Das neue "Boca" in Wien: Endlich richtig gut essen am Gürtel

Das "Boca" im neun Hotel "The Companion" bringt die Gegend kulinarisch weit nach vorne. Serviert wird richtig gute mediterrane Marktküche.
Küchenchefin Lauryn Therin im Hotelrestaurant Boca in Wien.

Das Beste, was einem Hotelrestaurant in Wien passieren kann: Wenn der Wiener Gast gar nicht weiß, dass er in einem solchen isst. Genau das versucht auch das neu eröffneteBoca“ im ebenfalls neuen Hotel „The Companion“ auf der äußeren Mariahilfer Straße (Nr. 127a), direkt neben dem Westbahnhof.

Die Wiener sind nämlich dafür bekannt, Hemmungen gegenüber Hotelrestaurants zu haben. Darum haben das hauseigene „Boca“ sowie die Bar Calypso“ jeweils Eingänge, die weder an der Rezeption vorbei noch durch große Eingangshallen führen. 

Hinter dem Projekt stecken die Macher des Hotels „Superbude“, wo es mit dem „Neni am Prater“ bereits gelungen ist, die Wiener über die Hotelschwelle zu bringen.

Unkompliziert und viel Geschmack

Aus dem Neni-Team stammt auch die Neuseeländerin Lauryn Therin, die schon bei Ottolenghi kochte und nunmehr Küchenchefin im „Boca“ ist. Dort hat man Therin die Freiheit gegeben, alles zu machen, was sie möchte: eine modern-mediterrane Marktküche, die sich Techniken und Produkten aus Frankreich, Italien, Spanien und Portugal bedient.

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Architektonisch trifft im Boca historischer Bestand auf zeitgenössisches Design.

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Fisch gibt es perfekt gegart und abhängig vom Angebot auf Wiens Märkten. 

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Die langsam gegarten Shortribs sind butterweich und zart.

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Könnte zum Signature-Gericht werden: „Aubergine Octopus“, in Streifen geschnittene, frittierte Melanzani mit Zitronenjoghurt, Thymianhonig und würziger Mojo-Rojo-Sauce.

Die Atmosphäre ist durchaus schick, aber nicht steif, die Produkte hochwertig und die Gerichte sehr produktfokussiert. Nichts wird übertüncht, es gibt auch kein unnötiges Chichi. In seiner Einfachheit köstlich ist die Vorspeise „Matrimonio“ (Heirat) aus zwei Sardellenarten: frische, weiße Boquerones und intensiv salzige, braunrötliche Anchovis mit Olivenöl. 

Frisch, säuerlich und nur ein bisschen scharf ist der dünn aufgeschnittene Wolfsbarsch in einer Marinade aus Oliven, Seefenchel und fermentiertem grünem (unreifem) Pfirsich.

Melanzani mal ganz anders

Mit den Fingern wird der „Aubergine Octopus“ – in Streifen geschnittene, frittierte Melanzani – gegessen: Die Streifen hängen noch am Strunk und werden einfach abgerissen (erinnert optisch eher an einen Bund Bananen). Dazu gibt's Zitronenjoghurt mit Thymianhonig und würziger Mojo-Rojo-Sauce. Hat das Potenzial zum Signature-Gericht.

Wir glauben daran, wissen aber nicht, ob die Leute den Sprung über den Gürtel wagen.

von Christian Lainer

Co-Gründer

Die langsam gegarten Shortribs auf Karfiolpüree sind butterweich und zerfallen beim ersten Gabelkontakt. Herrlich. Auch der Fisch (je nach Angebot am Markt) vom Panchagrill ist perfekt gegart.

Nicht "tot renoviert": Haus mit Charakter

Was auch hervorzustreichen ist: Das Gründerzeithaus wurde nicht „tot renoviert“, wie Co-Betreiber Christian Lainer es ausdrückt. Altes Mauerwerk und Stuck (unbedingt nach oben schauen!) wurden freigelegt und erhalten, statt dem Haus später krampfhaft wieder den „Wiener Charme“ aufdrücken zu wollen.

„Wir glauben daran, wissen aber nicht, ob die Leute den Sprung über den Gürtel wagen“, sagt Lainer. KURIER-Fazit: Mutig sein, der Sprung lohnt sich.

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Die Bar "Calypso" wird über einen separaten Eingang am Gürtel betreten.

In die Bar "Calypso" kommen Gäste innerhalb des Hotels sowie über einen separaten Eingang am Gürtel. Mit Márton Schroth wurde für die Bar einer der besten Barkeeper der Stadt an Bord geholt.

Gedimmtes Licht, roter Marmor und Samt lassen den Raum sehr intim wirken. Im Sommer soll auch der Gastgarten im Innenhof in Betrieb gehen.

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