Bewohnerin (87) in Seniorenheim ermordet: Verdächtiger ist kein Unbekannter

Die Todesursache einer Bewohnerin in einem Seniorenheim ist geklärt. Ein 61-jähriger Verdächtiger wurde ausgeforscht. Sowohl für die Polizei als auch im Pensionistenheim ist er kein Unbekannter.
Grüner Zaun vor einem gelben Gebäude

Der Blumenstrauß war zu markant. So markant, dass der Mann, der ihn bei sich trug, zum Verdächtigen in einem Mordfall wurde. Jenem, der sich kürzlich in einem Pensionistenheim in Döbling zugetragen hat. Am 20. Jänner  wurde dort eine 87-jährige Bewohnerin leblos in ihrem Zimmer aufgefunden. Nun berichtete die Polizei über die Aufklärung des Falls in einer eigens dafür anberaumten Pressekonferenz. „Über den Fall wurde sehr viel spekuliert, deswegen wollten wir den gesicherten Sachverhalt darstellen“, sagt  Oberst Gerhard Winkler vom Landeskriminalamt.

Gesichert sei demnach, dass das Todesopfer in ihrem Zimmer aufgefunden wurde – nachdem die 87-Jährige zuvor weder zum Frühstück noch zum Mittagessen  erschienen war. Daraufhin sei die Ärztin des Heimes verständigt worden, die den Tod der Frau feststellte. Auch die Polizei sei informiert worden, die den Fall aufgrund der „bedenklichen Auffindungssituation sehr schnell als Mordfall eingestuft hat“, so Winkler. Die Bettdecke war über den Kopf gezogen, Blutanhaftungen am Polster und Decke wurden entdeckt, Einblutungen im Gesichtsbereich waren zu sehen, ein Fingernagel war abgebrochen und es wurden mehrere Ringe im Mund-Rachen-Raum der Pensionistin entdeckt. Wie und warum der Schmuck dorthin gelangte, müsse erst geklärt werden.

In der Nähe des Zimmers

In der Obduktion wurde festgestellt, dass der Tod der Frau „eindeutig auf Fremdverschulden“ zurückzuführen sei. Die Frau sei infolge einer Halskompression erstickt. Außerdem habe sie mehrere Rippenbrüche erlitten, so Winkler. 

Nach dem Täter sei zunächst im privaten Umfeld des Opfers gesucht worden. Hinweise hätten sich daraus aber nicht ergeben, weshalb im Heim weiterermittelt wurde. Dort rückte ein 61-jähriger Mann in den Fokus der Ermittlungen. Mitarbeitern und Bewohnern des Heimes sei der Mann am Vortag der Auffindung des Todesopfers aufgefallen. Der Mann sei dunkel gekleidet gewesen und habe einen „markant großen Blumenstrauß“ bei sich gehabt. Im relevanten Tatzeitraum habe er sich in der Nähe des Zimmers der Pensionistin aufgehalten.

Anhand der Personenbeschreibung sowie der Videoaufzeichnungen im Heim habe sich herausgestellt, dass es sich bei dem Mann um einen 61-jährigen türkischen Staatsbürger handle. Schon Ende Jänner konnte der Mann in seiner Wohnung festgenommen werden. Einer geregelten Tätigkeit gehe der Mann nicht nach, außerdem sei er laut eigenen Angaben spielsüchtig und habe Schulden. Geständig zeigte er sich bisher  nicht. Seit der Festnahme befindet sich der Mann  in Untersuchungshaft. Ein DNA-Gutachten, das seine Spuren am Opfer und im Heim bezeugt, belaste ihn zusätzlich. Ausständig seien nun noch das psychiatrische Gutachten, das Aufschluss über die Zurechnungsfähigkeit  des Mannes geben soll. Außerdem werden noch die sichergestellten Datenträger ausgewertet, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek. Danach seien die Ermittlungen abgeschlossen. 

Verdächtiger ist kein Unbekannter

Ein Unbekannter ist der Verdächtige übrigens nicht – weder für die Polizei noch im Pensionistenheim. Der Mann hat  im Jahr 2020 in demselben Heim eine Bewohnerin um ihr gesamtes Vermögen – über 180.000 Euro – gebracht. Dafür wurde er damals  verurteilt und inhaftiert. Erkannt hat ihn in dem Heim aber  niemand mehr. Aufmerksamkeit erweckte nur der Blumenstrauß.

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