Tag in der Therme oder auch auf einer Kartbahn sein.

 Elisabeth Aigne, eine junge Frau mit schulterlangem braunem Haar trägt ein weißes Sporttrikot mit roten Akzenten und lächelt vor Sponsorenlogos.

Dass man sich das alles dann doch gerne und immer wieder antut, ist der Leidenschaft für den Sport geschuldet. Denn das stellen die Aigner-Schwestern auch klar: „Reich wird man davon nicht.“ Ein Siegerscheck von 100 Euro wie etwa in Méribel ist eher die Ausnahme als die Regel. Die Reisekosten werden glücklicherweise vom ÖSV finanziert, dazu gibt es noch Kopfsponsoren. Es sei aber noch „ein weiter Weg zur Gleichstellung.“

Viel wichtiger ist den beiden aber ohnehin das gemeinsame Kämpfen um Erfolge und Medaillen. Seit acht Jahren fahren die Schwestern gemeinsam, und das mehr als erfolgreich. Gestritten wird nie. „Wir haben praktisch keine Konflikte“, stellt Elisabeth klar. „Und weil wir Schwestern sind, kann man auch über alles reden. Von Frauenproblemen bis hin zu Beziehungsstress.“ Und so geht die gemeinsame Reise nun also nach Cortina. Gebremst wird dort sicher nicht.