Biotech-Aktien: Experten sehen nach Jahren eine große Wende

Biotech erlebt Aufschwung durch sinkende Zinsen, starke Pipelines und große Übernahmen im Fokus der Investoren
Ein Mann mit graumeliertem Haar lächelt in einem dunklen Anzug mit blau gestreifter Krawatte.

Starker Aufschwung

Der Nasdaq Biotechnology Index liegt im April 2026 bei rund 6.000 Punkten und damit klar über dem Niveau von Ende 2024. Nach einem schwachen Jahr 2024 brachte 2025 mit rund 33 Prozent die Wende, 2026 setzt sich die Erholung moderat fort. „Nach mehreren schwierigen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessert“, sagt Harald Kober, Fondsmanager des Erste Stock Biotec. Vor allem das Zinsumfeld hat sich entspannt: Die US-Leitzinsen sind von rund 4,75 auf etwa 4,5 Prozent gefallen, was wachstumsstarken Sektoren wie Biotech Rückenwind gibt.

Ein leeres Laborglas steht auf einem Tisch, im Hintergrund sind Börsendaten und Diagramme eingeblendet.

Neue Therapien, große Deals: Biotech rückt wieder in den Fokus für Anleger.

Attraktive Bewertungen

Gleichzeitig sind viele Unternehmen günstig bewertet. Price-to-Sales-Multiples liegen im Schnitt bei rund 6,4 und damit klar unter den Höchstständen der Pandemiezeit. Auch der Risikokapitalmarkt öffnet sich wieder vorsichtig. „Viele Unternehmen notieren heute auf historisch attraktiven Niveaus“, sagt Kober. „Gleichzeitig hat sich die Nachrichtenlage deutlich aufgehellt.“ Positive Studiendaten, neue Medikamente und Fortschritte in der Forschung sorgen für Vertrauen. Besonders in den Bereichen Onkologie, Immunologie und seltene Erkrankungen sieht Kober die größten Chancen.

Milliarden-Deals

Ein zusätzlicher Treiber ist die Übernahmewelle. 2025 erreichte das globale Biopharma-M&A-Volumen rund 133 Milliarden Dollar. Große Pharmakonzerne stehen unter Innovationsdruck und kaufen gezielt Biotechfirmen zu, um ihre Pipelines rasch zu stärken. „Pharmakonzerne müssen Innovation zukaufen, weil eigene Patente auslaufen und neue Wirkstoffe schnell benötigt werden“, sagt Kober. Beispiele wie die Übernahme von Tubulis durch Gilead zeigen, dass Milliardenbeträge für vielversprechende Wirkstoffe bezahlt werden und Deals gezielt dort stattfinden, wo klinische Fortschritte bereits sichtbar sind.

Pharmakonzerne müssen Innovation zukaufen, weil Patente auslaufen und Wirkstoffe fehlen.

von Harald Kobler

Erste Stock Biotech

Klare Strategie

Für Anleger bleibt der Sektor anspruchsvoll. Biotech ist volatil und stark von Studienergebnissen und Kapitalmarktbedingungen abhängig. „Biotechnologie ist kein Ersatz für ein breit gestreutes Portfolio, kann dieses aber sinnvoll ergänzen“, sagt Kober. Entscheidend seien ein langer Anlagehorizont und die Bereitschaft, Schwankungen auszuhalten. Der Sektor hat sich von einer Bewertungs- zu einer Wachstumsstory entwickelt – und rückt damit wieder stärker in den Fokus.

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