"Bauskandal": Abriss des historischen Taubenschlags war illegal
Aufnahme vom Sommer 2025: Die letzten Tage des historischen Taubenschlags.
Von der stolzen Geschichte, die Jahrhunderte überdauerte, blieb nur ein Trümmerhaufen aus Ziegeln übrig: Der KURIER-Bericht über den abgerissenen Taubenschlag in Meidling, den es schon zur Zeit der Türkenbelagerung um 1683 gegeben hat, hat nicht nur in der Leserschaft hohe Wellen geschlagen. Denn auch die Wiener Baupolizei hat sich der Causa angenommen und nun Unglaubliches festgestellt: Der Abriss am Khleslplatz war rechtswidrig.
Bis zu 300.000 € Strafe
„Der angesprochene Taubenschlag fällt definitiv unter die Bauwerke vor 1945, somit hätte es hierfür auf jeden Fall eine Abbruchbewilligung gebraucht“, erklärt Nicole Nestler, Sprecherin der MA 37 (Baupolizei). Nachsatz: „Da ein solches Ansuchen bei uns nicht gestellt wurde, werden wir in Folge einen Strafantrag an die für Baurecht zuständige MA 64 stellen. Das Strafmaß für Abbrüche ohne Bewilligung kann bis zu 300.000 Euro betragen.“
Empfänger ist in diesem Fall der Grundstückseigentümer „Liv-Bauträger“ von Geschäftsführer Clemens Rauhs. Ihm gehört die Liegenschaft des Biedermeierensembles an der Adresse Khleslplatz 3, das nach einer umstrittenen Umwidmung im vergangenen Herbst nunmehr aufgestockt und erweitert werden kann. Warum der rund 350 Jahre alte, schindelgedeckte Taubenschlag bei den ersten Bauvorbereitungsarbeiten vernichtet wurde, ist weiterhin unklar: Rauhs reagiert nach wie vor nicht auf KURIER-Anfragen – auch nicht zum Vorwurf des illegalen Abrisses dieses Kleinods und der bevorstehenden Strafe.
Realistisch erscheint, dass der Taubenschlag der künftigen Gartennutzung einfach im Weg stand. Unklar ist, ob ein Aspekt strafverschärfend wirken könnte: Denn der Taubenschlag war zwar nicht per se denkmalgeschützt, doch er befand sich in einer Schutzzone (noch dazu der ersten in Wien überhaupt – seit 1973). Auch die zuständige MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) hat bereits mitgeteilt, dass „kein Abbruchansuchen“ gestellt wurde.
Nur ein Trümmerhaufen aus Ziegeln blieb übrig.
Als „Dank“ für Widmung
Für Dieter Feiertag von der Initiative „Rettet den Khleslplatz!“ ist das Ganze ein Drama: Zuerst sei der Investor mit einer Umwidmung beschenkt worden, um sich dann mit dieser Zerstörung zu „bedanken“: „Das vermittelt den Eindruck, dass Kulturerbe, Schutzzone und baurechtliche Spielregeln hier wenig zählen.“
Auch FPÖ-Landesparteisekretär Lukas Brucker sieht darin einen „kulturpolitischen Skandal“ und fordert „empfindliche Strafen“.
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