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Die unsichtbare Gefahr im Bad: Warum heißes Wasser allein nicht vor Legionellen schützt

Gefahr im Badezimmer: Warum heißes Wasser Legionellen nicht stoppt und wie man sich mit passenden Filtern verlässlich vor Infektionen schützt.
Einzelner Wassertropfen tropft aus einem Wasserhahn in ein weißes Waschbecken.

Der morgendliche Gang unter die Dusche gilt als Moment der Entspannung. Doch in den Rohren vieler Haushalte in Österreich verbirgt sich eine Bedrohung, die gravierende Folgen für den menschlichen Körper haben kann. Legionellen sind feine Bakterien, die schwere Entzündungen der Lunge auslösen. Oft bemerkt man die Anwesenheit der Erreger erst, wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist. In der Gesellschaft hält sich hartnäckig die Meinung, man müsse lediglich den Regler am Kessel für das warme Wasser nach oben drehen, um alle Keime restlos abzutöten. Fachleute warnen allerdings eindringlich vor dieser Annahme. Ein einfaches Erhitzen löst das Problem in den wenigsten Fällen. Die physikalischen Gegebenheiten in den Gebäuden sprechen eine völlig andere Sprache und verlangen nach wirksameren Maßnahmen.

Der gefährliche Irrglaube der thermischen Desinfektion

Die Methode der sogenannten thermischen Desinfektion sieht vor, das Wasser zentral auf sehr hohe Temperaturen zu bringen. Das Ziel ist es, alle schädlichen Mikroorganismen auf dem Weg durch das Haus zu vernichten. In der Theorie klingt dieses Vorgehen logisch. Die praktische Umsetzung scheitert jedoch massiv an der Struktur der Rohre. In vielen Immobilien existieren ungenutzte Abzweigungen oder Abschnitte, in denen das Wasser lange unbewegt steht. Genau dort kühlt das Wasser ab. Wenn die Temperaturen unter sechzig Grad Celsius fallen, finden die Bakterien ideale Bedingungen für ihre schnelle Vermehrung.

Selbst wenn das Wasser im Heizungskeller noch kochend heiß ist, kommt am Ende des Weges oft nicht genug Hitze an, um die Erreger restlos zu zerstören. Wer sich blind auf den großen Boiler verlässt, wiegt sich in falscher Sicherheit. Die Keime nisten sich in dicken Schichten aus Schleim ein, die in der Fachsprache Biofilme heißen. Diese Schichten isolieren die Bakterien regelrecht gegen kurzzeitige Wellen von Hitze. Um den Schutz für die eigene Person oder die Familie wirklich zu garantieren, braucht es eine Barriere, die direkt an der Austrittsstelle ansetzt. Die Technik am Kessel reicht schlichtweg nicht aus, weshalb ein passender Legionellenfilter zwingend notwendig ist, um die Bakterien verlässlich abzufangen. Nur eine solche physikalische Trennung verhindert, dass die Erreger die Armatur verlassen und in die Raumluft gelangen.

Zufluchtsorte für Keime in den Wänden

Um zu begreifen, warum Hitze allein versagt, muss man die Innenwelt der Leitungen genauer betrachten. Ältere Rohre weisen oft raue Oberflächen auf. Ablagerungen von Kalk und Rost bilden winzige Risse und Höhlen. In diesen Strukturen setzen sich Nährstoffe ab, die den Bakterien als Nahrung dienen. Der Biofilm wächst dort ungestört zu einer massiven Festung heran. Spült man nun heißes Wasser durch das System, streift dieses oft nur die oberste Schicht dieser Ablagerungen. Die tiefer liegenden Kolonien überleben den Vorgang völlig unbeschadet.

Sobald die Temperatur des Wassers wieder das normale Maß für das Duschen erreicht, breiten sich die überlebenden Organismen rasend schnell wieder aus. Ein einmaliges Aufheizen gleicht daher eher einem Tropfen auf den heißen Stein. Besondere Brisanz erhält dieses Thema in großen Anlagen für das Wohnen oder in öffentlichen Gebäuden. Je weiter der Weg vom Kessel bis zum Wasserhahn im Bad ist, desto größer ist das Risiko, dass die Hitze unterwegs verpufft.

Die wahre Bedrohung entsteht im Wasserdampf

Ein weiteres großes Missverständnis betrifft den Weg der Infektion. Das Trinken von Wasser, das mit diesen Bakterien belastet ist, führt im Regelfall nicht zu einer Erkrankung. Die Magensäure des Menschen macht die Erreger unschädlich. Die wirkliche Gefahr droht woanders: Beim Duschen zerstäubt der Wasserstrahl in abertausende winzige Tropfen. Dieser feine Nebel schwebt lange in der Luft der Duschkabine.

Atmet man diesen Nebel ein, gelangen die Erreger tief in die Lunge. Dort greifen sie das Gewebe direkt an. Besonders für Personen mit einem geschwächten Abwehrsystem, für ältere Menschen oder für Raucher endet diese Infektion oft dramatisch. Die Krankheit geht mit hohem Fieber und starkem Husten einher und erfordert meist eine schnelle Behandlung im Krankenhaus. Wer nun versucht, die Leitungen durch langes Laufenlassen von heißem Wasser zu reinigen, produziert dabei gewaltige Mengen dieses gefährlichen Dampfes. Ohne entsprechenden Schutz der Atemwege setzt man sich in diesem Moment einer massiven Wolke von Bakterien aus.

Mechanische Trennung als einzige Gewissheit

Da chemische Mittel das Wasser stark belasten und die Methode mit Hitze offensichtliche Lücken aufweist, bleibt nur die Verwendung von Legionellenfiltern als logische Konsequenz. Membranen mit extrem feinen Poren halten so die Erreger zurück. Die Löcher in diesen Filtern sind so winzig, dass die Bakterien physikalisch nicht hindurchpassen. Das Wasser fließt klar und sauber aus dem Hahn, während die gefährlichen Keime im Gehäuse verbleiben.

Dieser Ansatz schützt unabhängig vom Alter der Rohre oder den Einstellungen der Heizung. Für Besitzer von Immobilien und für Mieter ist dies eine beruhigende Erkenntnis. Man muss nicht das gesamte Leitungssystem aufwändig erneuern, um kurzfristig Sicherheit zu schaffen. Ein Filter am Ende der Leitung bietet sofortigen und messbaren Schutz. Die Gefahr aus der Leitung darf man niemals auf die leichte Schulter nehmen. Die Technik im Keller liefert keine Garantie für die Gesundheit.