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Chronik Wien
09/01/2020

Wiener FPÖ-Chef: Wiedervereinigung mit Strache "denkunmöglich"

Dominik Nepp attackiert in der "ZiB2" seinen Vorgänger Heinz-Christian Strache und will bei der Wien-Wahl ein "hervorragendes Ergebnis" holen.

von Christoph Schwarz

Die FPÖ muss sich weiter mit ihrer eigenen Vergangenheit beschäftigen: Eigentlich wollte der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp in seinem ZiB2-Interview anlässlich der Wien-Wahl wohl über seine eigene Partei sprechen - letztendlich ging es in dem Gespräch aber mehr um Heinz-Christian Strache.

Dominik Nepp, der die Wiener FPÖ nach dem Ibiza-Skandal übernahm, distanzierte sich dabei klar von seinem einstigen politischen Vorbild und Freund: Der Grund sei nicht vorrangig das Ibiza-Video, sondern die "vielen anderen Sachen, die sich nachher ergeben haben", so Nepp. Allem voran der "Spesenbetrug", den Strache begangen habe.

In allen Freundschaften gebe es gute und schlechte Zeiten, so Nepp. Wenn man die eigenen Freunde "bestiehlt", dann "hört sich bei mir die Freundschaft aber auf".

"Holen uns jeden Cent zurück"

Bei den üppigen Spesen für Heinz-Christian Strache gesteht Nepp Versäumnisse und Fehler ein. Begangen hätten diese aber seine Vorgänger, nicht er selbst: Als er Wiener FPÖ-Chef wurde, habe er mit den Spesenkonten "aufgeräumt", sagte Nepp. "Und so etwas wird es in meiner FPÖ auch nicht mehr geben." Die Freiheitlichen seien die Geschädigten in der Causa Strache. "Wir werden uns jeden Cent zurückholen."

Er selbst, so Nepp, besitze nur ein ganz normales Spesenkonto, mit dem er Repräsentationskosten decke - etwa, wenn er Journalisten auf ein Bier einlade oder eine Lokalrunde schmeiße. Zu den Vorwürfen rund um FPÖ-nahe Vereine blieb Nepp dann vage.

Was ihn von Strache unterscheide, versuchte Nepp dann schon wortreicher zu erklären: Seine FPÖ sei seit 60 Jahren das Original, das in Wien gegen Rot-Grün und den politischen Islam auftrete.

"Gerade jetzt zu Corona-Zeiten", wenn es zu einer wirtschaftlichen Verknappung komme, "müssen Staatsbürger bevorzugt werden, so Nepp. Als Beispiele nannte er die Vergabe von Wohnungen im Gemeindebau und das Sozialsystem. Er wolle den Menschen "das Wiener Lebensgefühl zurückgeben", das sie unter Rot-Grün verloren hätten.

Seine radikale Wortwahl - etwa den Sager vom "Asylantenvirus" verteidigte Nepp ebenso wie die Teilnahme seiner Parteikollegin Ursula Stenzel an einer Veranstaltung der Identitären. "Ich beschäftige mich nicht mit den Identitären, weil sie mir wurscht sind." Die FPÖ werde dieses Jahr selbst "eine Gedenkveranstaltung abhalten, um die Gefahren des politischen Islam aufzuzeigen".

"Hervorragendes Wahlergebnis"

Bei der Wien-Wahl erwartet sich Nepp einen "tollen Wahlerfolg". Was genau er damit meinte, blieb unklar. Alle Umfragen zeigen derzeit einen Einbruch der Wiener FPÖ von mehr als 30 Prozent auf rund 11 Prozent der Wählerstimmen.

Bei der Wahl erwartet er sich einen Dreikampf zwischen ÖVP, Grünen und FPÖ um den zweiten Platz hinter der SPÖ.

Einen Rücktritt nach der Wahl schloss Nepp aus - egal, wie schlecht das Ergebnis ausfällt: "Eine Schmerzgrenze habe ich nur beim Zahnarzt, nicht in der Politik."

Ob er sich nach der Wahl eine Wiedervereinigung mit Heinz-Christian Strache vorstellen könne? Nepp zögerte und wich aus. Eine Stimme für Strache sei jedenfalls eine verlorene Stimme, erklärte Nepp. Sein Kontrahent liege in Umfragen derzeit bei zwei bis drei Prozent, er werde nicht in den Gemeinderat einziehen. (Tatsächlich liegt Strache in Umfragen meist zwischen vier und fünf Prozent.)

Erst auf Nachfrage stellte Nepp klar: Eine Wiedervereinigung mit Strache sei "denkunmöglich".

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