Spritpreise und Inflation: So teuer könnte es jetzt werden

Brent sprang binnen Tagen von 70 auf über 110 Dollar je Barrel. Für Anleger zählt die Strategie.
The oil tanker in the high sea

Feuer über dem größten Gasfeld der Welt, Raketen auf Raffinerien im Golf und eine nahezu blockierte Straße von Hormus: Der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran hat die globale Energielogistik ins Zentrum der Eskalation gerückt. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels passieren die Meerenge. Fällt sie aus, wird aus einem regionalen Konflikt ein globaler Schock.
Märkte reagierenDie Reaktion an den Märkten fiel entsprechend heftig aus. Der Brent-Preis sprang innerhalb weniger Tage um mehr als 50 Prozent nach oben. Für Gunter Deuber, Chefökonom der Raiffeisen Bank International (RBI), ist das jedoch kein Zeichen eines neuen Bullenmarktes: „Derzeit haben wir damit mindestens eine geopolitische Risikoprämie von 35 Dollar je Barrel im Ölpreis.“ Ohne die Eskalation hätte sich Öl laut Deuber heuer eher in einer Bandbreite von 55 bis 65 Dollar bewegt. Auch andere Marktbeobachter sehen vor allem einen Aufschlag für Unsicherheit. Laut Daan Struyven von Goldman Sachs zahlen Händler aktuell rund 14 Dollar Risikoaufschlag pro Barrel.

Risikoprämie dominiert

Entscheidend ist nun, wie lange die Lage im Golf angespannt bleibt. Sollte die Straße von Hormus länger blockiert sein, sind laut Deuber auch Preise von bis zu 150 Dollar möglich. Gleichzeitig warnt er vor Fehleinschätzungen: „Damit kann man nicht von einem strukturellen Aufwärtstrend bei Öl sprechen.“ Im Gegenteil: Lässt die Krise nach, droht eine Gegenbewegung. Für 2027 sieht Deuber wieder deutlich niedrigere Preisniveaus im Bereich von 70 Dollar je Barrel. Gründe sind eine schwächere Weltkonjunktur, steigende US-Fördermengen und ein insgesamt gut versorgter Markt. Für Österreich sind die Folgen dennoch spürbar. Steigende Energiepreise schlagen direkt auf die Inflation durch. Ohne Entspannung könnte die Teuerung laut Deuber im Jahresschnitt wieder bei rund 3,5 Prozent liegen, in einzelnen Monaten sogar deutlich über vier Prozent. Das belastet nicht nur Haushalte und Unternehmen, sondern wirkt auch indirekt auf die Kapitalmärkte zurück. Höhere Inflation erhöht den Druck auf Notenbanken, die Zinsen länger hoch zu halten. 

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„Derzeit haben wir eine geopolitische Risikoprämie von 35 Dollar je Barrel im Ölpreis.“ 

von Gunter Teuber

Chefökonom der RBI

Risikoprämie dominiert

Entscheidend ist nun, wie lange die Lage im Golf angespannt bleibt. Sollte die Straße von Hormus länger blockiert sein, sind laut Deuber auch Preise von bis zu 150 Dollar möglich. Gleichzeitig warnt er vor Fehleinschätzungen: „Damit kann man nicht von einem strukturellen Aufwärtstrend bei Öl sprechen.“ Im Gegenteil: Lässt die Krise nach, droht eine Gegenbewegung. Für 2027 sieht Deuber wieder deutlich niedrigere Preisniveaus im Bereich von 70 Dollar je Barrel. Gründe sind eine schwächere Weltkonjunktur, steigende US-Fördermengen und ein insgesamt gut versorgter Markt. Für Österreich sind die Folgen dennoch spürbar. Steigende Energiepreise schlagen direkt auf die Inflation durch. Ohne Entspannung könnte die Teuerung laut Deuber im Jahresschnitt wieder bei rund 3,5 Prozent liegen, in einzelnen Monaten sogar deutlich über vier Prozent. Das belastet nicht nur Haushalte und Unternehmen, sondern wirkt auch indirekt auf die Kapitalmärkte zurück. Höhere Inflation erhöht den Druck auf Notenbanken, die Zinsen länger hoch zu halten.

Anleger abwarten

Für Investoren ist die Lage heikel. Deuber rät daher zur Vorsicht. Neue direkte Öl-Investments seien angesichts „erratischer Preisbewegungen“ derzeit nicht ratsam. „Rohstoffe und Edelmetalle sollten fünf bis zehn Prozent eines diversifizierten Portfolios ausmachen.“ Einzelwetten auf Öl bergen mehr Risiko als Chance. Der Markt bleibt ein Spielball der Geopolitik, politische Dynamik überlagert derzeit die Fundamentaldaten.

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