Was ein Betreuungsplatz im Kindergarten wirklich kostet

Wien erhob erstmals exakte Kosten pro Betreuungsplatz. Im Schnitt liegen städtische Träger bei 13.767 Euro pro Jahr. Förderungen für private Einrichtungen beliefen sich auf 9.088 Euro.
Kinder spielen mit einem Holzpuzzle und Bausteinen in einem Kindergarten.

Ein Platz in einem städtischen Kindergarten ist grundsätzlich, mit Ausnahme von Essensbeiträgen, beitragsfrei – zumindest von Seiten der Eltern. Aber wie viel kostet der Kindergartenbesuch die Stadt eigentlich?
Erstmals wurden die exakten Ausgaben für Plätze im städtischen Kindergarten erhoben.

Laut MA 10 (Kindergärten) kostet ein Platz in einer städtischen Einrichtung im Schnitt 13.767 Euro pro Jahr.  Die Summe umfasst alle Kosten, die für den Betrieb notwendig sind. Auf Personal entfielen dabei  80 Prozent, 19 Prozent machen Sach- und ein Prozent sogenannte Overheadkosten aus.

Mehr Transparenz

Um für mehr Transparenz zu sorgen, feilte die MA10 in den vergangenen Jahren an einem neuen Modell der Kostenrechnung: Die dafür benötigten Daten seien grundsätzlich vorhanden gewesen, die Datenqualität musste allerdings verbessert werden, erklärte die zuständige Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) bei einem Medientermin am Montag. Im Vorjahr sei das neue Konzept von einer externen Wirtschaftsprüfung verifiziert worden, weshalb nun die Kostenrechnung für  2023 erstellt werden konnte. Die neue Methode soll  Grundlage für eine Reform des Fördersystems bilden, so Emmerling. Für 2025 konnte aufgrund des  Rechnungsabschlusses noch keine Bilanz gezogen werden.

Unterschiedliche Berechnungen

Wie viel im Gegensatz dazu, der private Kindergartenbesuch ausmacht, liege der Stadt laut Emmerling nicht vor. Zum Vergleich wurde deshalb die durchschnittliche ausbezahlte Fördersumme herangezogen, die durch die  geförderten Plätze geteilt wurde. Für das berechnete Jahr 2023 betrug die Förderung 9.088 Euro.  „Die Fördersumme deckt natürlich nicht den gesamten Betrieb des Trägers ab“, so die Bildungsstadträtin. 

Zudem sei es in privaten Kindergärten erlaubt, Elternbeiträge bis zu 274 Euro monatlich einzuheben. Der Unterschied ergebe sich außerdem aus dem Umstand, dass städtische Einrichtungen rund 90 Prozent des Bedarfs an Heilpädagogik- (400) und Integrationsplätzen (1.100) abdecken. So koste ein heilpädagogischer Platz  durchschnittlich 35.000 Euro pro Jahr, sagte Emmerling. Auch in puncto Sprachförderkräfte seien vor allem die städtischen Einrichtungen betroffen. Viele Kinder wachsen mit anderer Erstsprache auf, erlebten Kriegserfahrungen  oder haben einen erhöhten Förderbedarf. 

Sprachförderkräfte von Stadt zur Verfügung gestellt

Zuzüglich wurde auf  längere Öffnungszeiten der städtischen Kindergärten verwiesen, ebenso wie auf einen höheren Personalschlüssel. Anders als jene der privaten, werden Mitarbeiter der städtischen Träger zudem nach dem Gehaltsschlüssel der Stadt  bezahlt. Für die privaten Kindergärten gilt hingegen der Kollektivvertrag, der einen geringeren Lohn vorsieht. Sprachförderkräfte in privaten Einrichtungen werden deshalb von der Stadt bezahlt. 

Private Träger, die die Sprachförderung  nicht  standesgemäß umsetzen, sollen zudem künftig keine Förderungen mehr erhalten, erläuterte Emmerling.  

Opposition kritisiert

"Die Ungerechtigkeit zwischen den Förderungen von privaten und öffentlichen Kindergarten muss beendet werden", so das grüne Bildungssprecher-Duo Julia Malle und Felix Stadler. Private Kindergärten würden eine unverzichtbare Arbeit in der Elementarbildung dieser Stadt leisten: "Dafür haben sie sich eine gerechte Finanzierung verdient." 

Für ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß sei es hingegen eine "Schande", dass der Wiener Steuerzahler auch über fünf Jahre nach Amtsantritt der Neos nicht wisse, wie viel Geld der Stadt Wien ein Kind in einem städtischen Kindergarten und in einem privaten Kindergarten wert ist. Eine Prüfung des Stadtrechnungshof, veranlasst durch die ÖVP, sei ausschlaggebend dafür, dass konkrete Zahlen präsentiert wurden, mutmaßte Zierfuß in einer Aussendung am Montag.

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