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Chronik Wien
08/22/2019

Vier Jahre Haft für gemeinen Diebstahl von 20 Kilogramm Gold

42-jähriger Rumäne stahl Altersvorsorge einer 79-jährigen Wienerin, während sie ein angeblicher Freund zum Essen einlud.

von Michaela Reibenwein

Die ältere Dame lebte immer bescheiden, wie sie betont. "Aber ich habe mir Gedanken über die Altersvorsorge gemacht. Ich wollte nie ins Heim, sondern daheim versorgt werden", erklärt sie am Donnerstag im Landesgericht für Strafsachen in Wien. 20 Goldbarren zu je einem Kilo hatte sie als eiserne Reserve in ihrer Wohnung versteckt. Wert: Mehr als 700.000 Euro.

Das Gold ist weg. Das Vertrauen auch. Denn ausgerechnet ein angeblicher Freund, übrigens ein Anwalt, hatte sie verraten und den Auftrag erteilt, das Gold zu stehlen. Der Mann wurde bereits zu 3,5 Jahren Haft verurteilt und trägt aktuell eine Fußfessel. Doch die Drecksarbeit soll ein 42-jähriger Rumäne für ihn gemacht haben. Er ist am Donnerstag geständig: "Es tut mir sehr, sehr leid."

Stefan K. war jener Mann, der vermutlich mit einem (unbekannten) Komplizen am 23. September 2017 in der Wohnung der Dame nach dem versteckten Gold suchte. Den Schlüssel hatte er zuvor aus ihrer Tasche gestohlen - die Frau war beim Anwalt zu Gast. Die beiden verband die Liebe zur Oper. Während der Anwalt die Frau ablenkte, machte sich Stefan K. auf die Suche: Doch er fand das versteckte Gold nicht. Sogar in den Mauern suchte er. "Alles war verwüstet", erinnert sich die Dame vor Gericht.

"Ich habe ihm vertraut"

Geschockt vom Einbruch bot ihr der angebliche Freund, der Anwalt, wieder seine Hilfe an. Er regle das für sie. Aber sie solle ihm sagen, wo das Gold sei. "Ich habe ihm vertraut", sagt die 79-jährige Frau. Und so freute sie sich auch über die Einladung, die der Anwalt zwei Wochen später aussprach. Und diesmal wussten die Diebe ganz genau, wo sie nach dem Geheimfach mit dem Gold suchen mussten. Wo das Gold jetzt ist, das ist unklar. Im Gericht wird diese Frage erst gar nicht gestellt.

Der Rumäne ist zwar voll geständig, verweigert aber die Aussage. "Er hat Angst vor dem dritten Täter", erklärt sein Anwalt Philipp Wolm. "Mit solchen Personen ist nicht zu spaßen." Der Drahtzieher der Sache sei allerdings der Anwalt gewesen, sein Mandant sei nur das Werkzeug gewesen.

Aber auch in einer zweiten Sache muss sich der Rumäne verantworten: Er soll das Haus einer vermögenden Familie in Speising geräumt haben - ohne dass diese es wusste. Im Haus befanden sich wertvolle Antiquitäten, darunter viele Asiatika. Das bestreitet der Angeklagte allerdings.

Urteil: Vier Jahre Haft, nicht rechtskräftig.