Wiens älteste Schwulenbar "Why not" steht zum Verkauf

Die Lokale von Richard Zanella galten über Jahrzehnte als geschützte Treffpunkte. Nun hat er fast alle verkauft, folgen soll auch das „Why Not“.
Wiens älteste Schwulenbar, das Why Not, ist auch die größte der Stadt. Willkommen sind hier alle.

Richard Zanella kann als eine Größe des queeren Nachtlebens in Wien bezeichnet werden. Über Jahrzehnte galten seine Lokale als sichere Orte, um zu daten und zu feiern; einst vor allem für Homosexuelle, heute für Menschen jeglicher sexuellen Orientierung.

Mit 56 Jahren hat Zanella jedoch genug von der Nachtgastronomie, seine Lokale hat er bereits fast alle verkauft.

Die inzwischen geschlossene Sportsauna trat Zanella schon vor mehreren Jahren ab. Seit Anfang des Jahres haben in Mariahilf auch die „Mango Bar“ und das „Felixx“ neue Inhaber, aufsperren werden beide zwar wieder, jedoch nicht als deklarierte Schwulenbars.

Ein einst geheimer Treffpunkt

Verkaufen will Zanella auch das „Why not“ am Tiefen Graben 22 im ersten Bezirk, die älteste und bekannteste Schwulenbar Wiens. „Man muss wissen, wann Schluss ist“, sagt Zanella im KURIER-Interview.

Zanella führt die Diskothek seit 33 Jahren, die Geschichte des Clubs reicht jedoch viel weiter zurück. An der Adresse soll schon in den 1950er-Jahren der einstige „Brückenwirt“ ein geheimer und sicherer Treffpunkt für Homosexuelle gewesen sein.

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Gefeiert und gedatet wird im Why Not schon seit 45 Jahren, auch Shows und Events finden regelmäßig statt.

Nach der Entkriminalisierung von Homosexualität im Jahr 1971 wurde der Club in den 70er-Jahren zu einem zentralen Ort der Szene, die sich langsam aus dem Verborgenen wagte. Seit 1980 heißt das Lokal „Why Not“, Zanella übernahm es nach seinem Jusstudium mit jungen 23 Jahren.

Inzwischen ist er 56 Jahre alt und die Nachgastronomie für ihn als Perfektionisten, der sich auf seinem Erfolg nicht ausruhen will, zu aufwendig und zu anstrengend geworden: „Und wenn ich keine Lust mehr habe, dann lasse ich es lieber bleiben.“

Mehr Toleranz und verändertes Klientel

Verändert hat sich laut Zanella aber nicht nur die Nachgastronomie, sondern auch die Gesellschaft und die Schwulenszene.

Wir können in jede Hetero-Bar gehen, dürfen unsere gleichgeschlechtlichen Freunde halten, küssen und uns in der Disco wie heterosexuelle Paare verhalten, ohne dass wir verprügelt, beschimpft oder sonst was werden. Zu 90 Prozent jedenfalls.

von Richard Zanella

Clubbetreiber

Dank der hohen Akzeptanz sei die Notwendigkeit eines geschützten Raumes, um gleichgeschlechtliche Beziehungen auszuleben, nicht mehr so groß wie früher: „Wir können in jede Hetero-Bar gehen, dürfen unsere gleichgeschlechtlichen Freunde halten, küssen und uns in der Disco wie heterosexuelle Paare verhalten, ohne dass wir verprügelt, beschimpft oder sonst was werden. Zu 90 Prozent jedenfalls“, sagt Zanella.

Gewandelt hat sich auch Zanellas Klientel, der als 18-Jähriger selbst zum ersten Mal Gast im „Why Not“ war: „Früher waren fast nur Männer da. Dann kamen auch mehr Frauen, für die gute Stimmung und weil sie hier nicht von Heteros angebraten wurden. Heute ist es eine Mischkulanz und das ist gut. Das Konzept Schwulenbar ist geschäftlich obsolet geworden.“

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Richard Zanella setzt sich zur Ruhe und sucht einen Nachfolger für das „Why Not“. 

Der Club spreche heute mehr Personengruppen an, man veranstalte mehr Partys und müsse generell mehr bieten. Und auch wenn der Club gut laufe, spürt auch Zanella, womit alle Clubs zu kämpfen haben. „Vor Corona habe ich im Felixx keinen einzigen Ruhetag gehabt, das wäre mir nie eingefallen.“ Nach Pandemie und Teuerungswelle sei das Geschäft unter der Woche jedoch eingebrochen. 

Steigender Drogenkonsum statt Alkohol

Gäste geben weniger Geld aus, verändert hat sich durch Apps auch das Dating-Verhalten. Zum Kennenlernen braucht es schlicht keine Lokale mehr. „Alle Diskotheken haben dieselben Probleme. Mir war immer wichtig, dass die Leute glücklich sind und Spaß haben. Die Mentalität hat sich aber total verändert. Die Leute sind schwieriger spaßig. Sie brauchen etwas vorgesetzt und eine aktive Berieselung. Das ist wahnsinnig anstrengend“, sagt Zanella.

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Die Mango Bar wurde 2004 in der Laimgrubengasse 3 eröffnet, vor fünf Jahren verkaufte Zanella, hielt jedoch noch die Mietrechte. Seit Anfang 2026 gibt es neue Inhaber.

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Das „Felixx“ in der Gumpendorfer Straße 5 schloss im Jänner, eingezogen ist das italienische Konzept „Capitano“. Eröffnet wird laut neuem Betreiber im März. Das Lokal werde zwar keine Gay-Bar, aber weiterhin offen für alle sein.

Vor allem die jüngere Generation feiert bekanntlich lieber zu Hause, ein viel größeres Problem ist bei Jungen laut Zanella aber etwas anderes: „Drogen haben extrem zugenommen und sind extrem billig. Bei vielen davon darf man keinen Alkohol dazu trinken, sonst kippt man um. Was habe ich davon als Lokalbesitzer? Gar nix, außer, dass ich einmal im Monat die Rettung da habe, um solche Leichen abtransportieren zu lassen.“

Alles, was es früher nur im Why not gab, ist jetzt überall möglich.

von Richard Zanella

Clubbetreiber

Dass das „Why Not“ als queere Diskothek bestehen bleibt, würde sich Zanella wünschen, macht es beim Verkauf jedoch nicht zur Bedingung. Die Schließung würde eine Lücke hinterlassen, zumindest für Menschen ab 30 Jahren: „Die Jungen würden dem Why Not eher nicht nachweinen, weil es viele andere Orte gibt, an denen Drag Shows stattfinden oder Go-go-Tänzer auftreten. Alles, was es früher nur im Why not gab, ist jetzt überall möglich.“

Der Rückzug aus der Nachtgastronomie sei für ihn auch eine Altersfrage: „Auch wenn ich mich wie 25 fühle, tut es der Körper nicht. Man muss wissen, wann Schluss ist.“ Mit Freude erfülle ihn sein anderer Beruf in der systemischen Therapie als Sexualtherapeut, Sozial- und Lebensberater.

"Alles hat ein Ende"

Vielversprechende Interessenten habe er bereits, das wäre aber nicht das erste Mal. Vorerst kann im „Why Not“ weiter gefeiert werden wie gewohnt.
Fest steht nur, dass Zanella sich zurückzieht und das nicht ganz ohne Wehmut, wie er auf Nachfrage sagt: „Ich habe viel Geld verdient und es in andere Lokale investiert. Es hat Spaß gemacht, aber alles hat ein Ende.“ Und fügt nach kurzer Pause  hinzu: „Schon ein bisschen traurig.“ 

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