Exklusive Umfrage: Wie die Wiener zu Trump und zur EU stehen
In den vergangenen Wochen war es kaum zu überhören: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) meldete sich immer wieder zu Themen zu Wort, die weit über die Wiener Stadtgrenze hinausgehen. Er plädierte für ein starkes und geeintes Europa und er sprach sich entgehen der Parteilinie vehement für das EU-Handelsabkommen Mercosur aus.
Ob er damit den Nerv der Wienerinnen und Wiener trifft, wurde nun mit einer von der SPÖ beauftragten repräsentativen Umfrage in der Zeit vom 9. bis 19. Jänner abgetestet. Die Ergebnisse bergen durchaus einige Überraschungen.
Gefragt wurde unter anderem, ob die Staaten der EU angesichts der weltpolitischen Lage und den Vorgängen in Venezuela enger aneinanderrücken und eine klare gemeinsame Linie vertreten sollen. Insgesamt wäre das 81 Prozent wichtig, nur für 13 Prozent ist das unwichtig, der Rest hat keine Angabe gemacht.
Parteipräferenzen
Interessant wird es, wenn man sich die Ergebnisse nach Parteipräferenz ansieht (siehe auch Grafik). Denn 57 Prozent der FPÖ-Wähler, denen oft EU-Skepsis nachgesagt wird, ist das Zusammenrücken der EU sehr wichtig oder wichtig. Allerdings haben sie mit 33 Prozent, die das Thema unwichtig oder sehr unwichtig finden, auch bei den Negativ-Antworten den höchsten Wert. Bei den Wählern von SPÖ, Grüne, Neos und ÖVP haben jeweils 70 Prozent oder mehr für sehr wichtig gestimmt.
Auffallend: Bei den Grün-Wählern gibt es niemanden, der das Thema nicht wichtig findet – es hat sich in dieser Gruppe auch niemand der Stimme enthalten. KPÖ-Wähler sind zwar auch mit großer Mehrheit für ein Zusammenrücken, aber nur 44 Prozent stufen das als sehr wichtig ein. Mit dem Vorgehen von Donald Trump und den USA ist eine überwiegende Mehrheit nicht einverstanden. Und das quer durch alle Parteien, die FPÖ hat mit 54 Prozent die wenigsten Trump-Gegner, die Grünen mit 95 Prozent die meisten. Ein Viertel der Blau-Wähler befürwortet den US-Kurs, ebenso 19 Prozent der ÖVP-Wähler.
Bei der Frage, ob man für das Mercosur-Abkommen ist, zeigt sich ein differenzierteres Bild als bei den anderen Fragen. Die meisten Befürworter haben die Neos (66 Prozent) und die SPÖ (57 Prozent). Sowohl Ludwig als auch Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos), also die beiden Spitzen der rot-pinken Stadtregierung, haben sich öffentlich über die Unterzeichnung des Deals gefreut und dürften damit die Mehrheit ihrer Wählerinnen und Wähler abholen.
Bei der FPÖ sind mit fast zwei Drittel die meisten gegen das Abkommen, bei ÖVP- und Grün-Sympathisanten gibt es mehr Gegner, bei beiden sind aber auch jeweils mehr als ein Drittel pro Mercosur. Quer durch die Bank hat jeweils ein Fünftel der Befragten keine Meinung zu dem Handelsabkommen abgegeben – außer bei der ÖVP, da haben sich nur 12 Prozent enthalten.
Frauen skeptischer
In der Auswertung zeigen sich demografische Unterschiede. Frauen sind wesentlich skeptischer, was das Abkommen betrifft. Nur 30 Prozent sind dafür, 42 sind dagegen. Bei Männern sind hingegen 47 Prozent dafür und 36 Prozent dagegen.
Personen ohne Matura sind eher gegen das Abkommen (42 Prozent), insgesamt haben in dieser Gruppe aber 24 Prozent keine Angabe gemacht. Personen mit Matura sind dem Abkommen eher zugeneigt (43 Prozent), aber auch hier haben sich 21 Prozent der Stimme enthalten.
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