Winterdienst in Wien: Norddeutsche Verhältnisse in Wien
Der aktuelle Winter ist, auf gut MA-48erisch, ein bisserl ein Gfrast. Josef Thon, der mit einem guten Wiener Schmäh ausgestattet seinem x-ten Frühling als Dienststellenleiter der Magistratsabteilung 48 entgegenstrebt, kann das auch erklären.
Von Anfang November bis Ende Jänner sind in der Stadt gerade einmal fünf Zentimeter Schnee gefallen (1969/70 waren es 227 und 1995/96 immerhin 164 cm). Dennoch waren alle 1.400 „Orangenen“ mit ihren 280 Fahrzeugen an einem Tag im November sowie an zwei Tagen im Jänner ohne Wenn und Aber im Wintereinsatz.
Der oberste "Orangene" leitet im Winter ein Heer von 1.400 Mitarbeitern in der MA 48.
Das Zwei-Klingen-System
„Für unsere Straßenreiniger hieß es an diesen drei Tagen Besen aus der und Schaufel in die Hand“, erzählt der Chef der Wiener Wintertruppe. „Auch die Leute vom Fuhrpark haben an diesen Tagen die Wiener Straßen nicht gewaschen, sondern vom Eis befreit.“
Entgegen der Annahme, dass in diesem Winter, der sich deutlich kälter anfühlt als die Winter zuvor, mehr Streumittel erforderlich sind, erklärt Josef Thon: „Unsere Einsätze sind nicht mehr geworden, aber komplizierter.“ In enger Absprache mit den Wettervorhersagern auf der Hohen Warte ließe sich der Einsatz von Streumitteln im Vergleich zu früher sogar messbar reduzieren.
Schaufeln statt kehren: Einer der insgesamt 1.400 „48er“ im Winter 2025/26.
Wenn es so stimmt, wie es der Chef der 48er erzählt, könnte man vom „Wiener Modell“ sprechen. Und das funktioniert so: Statt reinem Salz wird in Vorahnung der nächsten Glatteisgefahr bis zu sechs Stunden zuvor eine leicht haftende Salzsole auf Straßen, Gehsteige und Radwege aufgetragen. Die kann der Wind nicht sofort verblasen, die wirkt auch der Eisbildung sehr effizient entgegen. Dann erst fährt das schwere Gerät aus, mit Schaufeln, die an die Zwei-Klingen-Systeme bekannter Rasiererkonzerne erinnern.
Josef Thon erläutert das hörbar stolz: „Vorne ist eine Eisenschaufel, hinten eine Schaufel aus Kunststoff.“
Auch die Steuerung der Fahrzeuge ist auf Effizienz ausgerichtet: „Wenn ich in den Bordcomputer eingebe, sprüh mehr nach links, ist das gezielter, dosierter.“
Auch Trockentraining
Ihr Kälteempfinden täuscht die Wiener und Wienerinnen übrigens nicht, betont Josef Thon: „So kalt wie in diesem Winter war es schon lange nicht mehr in der Stadt.“
Weniger Niederschläge, dafür eiskalte Böden, zum Teil auch tagsüber: dieses Phänomen erinnert ihn an Winter an Nord- und Ostsee.
Experten der MA 48 sind daran, das Mischungsverhältnis der gegen das Eis wirkenden Sole zu optimieren.
Manchmal fahren seine Chauffeure übrigens auch bei trockenen Verhältnissen aus. Das machen sie nicht, weil ihnen fad in der Arbeit ist, sondern weil der Einsatz mit den Doppelklingen auch geübt werden möchte.
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