Traurige Bilanz nach Wiener Derby: Zwei Verletzte und 117 Anzeigen

Polizistin wurde von Feuerwerkskörper bei Einsatz gegen eskalierende Rapidfans nach Derbyniederlage verletzt.
Traurige Bilanz nach Wiener Derby: Zwei Verletzte und 117 Anzeigen

Das 0:2 im Derby gegen die Austria ist einem Teil der Rapid-"Fans" nicht gut bekommen. Ihrem Ärger haben sie nach dem Spiel Luft gemacht. Und wie die Kicker am Grünen Rasen haben sich danach auch nicht die Rapid-"Fans" durchgesetzt, sondern in dem Fall die Exekutive. 

Das lässt sich aus der Bilanz herauslesen, die die Polizei nach dem Wiener Derby am Montag veröffentlicht hat. Zwei Personen - darunter eine Polizistin - wurden am Sonntag verletzt. Die Polizistin beim Einsatz durch einen pyrotechnischen Gegenstand, ein 26-jähriger Fußballfan durch einen Böller. 

15.600 Besucher waren im Stadion, 1.500 davon kamen von Rapid. Die Exekutive hatte 500 Personen im Einsatz. Und diese Beamten hatte alle Hände voll zu tun. Denn schon im Stadion wurde über die ganze Spielzeit laut Polizei Pyrotechnik gezündet. 

Polizistin von Pyrotechnik-Werfer verletzt

Laut Polizei wurden zahlreiche pyrotechnische Gegenstände kurz vor Spielende vom Gästesektor mit den Rapid-Fans nicht nur in Richtung Spielfeld, sondern auch auf die angrenzende Tribüne geworfen. Während des Spiels wurden zudem zahlreiche Sachbeschädigungen im Gästesektor verursacht. Die Polizei musste einschreiten, das Spiel wurde unterbrochen und konnte erst später zu Ende gespielt werden. 

Nach Spielende und besiegelter Niederlage ging es außerhalb des Stadions weiter. "Im Zuge des Abstroms kam es im Bereich des Reumannplatzes zu gewaltsamen Ausschreitungen der Fans des SK Rapid gegen die Polizei", schildert eine Sprecherin der Polizei: "Teilweise vermummte Personen bewarfen die Einsatzkräfte gezielt mit Pyrotechnik, Glasflaschen und Bechern sowie Stühlen eines Lokals."

Dabei wurde schließlich auch die Polizeibeamtin verletzt. Es kam zu mehreren Sachbeschädigungen, unter anderem an einem Einsatzfahrzeug, die Täter wurden noch nicht ausgeforscht, heißt es. 

Die Polizei habe unter anderem Pfefferspray eingesetzt, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit wiederherzustellen. Weitere Ermittlungen, vor allem aufgrund des Verdachts des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, der versuchten schweren Körperverletzung und der Sachbeschädigung, laufen, versicherte die Polizei. 

Zur Aufklärung der Sachverhalte und zur strafrechtlichen Verfolgung werden unter anderem auch die lokalen Videoüberwachungen ausgewertet. Insgesamt wurden jedenfalls bislang 21 strafrechtliche Anzeigen gestellt, ebenso 96 verwaltungsrechtliche. Und dabei hatten die Rapid-Fans an diesem Abend das einzige Mal die Nase vorn.

Szenekundige Beamte vor Ort

Auf KURIER-Nachfrage betont die Landespolizeidirektion Wien, dass auch für dieses Derby ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet worden sei: "Dabei fließen auch die Informationen ein, die bei den Sicherheitsbesprechungen der Vereine ergehen. Konkrete Maßnahmen werden aus einsatztaktischen Gründen nicht bekanntgegeben." 

Bei der Durchführung des Derbys sei in erster Linie der Verein als Veranstalter gefordert. "Szenekundige Beamte der Polizei sind dabei Berater und helfen mit ihrer Erfahrung und Informationen aus der Fan-Szene. Für die Vereine besteht die Möglichkeit eines Stadionverbotes, für Personen die strafbaren Handlungen im Stadion begehen", heißt es seitens der Polizei, die erst einschreite, "wenn sich ein Grund für polizeiliches Handeln ergibt". Dabei werde immer unter der Prämisse der 3-D-Philiosophie, Dialog – Deeskalation – Durchsetzen, vorgegangen, sagt die Polizei. 

 Das große Mysterium der Pyrotechnik

Worüber sich die Polizei auch wundert: Wie pyrotechnische Gegenstände ins Stadion gelangen können obwohl bei behördlichen Rundgängen mit Sprengstoffhunden und bei Durchsuchungen der Stadiongäste beim Eintritt kaum bis keine gefährlichen Gegenstände gefunden werden. Das, so die Polizei, "werden die Verantwortlichen dieser Veranstaltung klären müssen".

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