Spezieller Adventkalender: Tag für Tag durch die Trauer

Ein Mann und eine Frau sehen in die Kamera
Julia und Martin Dobretsberger sind Bestatter in Linz und haben nun einen Trauer-Adventkalender gestaltet und geschrieben.

Zusammenfassung

  • Julia und Martin Dobretsberger haben einen Trauer-Adventkalender entwickelt, um Trauernden in der emotional belastenden Weihnachtszeit Unterstützung zu bieten.
  • Der Kalender enthält Impulse, Anleitungen und stärkende Sprüche, die auf eigenen Erfahrungen und dem Austausch mit Angehörigen basieren.
  • Nach positiver Resonanz wird über eine Ausweitung des Projekts auf das ganze Jahr nachgedacht, unterstützt durch ansprechende Gestaltung und Rückmeldungen von Fachleuten.

Plötzlich kommen Gefühle auf, die schwer auszuhalten sind: Wie sollen wir Weihnachten und Silvester feiern, wenn jemand fehlt? In der Adventzeit, in Vorbereitung auf Weihnachten und rund um den Jahreswechsel haben Angehörige, die einen geliebten Menschen verloren haben, oft mehr emotionale Arbeit zu leisten als sonst.

„Das Problem ist die Gleichzeitigkeit“, sagt Julia Dobretsberger. Sie leitet mit ihrem Mann Martin das gleichnamige Bestattungsunternehmen in Linz.

„Diese Zeit ist an sich schön und besinnlich, aber für Trauernde oft besonders schwierig auszuhalten.“ Dazu kommt oft die Unsicherheit, wie denn die Festtage gestaltet werden sollen und dürfen, wenn man kürzlich einen Trauerfall im nahen Umfeld hatte. Aus diesem Grund hat das Paar heuer erstmals einen Trauer-Adventkalender herausgegeben, der Impulse, Anleitungen und stärkende Sprüche enthält.

Ein Brief an dich selbst

„Dabei haben wir auch unseren mittlerweile sehr reichen Erfahrungsschatz zurückgegriffen“, erklärt Dobretsberger. Oft sind es Fragen, die gestellt werden.

  • Etwa am 3. Dezember, wo es um die kleinen Erfolge geht: Was ist mir heute gut gelungen? Worüber konnte ich mich freuen?
  • Am 7. Dezember gibt es die Aufforderung, „einen Brief an dich selbst zu schreiben“. Ein Brief ist zu Papier gebrachte Liebe und Wertschätzung, die sich Trauernde bewusst selbst schenken sollen.
  • Und weil auch der Übergang ins neue Jahr herausfordernd sein kann, endet der Kalender erst am 6. Jänner. Da gibt es etwa am 2. Jänner noch den Impuls „Das vollende ich für dich“: Dabei geht es darum, sich von gemeinsamen Plänen und Träumen zu verabschieden, die nicht mehr umgesetzt werden konnten. Der Ratschlag: Manchmal kann es guttun, diese gemeinsam gefassten Gedanken selbst in die Tat umzusetzen und den geliebten Menschen bei der Realisierung „mitzunehmen“. Vielleicht mit einem persönlichen Gegenstand.
Cover eines Kalenders.

Trauer-Adventkalender von Julia und Martin Dobretsberger, Trauner Verlag, 23 Euro.

Eigentlich war der Kalender als Geschenk für Kundinnen und Kunden gedacht. Durch Zufall kam er zum Trauner Verlag. Dort war die Begeisterung über die Idee so groß, dass Produktion und Vertrieb übernommen wurden.

Nun liegen die optisch ansprechenden Exemplare in deutschen, Schweizer und österreichischen Buchgeschäften auf und werden fleißig gekauft, „meist als Geschenk für jemanden, der gerade trauert.“

Ansprechend gestaltet

Von Trauerbegleitern und Sozialarbeitern gab es bereits positive Rückmeldungen zum Kalender. Abgesehen von den Inhalten, ist der Kalender mit vielen schönen Bildern auch optisch ansprechend gestaltet.

Weil das Projekt so gut ankommt, wird nun überlegt, es auf das ganze Jahr auszurollen, mit dem Arbeitstitel „Mein erstes Trauerjahr“.

Feinfühlig & einfach

Inhalte und Erfahrungen haben Julia und Martin Dobretsberger genug, „wir sind ja im offenen Austausch mit Angehörigen. Wir hören, was ihnen wirklich hilft im Trauerprozess.“ Das Wichtige sei, Menschen feinfühlig dort abzuholen, wo sie sind, „das machen wir einfach und niederschwellig“, sagt Julia Dobretsberger.

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