Ein Raum, in dem Trauer Platz findet
Von Franziska Trautmann
Auf einem Tisch liegen zwischen Kaffeetassen kleine violette Karten. Auf ihnen stehen Sätze wie „Krebs ist scheiße!“ Wer will, zieht eine, mit der man sich identifizieren kann. Das soll helfen, einen Gesprächseinstieg zu finden. Im Trauercafé wird niemand gedrängt, seine Geschichte zu erzählen. Und genau das macht es für viele möglich, überhaupt zu beginnen.
Einmal im Monat, an einem Dienstag von 16 bis 18 Uhr, findet das Trauercafé vom Fonds Soziales Wien (FSW) im Café Ephata im 6. Bezirk statt. Menschen, die einen Verlust erlebt haben, können hierherkommen, um zu reden und zu trauern. Susanne Hermann, stellvertretende Leiterin des Mobilen Palliativ- und Hospizteam FSW, hat das Projekt im April 2025 ins Leben gerufen: „Die Idee ist aus unserer täglichen Arbeit im mobilen Hospiz- und Palliativteam entstanden.“
Die „Trauerkärtchen“ sollen beim Einstieg ins Gespräch helfen.
Angehörige bleiben zurück
Denn wenn Menschen sterben, die das Team begleitet hat, bleibt bei den Angehörigen meist eine Kerbe im Leben zurück. „Für die Angehörigen ist es dann oft schwierig, im Leben weiterzugehen. Und da haben wir uns entschlossen, einen Raum zu eröffnen, wo Trauer auch Sprache bekommt“, sagt Hermann.
In den Nachmittag wird zuerst mit Kaffee und Kuchen gestartet. Dann eröffnet Hermann mit einer Vorstellungsrunde. Durchschnittlich nehmen fünf bis zehn Leute teil, begleitet werden sie von Hermann und zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern aus dem mobilen Hospiz- und Palliativteam.
Sicherheit für ein Gespräch findet man laut Margit Wassermann in der Gruppe: „Mit diesem Verlust muss man umgehen und wenn man merkt, es ergeht jemandem ähnlich, dann fühlt man sich verbunden.“ Wassermann ist fast jeden Dienstag als freiwillige Mitarbeiterin dabei – die meisten Teilnehmer kennt sie schon persönlich. Auch Einzelgespräche sind möglich, „wenn man merkt, dass jemand Zeit und Aufmerksamkeit braucht.“
Für Hermann ist es wichtig, die Hemmschwelle, über Trauer zu sprechen, zu senken: „Trauer ist kein Randthema, es ist Teil unserer Gesellschaft, mit der viele Menschen im Laufe ihres Lebens konfrontiert sind.“ Zum Abschluss fragt sie, was jeder von dem heutigen Nachmittag mitgenommen hat und wie es einem geht. Laut ihr sprechen die meisten danach erleichterter. Viele verweilen auch noch nach 18 Uhr dort.
Menschen Raum geben
Zu dem Café Ephata ist Hermann durch Zufall gekommen. Sie war selbst einmal als Besucherin bei einer Veranstaltung dort. Geführt wird es seit über 25 Jahren vom Verein zur Förderung christlicher Jugend und der Erwachsenenpastorale der Erzdiözese Wien, betrieben von Erika Schütz und circa 25 Ehrenamtlichen, die immer wieder aushelfen. Obfrau des Vereins Gertrude Stagl freut sich über die Zusammenarbeit mit dem FSW: „Es geht darum, Menschen den Raum zu geben, dass sie wirklich trauern und sich danach auch wieder dem Leben zuwenden können.“
Mittlerweile steigt die Nachfrage, erste Teilnehmer aus April kommen immer noch regelmäßig. „Für uns steht derzeit nicht die Ausweitung des Angebots im Vordergrund, sondern die Verlässlichkeit eines stabilen Rahmens, in dem Menschen regelmäßig einen sicheren Ort für ihre Trauer finden“, sagt Hermann. Sicher ist aber eines: der nächste Termin findet am 17. Februar statt.
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