Tödliche Gefahr: Neuer Allzeit-Rekord bei Legionellen in Österreich

Im Vorjahr kam es zu einem starken Anstieg bei Fällen der gefürchteten Legionärskrankheit. Was die Ursachen dafür sind - und welche Maßnahmen helfen.
Ein dampfender Whirlpool steht auf einer Holzterrasse im Wald bei Sonnenschein.

Erst Anfang Dezember sorgte die Therme im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf für Aufregung: Nach der Erkrankung eines Badegastes wurde die Avita-Therme – just vor einem langen Wochenende – behördlich gesperrt. Schuld waren Legionellen im Badewasser, die die gefürchtete Legionärskrankheit, eine potenziell tödliche Lungenentzündung, auslösen können.

Legionellen-Funde gab es im Vorjahr auch in Wiener Polizeiinspektionen; und in Vorarlberg ermittelte sogar die Staatsanwaltschaft, nachdem vergangenen Winter im Raum Bregenz gleich 43 Personen an Legionellose erkrankt waren. Dieser Fall gilt als der größte bekannte Legionellen-Ausbruch in Österreich überhaupt.

All diese Fälle schlagen sich auch in der dem KURIER vorliegenden Jahresbilanz der zuständigen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) nieder: Mit 419 gemeldeten Erkrankungen wurde ein neuer Rekordwert erzielt, der ein sattes Plus von fast 20 Prozent gegenüber 2024 (352) bedeutet. Eklatant ist aber vor allem die Steigerung im Langzeitvergleich: Gegenüber 2010 (mit nur 80 Fällen) kam es zu einer Verfünffachung der Fallzahlen (siehe Grafik).

Die Legionärskrankheit, die hauptsächlich Erwachsene betrifft, ist in 10 bis 15 Prozent der Fälle tödlich; laut Ages gab es 2024 insgesamt 14 bekannte Todesfälle. Allerdings werden nicht alle Infektionen als solche erkannt: Frühere Schätzungen von Medizinern gingen von einer hohen Dunkelziffer mit bis zu 1.000 Erkrankungen pro Jahr aus.

„Teures“ Energiesparen

Dabei gilt Prävention immer noch als wichtigstes Mittel, das tückische Bakterium Legionella pneumophila in Schach zu halten.

Denn der Umweltkeim, der sich im „stehenden Wasser“ zwischen 25 und 45 Grad Celsius explosionsartig vermehren kann, ist zwar meldepflichtig – aber nicht immer als Auslöser für Beschwerden eruierbar. Während gewöhnliches Trinken als unproblematisch gilt, kann das Einatmen der belasteten, feinsten Wassertröpfchen (Aerosole) fatal enden.

Doch was sind nun die Gründe für den rasanten Zuwachs bei den Fallzahlen? Laut Werner Windhager vom Ages-Fachbereich Risikokommunikation ist es eine Mischung aus neuen (Freizeit-)Gewohnheiten und besserer Diagnostik. „Die Reduktion von Warmwassertemperaturen zur Energieeinsparung sowie unregelmäßig genutzte Leitungen – in Ferienwohnungen oder nach längerer Abwesenheit – fördern Legionellenwachstum“, erklärt Windhager.

Da mehr als drei Viertel der Fälle im privaten oder persönlichen Umfeld passieren, kommt den Wohngebäuden besondere Aufmerksamkeit zu. Wer also bei der Warmwassertemperatur (Energie) sparen will, könnte das erst recht teuer (mit seiner Gesundheit) bezahlen – weil dann Bakterien beim Duschen eingeatmet werden können. Anti-Legionellenprogramme sowie Wassertemperaturen von 55 bis 60 Grad beim Speicheraustritt gelten daher als obligatorisch.

Wer daheim einen Jacuzzi stehen hat, sollte ebenso vorsichtig sein: Der Boom bei Whirlpools dürfte die Fallzahlen ebenso in die Höhe getrieben haben, gelten diese doch wie Klimaanlagen und Kühltürme als maßgebliche Infektionsquelle.

So dürfte der Großausbruch in Bregenz auf einen Kühlturm zurückgehen – eine besonders fatale Legionellen-Quelle: „Die Aerosole können mit dem Wind über mehrere Kilometer verteilt werden, weshalb es lange dauern kann, bis das als Quelle lokalisiert wird“, sagt der Mikrobiologe Günther Wewalka.

Bessere Tests

Krankenhäuser spielen im Gegensatz zu früher indes kaum mehr eine Rolle, weil dort mittlerweile sehr hohe Hygienestandards gelten. Dass dort dann mehr Legionellenfälle diagnostiziert werden, hat aber auch mit immer besserer Diagnostik zu tun: Aufgrund von PCR- und Urin-Antigentests werden einfach „mehr Infektionen erkannt und gemeldet“, teilt die Ages mit.

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