Warum Tausende Wohnungen in Wien nicht wie geplant fertig gebaut werden
Während die Wiener Bevölkerung stetig wächst, entwickelt sich die Zahl der neuen Wohnungen in die entgegengesetzte Richtung. Das zeigt der Neubaubericht, den die Wirtschaftskammer am Donnerstag präsentierte.
Eigentlich wäre geplant gewesen, dass im heurigen Jahr allein in Wien 12.600 Wohneinheiten fertig gebaut werden. Tatsächlich realisiert werden voraussichtlich jedoch nur rund 9.400. „Wir erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird“, sagte Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WK Wien.
Derzeit würden sich vor allem globale Krisen auf den Wohnbau auswirken. „Zahlreiche Projekte sind in der Krise der vergangenen drei Jahre ,gestrandet‘. Wir hatten schon einen Krieg, der in der Ukraine begonnen hat, und wir hatten die KIM-Verordnung“, erklärte Pisecky.
KIM-Verordnung lief 2025 aus
Die KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) war eine strenge Richtlinie zur Vergabe von Immobilienkrediten, die von Mitte 2022 bis Ende Juni 2025 in Kraft war. Seit ihrem Auslaufen am 30. Juni 2025 ist sie nicht mehr gesetzlich bindend. Diese zwei Faktoren beeinflussten den Markt stark, so der WK-Experte.
Donaustadt liegt vorne
Zurück zum Neubaubericht, der auch Einblick gibt, wie die Wienerinnen und Wiener 2026 wohnen: 55 Prozent der Neubauten sind Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, rund ein Drittel entfällt auf Drei-Zimmer-Wohnungen. Nur 14 Prozent haben vier oder mehr Zimmer. Die durchschnittliche neugebaute Wohnung ist 59 Quadratmeter groß. Fast alle Neubauten verfügen außerdem über Freiflächen, meist in Form einer Loggia, eines Balkons oder einer Terrasse.
Der Bericht zeigt auch, wo gebaut wird: „Die meisten Neubauprojekte entfallen weiterhin auf die äußeren Bezirke, allen voran die Donaustadt. Im innerstädtischen Gebiet ist das Angebot deutlich geringer“, sagte Alexander Bosak, Geschäftsführer von „Exploreal“, einer Servicefirma für die Immobilienwirtschaft, die die Zahlen für den Bericht erhoben hat. Besonders wenig Angebote gibt es in Relation zum prognostizierten Bevölkerungswachstum bis 2030 in Mariahilf, in Neubau und in der Josefstadt.
Zusätzlicher Wohnraum
Grundsätzlich werden in Wien 70 Prozent der Neubauten von gewerblichen Bauträgern errichtet, 30 Prozent von gemeinnützigen Bauvereinigungen. Angesichts des Bevölkerungswachstums sei es wichtig, Maßnahmen zu setzen, um zusätzlichen Wohnraum schaffen zu können, betonte Pisecky von der Wirtschaftskammer. So stamme die aktuelle Flächenwidmung etwa aus einer Zeit, in der Wien noch deutlich weniger Einwohner hatte.
Auch beim geltenden Abbruchverbot gebe es Anpassungsbedarf. „Das bestehende Abbruchverbot verhindert in vielen Fällen sinnvolle Weiterentwicklung. Es ist die Frage, ob jedes Gebäude, das als Arbeiterwohnung vor dem Ersten Weltkrieg gebaut wurde, auch erhalten werden muss“, so der Obmann der Fachgruppe. Es brauche mehr Flexibilität, um neuen Wohnraum zu schaffen.
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