Prozess um Wiener Bandenkrieg: "Freunde" von Beran A. vor Gericht

VIER SCHWERVERLETZTE BEI SCHLÄGEREI IN WIEN-MEIDLING
Mitglieder sollen Kontakt zu Beran A. gehabt haben, der einen Anschlag auf das Taylor Swift Konzert geplant haben soll.

Der Bandenkrieg zwischen gebürtigen Tschetschenen und jungen Syrern bzw. arabischstämmigen Männern, der im Sommer 2024 mit Waffengewalt beim Bahnhof Meidling ausgetragen wurde, hat für großes Aufsehen gesorgt - vor allem deshalb, weil derartige Auseinandersetzungen in Wien in dieser Zeit häufig vorgekommen sind. 

Am Donnerstag startet der Prozess, der für fünf Verhandlungstage am Landesgericht für Strafsachen angesetzt ist. Aus Platzgründen werden die Einvernahmen der insgesamt 24 Angeklagten im Alter von 17 bis 25 Jahren auf drei Prozesstage aufgeteilt. Die ersten acht müssen sich ab heute wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung und schwerer gemeinschaftlicher Gewalt verantworten, am Freitag folgen acht weitere Angeklagte.

Öffentlicher Aufruf zur Konferenz auf Instagram

Konkret geht es um eine Massenschlägerei am 7. Juli 2024 nahe des Bahnhofs Meidling. Als Schlüsselfigur für den Bandenkrieg gilt ein Tschetschene (25), der sich mit anderen in Wien lebenden Tschetschenen zusammengeschlossen habe und  „in feindseliger Haltung gegenüber Syrern“ gestanden sei. 

Diese Syrer wurden von den Tschetschenen als „505er“ bzw. „515er“ bezeichnet – die Zahl leitet sich von einer alten Postleitzahl eines syrischen Gebietes ab. Dieser Hauptbeschuldigte muss erst am 13. Jänner mit sieben weiteren Personen auf der Anklagebank Platz nehmen. 

Er soll auf  Instagram sogar für alle öffentlich einsehbar zu dieser „Konferenz“ ein geladen haben, die sich laut Anklage mit dem Ausschalten der syrischen Gruppe beschäftigen solle. 

Keine Syrer erwischt

Dass die Tschetschenen bei ihrem Angriff an besagtem Tag keine Syrer, sondern Afghanen erwischt haben, ist ein bemerkenswertes Detail, aber für die Anklage selbst unerheblich. 

Die auserkorenen Opfer wurden verfolgt und sollen mit Waffen – Stöcke, Schläger, Messer und Hämmer – attackiert worden sein. Am Ende trugen fünf Männer zum Teil schwere Verletzungen davon, etwa Stichverletzungen oder Brüche durch die schweren Schläge.

Naheverhältnis zu verhindertem Swift-Attentäter

Zwei Beschuldigte haben ein gewisses Naheverhältnis zu Beran A., der Anfang August 2024 einen Terror-Anschlag auf ein Taylor-Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion geplant haben soll.  Der 25-jährige Tschetschene soll mit ihm eng verbunden gewesen sein. 

Er steht am Freitag erstmals vor Gericht. Weiters ist ein  18-jähriger Österreicher angeklagt. Dieser gilt als Anhänger der radikal-islamistischen Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) und war ebenfalls mit Beran A. bekannt.

Zur aktuellen Situation zwischen  tschetschenischen und syrischen Gruppen heißt es von der Polizei, dass „kleinere Konflikte“ nicht ausgeschlossen werden können, „in größerem Ausmaß und ihm Rahmen strafrechtlicher Delikte finden diese allerdings nicht mehr statt“.

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