Chronik Wien
10/13/2020

Lob und Tadel der Experten: Wie die Politiker im Wien-Wahlkampf performten

Christoph Haselmayer, Kathrin Stainer-Hämmerle und Thomas Hofer analysierten den Wahlkampf

Die Überraschung ist gelungen – da waren sich die Experten einig.

Montagabend waren Meinungsforscher Christoph Haselmayer, Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle und Politikberater Thomas Hofer zu Gast im KURIER-Stadtstudio auf der Mariahilfer Straße. Sie analysierten die vorläufigen Ergebnisse der Wien-Wahl. Mit der Überraschung meinten sie Christoph Wiederkehr, Spitzenkandidat der Neos.

 

„Heinz-Christian Strache wird diese Wahl-Bühne nie mehr wieder haben.
Seine Zeit ist endgültig abgelaufen“

Kathrin Stainer-Hämmerle, Politikwissenschafterin

Wiederkehr als Wahl-Überraschung

„Der Herr Wiederkehr hat sich vom Klassensprecher vor einem halben Jahr, zum Schulsprecher über den Sommer zum Spitzenkandidaten hin entwickelt“, kommentierte etwa Christoph Haselmayer. Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle pflichtete ihm bei: „Man belächelte ihn anfangs“, sagte sie.

Von Nobody zu Somebody

Dabei habe er sich vom „Nobody“ im Sommer vor allem während der TV-Duelle zu einem ernst zu nehmenden Koalitionspartner entwickelt. Auch für die Performance von Michael Ludwig (SPÖ) fanden die Experten lobende Worte. Seine Wahlkampfstrategie – ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“ – sei voll aufgegangen.

„Es war ein fehlerhafter türkiser Wahlkampf: Stichwort Nullen, 
Laptop und das Menasse-Posting“

Thomas Hofer, Politikberater

Maximum für Bürgermeister Michael Ludwig

„Das Ergebnis (42,2 Prozent laut Hochrechnung inkl. Wahlkartenprognose, Anm.) war das Maximum für ihn. Hätte er deutlichere Signale in Richtung FPÖ-Wählerschaft gemacht, hätte er wiederum viele andere Stimmen verloren“, analysiert Thomas Hofer. Kathrin Stainer-Hämmerle spricht gar von einer „perfekten Positionierung als Bürgermeister, außerhalb des Parteienstreits.“ Ludwig habe andere vorgeschickt, um die schmutzige Arbeit zu erledigen.

Er habe Vertrauen generiert und sich mit der SPÖ als „wirkliche Volkspartei in die Mitte gesetzt“. Dort war laut Stainer-Hämmerle übrigens deshalb Platz für ihn, weil die ÖVP nach rechts gerückt sei.

„Birgit Hebein hat mit autofreier Innenstadt, Pop-up-Radwegen und Gürtelpool auch Wähler verschreckt“

Christoph Haselmayer, Meinungsforscher

"Teddybär" Ludwig

Der Zenit sei für Ludwig noch nicht erreicht: Meinungsforscher Haselmayer geht davon aus, dass Ludwig sein Ergebnis bei der nächsten Wahl sogar noch toppen kann: „Gerade in der Krise ist ein Teddybär-Typ, der Ruhe ausstrahlt, genau das Richtige.“

"Überheblicher" türkiser Wahlkampf

Das Urteil der Experten über ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel fiel nicht so positiv aus – trotz Verdoppelung der Stimmen (18,8 Prozent). „Überheblich“, nannte Stainer-Hämmerle Blümels Wahlkampf und erinnerte an das „Wien-Bashing“. Auch für Hebein hagelte es Kritik, trotz guten Wahlergebnisses (14 Prozent): Mit der missglückten autofreien Innenstadt sei ihr ein Fehler unterlaufen.

Dass die Wahlbeteiligung von 74,7 auf 65 Prozent gefallen ist, führt Hofer auf Corona zurück – und die FPÖ. Ihre Wähler seien nämlich „demotiviert“ gewesen.

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