Hirschziegenantilope in Schönbrunn erschossen: So steht es um die Art
Sie ist weder Hirsch noch Ziege – die Hirschziegenantilope ist schlicht eine Antilope, die mit der echten Gazelle verwandt ist. Und in Sachen Aussehen vielleicht entfernt an Ziege (Korkenzieher-Hörner) und Hirsch (Färbung) erinnert.
Wer Zoos besucht, hat sie wahrscheinlich schon einmal gesehen. Denn sie gehört zu den am häufigsten gezeigten Antilopen in europäischen Tiergärten. Ein noch unbekannter Täter hat in der Nacht auf vergangenen Sonntag ein Tier in Schönbrunn erschossen (der KURIER berichtete). Die Nachricht ging um die Welt.
Hirschziegenantilopen sind in freier Wildbahn in Indien anzutreffen. Sie gelten manchen als heilig und sind überaus streng geschützt. Die Gesetze gelten für alle, auch für Bollywood-Stars.
Wilderei vor Gericht
1998 soll der Schauspieler und Filmproduzent Salman Khan während Dreharbeiten zwei Hirschziegenantilopen erschossen haben. Er musste vor Gericht. Der Prozess ging durch alle Instanzen. 2018 wurde der Bollywood-Star zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Er wurde gegen Kaution freigelassen. Und immer noch gibt es Bewegung in diesem Fall.
Streit hin, Streit her: Hirschziegenantilopen selbst sind friedliche Tiere. Sie besiedeln Grasland und lockere Wälder, fressen Blätter und Gras. Sie schließen sich zu Herden zusammen. Wenn Gefahr droht, fliehen sie – und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h. Damit können sie den meisten ihrer Feinde entkommen, dem Menschen und einem Raubtier aber nicht.
Mit Geparden gejagt
Adelige hetzten zur Zeit der Maharadschas Geparden auf die Antilope. Zwei so schnelle Tiere zu beobachten, scheint den Reiz dieser Jagd ausgemacht zu haben. Geparden können über 100 km/h laufen. Begehrt war aber auch das Fleisch der Antilope – und nicht nur das: Europäische Siedler jagten die Tiere zum Vergnügen. Die Hörner des Männchens waren die Trophäen.
Merkmale
Hirschziegenantilopen (Antilope cervicapra) wiegen bis zu 40 Kilogramm und messen eine Schulterhöhe von 80 cm. Die Männchen tragen Hörner (50 bis 70 cm) und haben dunkleres Fell als die Weibchen. Die Unterseite ist bei beiden Geschlechtern weiß. Typisch sind hohe Prellsprünge beim Spielen oder auf der Flucht.
Lebensweise
Die Hirschziegenantilopen sind tagaktiv und bilden Herden von bis zu 50 Tieren. Früher sollen es bis zu 1.000 Tiere gewesen sein.
Das und der Verlust von Lebensraum führten, wie so oft, dazu, dass die Population schrumpfte. Im 19. Jahrhundert gab es etwa vier Millionen; 1964 blieben 8.000. Indien handelte und richtete Reservate wie den Blackbuck-Nationalpark ein.
Blackbuck heißt das Tier auf Englisch – Schwarzbock, weil der Rücken der Männchen sehr dunkel gefärbt ist. Aktuell sollen 50.000 Hirschziegenantilopen in den Schutzgebieten in Indien leben. In Texas und Argentinien wurde die Art eingeführt, um sie zu bejagen. Zum Teil sind die Gruppen verwildert.
Und es bleiben ihnen die Tiergärten. In Zoos bewohnen sie oft mit anderen Tieren WGs. In Zürich unter anderem mit Elefanten. In Schönbrunn leben Nashörner und Hirschziegenantilopen in einem Gehege. Eigentlich sollten sie hier in Sicherheit sein.
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