Chronik Wien

Tierschützer fordern Winterregeln für Fiaker

Fahrverbot bei Glatteis und besser ausgestattete Standplätze sind die Ziele der Tierschutzorganisationen.

12/12/2013, 02:15 PM

Über kaum eine Besucherattraktion wird in Wien so viel diskutiert wie über die Fiaker. Während sie sich bei Touristen ungebrochener Beliebtheit erfreuen, geraten sie auf der anderen Seite regelmäßig in die Kritik von Tierschützern. So fordern diese nun ein Fahrverbot bei Glatteis und spezielle Winterregeln für die Wiener Traditionsbetriebe. Die Fiakerbetreiber und das Veterinäramt sehen hingegen keine Veranlassung, bestehende Regelungen zu ändern.

Kritik und Forderungen

Laut Elisabeth Sablik vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) bestehe auf den winterlich vereisten Straßen nicht nur erhöhte Sturzgefahr für die Pferde, was wiederum auch die mitfahrenden Touristen gefährde, auch das Streusalz auf den Straßen sei für die Tiere ungesund, erläutert die Tierschützerin gegenüber dem ORF.

Auch die TierschutzorganisationVier Pfotenwünscht sich Einschränkungen für den winterlichen Fiakerbetrieb. So solle sichergestellt werden, dass verschwitze Pferde mit trockenen Decken abgedeckt werden und sie regelmäßig temperiertes Wasser und genügend Heu bekommen. Grundsätzlich sind sowohl Vier Pfoten als auch der VGT für ein generelles Fiakerverbot in Wien gibt. Der VGT hat hierzu eineUnterschriftensammlung ins Leben gerufen.

Wenig Verständnis

Wenig Verständnis für die Forderungen zeigt die stellvertretende Branchensprecherin in der Wiener Wirtschaftskammer, Martina Michelfeit. Bei Temperaturen zwischen null und zehn Grad fühlten sich Pferde am wohlsten, rechtfertigt sich die Fiakerin gegenüber dem ORF, und auf dem Standplatz würden sie ohnehin immer eingedeckt. Auch die erhöhte Sturzgefahr sei kein Thema, da die Pferde mit Spikes ausgerüstet seien.

Überhaupt seien im Winter die Fiaker um rund 80 Prozent weniger unterwegs. "Sechs bis sieben Stunden sind wir täglich im Einsatz, im Gegensatz zum Sommer, wo bis zu zwölf Stunden gefahren wird", so Michelfeit (mehr zu den Kritikpunkten im Sommer finden Sie hier).

Tägliche Kontrollen

Rückendeckung erhält Michelfeit vom Veterinäramt (MA 60). Die Fiakerstandplätze werden vom Veterinäramt einmal pro Woche geprüft. „Bei minus zehn Grad und darunter kontrollieren wir täglich“, erklärt Walter Reisp, Tierarzt und Leiter der MA 60. "Wir gehen jeder Beschwerde nach", so Reisp.

Vier Pfoten Österreich
Verein gegen Tierfabriken
Veterinärdienste & Tierschutz (MA 60)

Nicht alle Ideen im Fiakergewerbe erwiesen sich als zielführend

Aktuell gibt es in Wien 164 Fiakerkutschen, die 32 Unternehmer ihr Eigen nennen. Die traditionsbetonten Gefährte warten täglich an den fünf Standorten Stephansplatz, Petersplatz, Albertina, Michaelerplatz und Burgtheater auf - meist touristische - Kundschaft. Wer einen der lediglich 58 Stehplätze wann beanspruchen darf, ist durch fix zugeteilte Platzkarten geregelt.

Strengere Vorschriften

Verankert sind die Vorschriften im Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz. Dieses wurde zuletzt 2011 von der rot-grünen Stadtregierung novelliert. Seither müssen die Gespanne mit Fahrtenbuch und Nummerntafeln ausgestattet sein, stattet das Veterinäramt unangemeldete Besuche in Ställen und an Standplätzen ab, und müssen vermehrt verpflichtende Ruhezeiten für Pferde eingehalten werden.

Außerdem wurden die "Pooh-Bags" zur ausnahmslosen Pflicht. Davor konnten sich Gegner der bereits 2004 eingeführten Pferdewindeln mittels Ersatzzahlung freikaufen. Bei Verstößen gegen die Vorschriften werden diverse Strafen verhängt, wobei die Höchstgrenze bei 3.500 Euro liegt.

Standort Heldenplatz aufgelassen

In den vergangenen Jahren waren die Wiener Wahrzeichen immer wieder mit Vorwürfen von Tierschützern konfrontiert - aktuell wegen der angeblich zu hohen Hitzebelastung der Zugtiere. Die Stadt versuchte die im Laufe der Zeit vorgebrachten Kritikpunkte nicht nur mit der erwähnten Gesetzesnovellierung, sondern auch durch die vermehrte Beschattung der Standplätze abzuschwächen. Im Zuge letzterer wurde der viel frequentierte Standort Heldenplatz wegen zu hoher Sonneneinstrahlung vor einiger Zeit aufgelassen.

Einige Ideen im Fiakergewerbe erwiesen sich aber als nicht zielführend. So scheiterte 2007 ein Versuch mit Gummihufen, um die überproportionale Beschädigung des Innenstadtpflasters durch die eisernen Pferdeschuhe zu verhindern. Auch in Salzburg wurde das Projekt wieder ad acte gelegt (mehr dazu hier).

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