© APA/FRANZ WINTER

Stadt Salzburg
12/07/2012

Neue Huf-Schuhe für Fiaker

Salzburgs Fiaker-Pferde testeten neu entwickelte Hufbeschläge. Das Material fiel prompt durch.

Seit drei Jahren tüfteln die Fiakerfahrer in Salzburg schon mit dem städtischen Bauressort an einem passenden, für die Pferde geeigneten und zugleich Straßen schonenden Hufbeschlag. Wie es sich mit den neuen Hightech-Hufschuhen auf dem Pflaster der Mozartstadt läuft, testeten nun die zwei Haflinger-Stuten "Bella" und "Paula". Der innovative Beschlag soll nicht nur Gelenksentzündungen bei den Tieren vorbeugen, sondern auch keine Schäden mehr an den Straßen verursachen. Doch vorerst werden die Hufschuhe nur im Sommer zum Einsatz kommen.

Stute verletzt

Kaum begonnen, musste der Testversuch nämlich auch schon wieder abgebrochen werden. "Bella" rutsche am Donnerstag Abend auf der eisglatten Moosstraße aus. "Die Stute stürzte und musste von der Feuerwehr mit einem Bergekran aufgehoben werden. Sie hat an der Hüfte eine Abschürfung, sonst ist sie nicht verletzt", schilderte Fiaker-Obmann Franz Winter.

Vorerst wird es also nichts mit dem neuen Huf-Beschlag. Die Pferde hätten sich bei dem dichten Schneefall wie auf einem Eislaufplatz bewegt, die Verletzungsgefahr sei einfach zu groß, erklärte Winter gegenüber dem KURIER. Im Sommer soll dann ein neuer Versuch gestartet werden. Falls nach der Material-Feinabstimmung der Test dann zur Zufriedenheit aller verläuft, werden die fünf Fiakerbetreiber die Pferde ihrer insgesamt 13 Kutschen mit geschmeidigeren Sohlen ausstatten.

Doch Winter ortete noch ein weiteres Problem: Die Zehenkappen aus Metall federn beim Gehen der Tiere nach und verbiegen sich. Die Herstellerfirma Zitt in Frankfurt werde sich da noch etwas einfallen lassen. Bisher habe das Unternehmen 25.000 bis 30.000 Euro in die Entwicklung des Kunststoffes gesteckt, ein Pferde-Chiropraktiker habe sein Wissen miteingebracht, erzählte der Obmann. "Das Material ist so beschaffen, dass sich die Pferde wie barfuß, wie auf Wolke sieben bewegen."

Einsatz auch bei transsibirischer Eisenbahn

Der neue Beschlag ähnelt Profilsohlen von Winterschuhen. Er besteht aus einem Kunststoffgemisch, das auch für die transsibirische Eisenbahn zum Schutz der Achsen vor Eisbrocken und für Golfschuh-Einlagen verwendet wird. Falls er hält, was er verspricht, könnte für die Stadt ein finanzieller Vorteil entstehen. Der jährliche Schaden an den Fahrbahnbelägen, verursacht durch Hufeisen mit Stollen oder auch kleineren Metall-Stiften, könnte von derzeit geschätzten 100.000 Euro gegen Null reduziert werden, meinte Baustadträtin Claudia Schmidt bei einem Lokalaugenschein am Alten Markt.

Bisherige Modelle eigneten sich nicht für Fiakerpferde. In Wien wurden Beschläge aus Kunststoff vom Veterinäramt und der Fiakerinnung abgelehnt. Deshalb würden die Berufskollegen aus der Bundeshauptstadt und auch aus Innsbruck mit Interesse den Pilotversuch in Salzburg beobachten, sagte der Fiaker-Obmann.

Der Kunststoffbeschlag kostet allerdings um einiges mehr als der herkömmliche Eisenbeschlag: Rund 250 Euro statt 100 Euro pro Pferd. Für die Gesundheit der Rösser und um der Stadt entgegenzukommen, wollen die Kutscher das offenbar in Kauf nehmen.

Weiterhin keine Pooh-Bags

Die Verwendung von "Pferdewindeln" wie Pooh-Bags lehnen sie weiterhin ab. "Das funktioniert nicht", sagte Winter. Täglich räumten jetzt drei bis vier Angestellte den Pferdemist von den Straßen. Dass es weniger Beschwerden gibt, räumte auch die Baustadträtin ein. An der Staatsbrücke riecht es aber immer noch stark nach Urin. Baustadträtin Schmidt hofft auch hier auf eine innovative Lösung, "auch wenn es vielleicht noch etwas länger dauert".

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