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Infektion
02/29/2020

Virustests: Die Ärzte der Corona-Hotline

Seit Freitag führen Mediziner Virustests zu Hause durch. Die Kapazitäten reichen nicht

von Katharina Zach, Gilbert Novy

Willkommen bei der „Virus-Hotline“ – zumindest nennt Alois Töglhofer die Nummer des Wiener Ärztefunkdienstes derzeit so.

Seit der Früh sitzt er an diesem Freitag in der Leitstelle am Telefon, das Mittagessen musste ausfallen. Einmal habe er es bis zum frühen Nachmittag geschafft, eine kleine Pause zu machen, erzählt der Arzt im Ruhestand. Jetzt hat er eine besorgte junge Frau in der Leitung. „ Welche Symptome haben Sie?“, fragt er. Und: „Wann waren Sie in Venedig?“ Ein Ärzteteam werde jetzt vorbeigeschickt. „Die werden vor der Tür Schutzkleidung anziehen und machen einen Test.“

Töglhofer ist einer von jenen Medizinern, die im Zuge des Notfallplans der Stadt Wien freiwillig im Coronaeinsatz stehen. Seit Freitag führen zwei Ärzte Hausbesuche bei Personen durch, die als Verdachtsfälle eingestuft wurden. Die Virusabstriche werden in den eigenen vier Wänden genommen. Das soll verhindern, dass Menschen selbstständig ins Spital oder zum Hausarzt gehen und das Virus unwissentlich verbreiten.

Und auch die Wiener Berufsrettung, die solche Fälle bisher ins Kaiser-Franz-Josef-Spital gebracht hat, soll damit entlastet werden.

Lange Warteliste

Für Töglhofer ist es als ehemaliger Polizeiarzt selbstverständlich, dass er da aushilft. Bei ihm landen nur Anrufer, die bereits von der Gesundheitshotline 1450 als Verdachtsfälle eingestuft wurden. Das heißt, sie haben grippeähnliche Symptome und waren in einer Krisenregion.

Die Fälle häufen sich. Rund 60 solcher Anrufer haben er und ein Kollege bis Freitagnachmittag betreut. „Und schauen Sie, es stehen gerade 15 auf der Warteliste“, sagt er und deutet auf den Bildschirm. Gesprächspartner würden berichten, dass sie bei 1450 bis zu zwei Stunden in der Warteschleife festhingen.

Kurz war probiert worden, auch die Hotline 141, die normalerweise erst ab 19 Uhr erreichbar ist, freizuschalten. Doch die Anzahl der Anrufe überforderte die Ärzte an den Telefonen. Man sei schon so „völlig überlastet.“

Das sieht auch Ernest Zulus, der ärztliche Leiter des Ärztefunkdienstes so. „Zwei Ärzte werden zu wenig sein“, meint er.

Die Kapazitäten müssten ausgeweitet werden. Derzeit werden laut Zulus weitere Mediziner angeschrieben und sogar Spitäler gebeten, Nebenbeschäftigungen bei ihren Mitarbeitern zu erlauben. Dabei grenzt das, was seit Donnerstag auf die Beine gestellt wurde, schon an eine logistische Meisterleistung. Schutzanzüge, Fahrzeuge und Telefonisten wie Töglhofer wurden vom Ärztefunkdienst innerhalb von 24 Stunden aufgetrieben.

Sorge, andere anzustecken

„Heute hat eine Kinderärztin angerufen, eine Standesbeamtin oder ein Vertreter, der in Deutschland unterwegs war“, berichtet nun der freiwillige Helfer. Die Leute hätten Sorge, sich selbst angesteckt zu haben, „aber noch mehr, dass sie andere anstecken könnten“, erzählt er.

Mit ruhiger Stimme erfragt Töglhofer daher Symptome und Reisegeschichte der Anrufer. „Einer hat heute gesagt, ’hören Sie, Sie fragen mich so viel, sind Sie von der Krone?’, erzählt der Arzt und lacht. Galgenhumor könnte man das wohl nennen.

Bange Stunden

Viele Anrufer würden dann von ihm wissen wollen, ob er, Töglhofer, glaube, dass sie sich infiziert haben. „Was soll ich da sagen? Ausschließen kann ich es nicht“, meint er.

Die Anrufer müssen sich jedenfalls auf ein paar bange Stunden einstellen. Bereits am Freitag kam es zu Wartezeiten von bis zu drei Stunden bis die Ärzte zum Hausbesuch eintrafen. Die dort genommenen Proben wurden gesammelt und am Abend ins Labor der Ages (Agentur für Ernährungssicherheit) zur Testung gebracht. Künftig soll so ein Transport drei Mal pro Tag stattfinden. Bis es dann ein Ergebnis gibt, dauert es noch einmal mehrere Stunden.

„Wichtig ist, dass die Patienten zu Hause bleiben. Damit sich das Virus nicht so schnell ausbreiten kann“, erklärt 141-Chef Zulus. Ist der Test positiv und geht es dem Patienten gut, kann er auch die vierzehntägige Quarantäne daheim verbringen. Leidet er unter Atemnot oder hat eine Lungenentzündung wird er ins Spital gebracht.

Für Unverständnis sorgt laut Töglhofer, dass die Mediziner in einigen Fällen nur von einem kranken Familienmitglied Abstriche nehmen, nicht aber von den gesunden. Es sei aber nicht möglich, jeden zu testen. „Das würde die Labore überfordern“, meint Zulus. Zudem koste ein Test auch 250 Euro.

Das spielt für die Frau am anderen Ende von Töglhofers Leitung keine Rolle. Sie wird getestet. „Lassen Sie Ihr Telefon an“, rät der Mediziner.

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