Blutproben am Fließband: 45 Meter lange Laborstraße
Es summt und surrt, als via Aufzug Proben in durchsichtigen Röhren ankommen. Die „Rohrpost“ ist aber nicht Teil eines futuristischen Science-Fiction-Streifens, sondern ganz normaler Alltag im neuen Zentrallabor in der Klinik Favoriten.
Mit der Inbetriebnahme des Zentrallabors sei nun ein weiterer Meilenstein im Modernisierungsprozess des Wiener Gesundheitsverbunds (WIGEV) erreicht, so Josef Newertal, WIGEV-Bereichsleiter Infrastrukturmanagement, am Montag. Patientinnen und Patienten würden diesen Bereich des Spitals zwar weniger wahrnehmen, aber umso mehr davon profitieren: „Laborbefunde bilden eine tragende Grundlage für alle klinischen Entscheidungsprozesse – von Diagnostik bis zur Therapie“, sagte Michael Binder, Medizinischer Direktor (WIGEV).
3 Millionen Analysen jährlich
In der Klinik Favoriten werden jährlich rund drei Millionen Analysen an etwa einer halben Million Patientinnen und Patienten durchgeführt. Auch während des Baus sei der Laborbetrieb erfolgreich weitergelaufen, betonte Michaela Födinger, Leiterin der Labordiagnostik im Krankenhaus.
Neben dem Team sorgen 370 topmoderne Geräte nun dafür, dass es so bleibt. Verteilt sind sie im neuen Gebäude auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern. Eine Besonderheit des Bauprojekts ist eine insgesamt 45 Meter lange sogenannte Laborstraße. Statt schnellen Autos flitzen auf dieser „Straße“ allerdings Blut-, Urin- oder andere Proben in gleichmäßiger Geschwindigkeit eine blaue Plastikbahn entlang. Am Ende der Fahrt werden sie zentrifugiert und analysiert. All das geschieht ohne einen menschlichen Handgriff.
Auf rund 2.000 Quadratmetern wird nun im neuen Zentrallabor gearbeitet.
Bau in Rekordzeit
Eine derartige Automatisierung sei in dieser Form bisher in Wiens Krankenhäusern einzigartig. Auch international seien diese Prozesse noch kein flächendeckender Standard, wird seitens des WIGEV betont.
In über 500 Planungssitzungen wurde das Labor entworfen. Der Neubau wurde 2024 gestartet und in Rekordzeit fertiggestellt, erklärte Michael Lischent, Geschäftsführer der Projektentwicklungs- und Baumanagement GmbH. Dabei wurde nicht nur der vorgesehene zeitliche Rahmen, sondern auch das geplante Budget (28 Millionen Euro , Preisbasis 2020) eingehalten, so Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Obwohl die budgetären Rahmenbedingungen derzeit eng seien, habe Gesundheit Vorrang.
Zustimmung dafür gibt es von Michaela Födinger: „Das Labor ermöglicht uns zum Beispiel auch wichtige Aspekte für die Frauengesundheit.“ Besonderer Fokus liege auch auf infektiösen Krankheiten. Die Erkenntnisse aus der Corona-Pandemie sei in die Planung miteingeflossen.
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