"Beste Entscheidung": Wie es sich für junge Familien im Eigentum wohnt
Blühender „Wohngarten Sensengasse“: Am Alsergrund entstanden 2009 mehr als 100 Eigentumswohnungen – rund ein Drittel war gefördert.
Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Absolut! Natürlich war der Kauf dieser Eigentumswohnung die beste Entscheidung ever.“ Lukas König (Name von der Redaktion geändert) wohnt seit nunmehr 17 Jahren mit seiner Frau Alina und den beiden Kindern Florian (13) und Thomas (8) in der Alsergrunder Sensengasse.
In Zeiten knapper Budgets und noch knapperen Wohnraums ist ausreichend Platz für die ganze Familie das Allerwichtigste: Auf den mehr als 100 Quadratmetern hat jeder der Buben sein eigenes Zimmer, auf der Loggia im zweiten Stock vis-à-vis der Zahnklinik lässt es sich sommers auch fein grillen.
Ins Unbezahlbare steigende Mietpreise kennt der Familienvater nicht. „Gott sei Dank. Denn am freien Markt würden wir für diese Wohnung in einer solch guten Lage sicher 2.000 Euro Miete bezahlen müssen. Das ginge sich hinten und vorne nicht aus.“ Weshalb er Jungfamilien heutzutage fast bedauere, weil die sich kaum mehr etwas aufbauen könnten. So wie er es vor nunmehr fast 20 Jahren geschafft habe.
2000 Euro pro m2
Dass er sich 2008 für diese Wohnung entschieden hatte, sei im Nachhinein eine glückliche Fügung – damals aber auch ein enormes Risiko gewesen. Denn trotz städtischer Förderung, die den Quadratmeter-Preis dieser Wohnung auf 2.000 Euro „deckelte“, musste das Sparschwein geschlachtet und alles Geld in den Ankauf investiert werden. Dazu folgte auch ein Wohnkredit.
Damals war König aber noch nicht verheiratet (die Hochzeit folgte erst 2011 – zwei Jahre nach dem Einzug), weshalb eine etwaige Trennung horrende Kosten und Komplikationen verursacht hätte.
Und nicht wenige hatten damals auch geraten, doch besser das Ersparte zu veranlagen und stattdessen sich zunächst eine (kleinere) Genossenschaftswohnung zu nehmen. Mit der US-Subprime-Krise, die eine Weltwirtschaftskrise anfachte, die in Europa eine Nullzinspolitik mit Flucht ins Betongold bewirkte, änderte sich aber alles: Die Immo-Preise in Wien hoben erstmals ab, die zweite Welle gab es dann erst vor Kurzem mit der Inflationskrise.
Dass die eigene Wohnung nunmehr deutlich mehr wert ist, hat für König keine Relevanz, da dies ja nur „fiktiv“ sei und er die Wohnung weder vermieten noch verkaufen möchte. Hier im Grätzl sei man zudem längst verwurzelt und schätze die Lebensqualität: Vieles sei fußläufig erreichbar, mit dem Alten AKH und dem Arne-Karlsson-Park gebe es zwei große Grünflächen. Und die beiden Kinder gehen unweit entfernt in die Schule.
Zu klein oder zu groß
Eigentum hat freilich auch seine Tücken: Jungfamilien, die wachsen, kommen mit Zwei-Zimmer-Wohnungen rasch an ihre Grenzen. „Leider mussten einige Freunde genau deshalb schon hier wegziehen“, erzählt König. Auf der anderen Seite können – wenn der Nachwuchs flügge wird oder es zu Trennungen kommt – 100-m2-Einheiten irgendwann auch zu groß und/oder zu teuer werden.
Denn als Eigentümer ist man zwar vor Mietpreissprüngen gefeit, nicht aber vor hohen monatlichen Zahlungen wie Betriebskosten, Rücklagen und Investitionen der Eigentümergemeinschaft.
Im „Wohngarten Sensengasse“ summiere sich das auf rund 700 Euro monatlich – ohne Kreditraten. Ärgerlich sei etwa, dass man bei der Fernwärme an einen Contractor gebunden sei, der die Preise – je nach Vorgabe der Wien Energie – beliebig anheben könne. „Da gab es 2022 schon saftige Aufschläge von plus 300 Prozent beim Arbeitspreis“, berichtet König.
Wien ist „Mieter-Stadt“
Gefördertes Eigentum ist in Wien mittlerweile auch rar geworden: Laut Wohnbauressort gab es zuletzt für die Jahre 2024 und 2025 bloß Zusagen für 702 Wohnungen (inklusive Mietwohnungen mit Kaufoption); und das bei einer Neubauleistung von 8.000 bis 9.000 Wohneinheiten jährlich.
Förderwürdige Personen – es gelten Einkommensgrenzen – können auch ein städtisches Darlehen auf 30 Jahre (1 % Verzinsung) in Anspruch nehmen. Generell gilt Wien als Stadt der Mieter: Die Eigentumsquote beträgt laut Statistik Austria gerade einmal 19,8 Prozent.
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