Kein Geld, dennoch "a Musi": Freie Bühne Wieden eröffnet wieder

Mutiger Neustart im ehemaligen Theater von Topsy Küppers. Es startet bezeichnend mit der Farce "Bezahlt wird nicht".
Der neue Theaterdirektor bewirbt auf der Bühne sein erstes Stück.

Es ist dieses Leuchten in den Augen von Gernot Kranner, von dem man in Wien doch beeindruckt ist. Der Sänger, Schauspieler und Regisseur ist seinem Herzen gefolgt und wohl nicht den Anlagetipps der Bankberater. Kranner hat die „Freie Bühne, das Theater auf der Wieden“ wieder ins Leben zurückgeholt.

Nachdem seine Kollegin Michaela Ehrenstein Ende 2025 „nach 16 Jahren mit 70 Uraufführungen und großem Idealismus“ die Direktion an der Wiedner Hauptstraße zurückgelegt hat (der KURIER berichtete), sprang Kranner mit „null Budget“, aber zig kreativen Ideen ein.

„Ich hatte als Junger das Glück, gefördert zu werden“, erzählt der neue Intendant der „Freien Bühne“. Davon möchte er etwas an junge Akteure zurückgeben: „In dem Haus mit seiner wunderbaren Vergangenheit soll eine Talenteschmiede entstehen.“

Null Euro Förderung

Eine Bühne bieten möchte Kranner „allen Leuten, die etwas können, und solchen, die etwas können möchten“. Die erste Premiere findet am 27. März statt. Sie ist auch als eine Hommage an die Gründerin des privaten Theaters zu verstehen.

Seinerzeit, vor 50 Jahren, hat auch Topsy Küppers mit dem bekannten Musical „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler debütiert.

Gemeinsam mit seinem Sohn Sebastian bereitet der Theaterprinzipal auch eine erste eigene Produktion vor: „Bezahlt wird nicht!“ Diese „Farce“ von Dario Fo ist auch als klare Botschaft an die Stadtregierung zu verstehen. Denn Gernot Kranner startet Stand heute „mit 3.500 Euro an privaten Spenden, null Euro Förderung“ und einigem vom selbst Ersparten.

Lange wird es das aber nicht spielen. Nur Miete und Betriebskosten verschlingen 3.500 Euro pro Monat. Und den jungen und den älteren Akteuren der Freien Bühne will er „selbstverständlich auch etwas bezahlen“.

Dessen ungeachtet hat das junge Team rund um den erfahrenen Schauspieler den Bogen seiner Darbietungen weit gespannt: Er reicht von Kreisler und Dario Fo über ein Heinz-Conrads-Gedenkkonzert bis zu Kindertheater. „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt stehen ebenso bereits auf dem Programm wie der „Club 4“, ein eigenes Diskussionsformat in Wien 4, angelehnt an den „Club 2“.

Spannend ist auch die Idee der jungen Regisseurin Claudia Bühlmann, mit den Talenten des Theaters nach draußen zu gehen und zum Beispiel am Südtiroler Platz oder in der Wiedner Hauptstraße aufzutreten.

Wer seine Initiative gut findet, den bittet Prinzipal Gernot Kranner dem Theater (100 Sitzplätze im ersten Stock eines Wohnhauses) eine Chance zu geben: „Man kann bereits online Tickets kaufen.“ Und vielleicht wird in Wien – frei nach Dario Fo – doch noch etwas bezahlt.

Kommentare