Seit der Türkenbelagerung: Aufregung um Zerstörung eines historischen Baujuwels

Kurz vor Weihnachten fuhren die Bagger auf und demolierten das Kleinod.
Kurz nach der umstrittenen Umwidmung am Khleslplatz wurde ein rund 350 Jahre alter Taubenschlag demoliert. Der KURIER hatte schon 1954 über ihn berichtet.

Der Besitzer des Hauses, selbst schon im Silberhaar, erzählt, daß dieser wahrscheinlich älteste Taubenschlag Wiens laut Urkunde bereits im Jahre 1683, also zur Zeit der Türkenbelagerung, existierte. „Alles haben sie damals in der Geschwindigkeit halt auch nicht niederbrennen können, die Herren Kara Mustapha und Konsorten“, lächelt der alte Herr.

Wir schreiben den 7. August 1954, als der „KURIER am Sonntag“ eine ganzseitige Reportage über ein Biedermeierschlössl am Khleslplatz in Altmannsdorf druckt. Wobei es dem Autor besonders der im Innenhof positionierte uralte, mehrstöckige Taubenschlag angetan hat: Vorwiegend deshalb, weil dieser schon damals – Österreich war noch besetzt und neun Monate vom Staatsvertrag entfernt – ein stattliches Alter aufwies.

Aufnahme vom Sommer 2025: Die letzten Tage des historischen Taubenschlags.

Aufnahme vom Sommer 2025: Die letzten Tage des historischen Taubenschlags. 

Abriss auf Khleslplatz 3

Heuer wären es 72 weitere und insgesamt bereits rund 350 Jahre, die dieser Taubenschlag auf dem Buckel respektive den formschönen Holzschindeln hätte. Wären und hätte deshalb, weil es dieses Hinterhofjuwel seit Kurzem nun nicht mehr gibt. Denn nach der im Herbst erfolgten, höchst umstrittenen Umwidmung am Khleslplatz fanden zuletzt bereits die ersten Abrissarbeiten am Biedermeierensemble statt – und das zum Grundstück Khleslplatz 3 gehörende Kleinod wurde dabei unwiederbringlich dem Erdboden gleichgemacht.

Damit muss nicht nur Geschichte, sondern es müssen auch die Internet-Einträge umgeschrieben werden: Im Geschichte-Wiki der Stadt Wien ist der „schindelgedeckte Taubenschlag im Hof“ derzeit ebenso noch eingetragen wie auf Google Maps (wo er auf dem Satellitenbild gut zu erkennen ist). Realiter ist freilich nichts mehr übriggeblieben – denn laut Walter Blocher von der Initiative „Rettet den Khleslplatz!“ ist der Hof bereits komplett planiert.

KURIER-Ausgabe vom 7. August 1954.

KURIER-Ausgabe vom 7. August 1954.

Der Taubenschlag, „der schon Kara Mustapha gesehen hat“, ist in der KURIER-Reportage abgelichtet. Im Hintergrund die St.-Oswald-Kirche.

Der Taubenschlag, „der schon Kara Mustapha gesehen hat“, ist in der KURIER-Reportage abgelichtet. Im Hintergrund die St.-Oswald-Kirche. 

Er ist als Anrainer schwer enttäuscht von diesem Kulturfrevel: „Was das brandschatzende und plündernde Heer der Osmanen seinerzeit nicht schaffte, wurde nun von Immobilieninvestoren zerstört“, bedauert Blocher, der insbesondere ein Versagen der Schutzzone sieht. Denn obwohl der Khleslplatz als letzter Dreiecksanger Wiens gemeinsam mit dem Spittelberg schon 1973 zur ersten Schutzzone Wiens avancierte, erfolgte durch die Umwidmung nun die Aufstockungs- und Erweiterungsmöglichkeit des pittoresken Ensembles. „Wir haben die zuständigen Behörden auch immer auf den Taubenschlag aufmerksam gemacht, sie können sich also nicht darauf berufen, nichts gewusst zu haben“, kritisiert Blocher. Auch der Eigentümer habe die Bürgerinitiative nicht vom Abriss informiert, sonst hätte man ja eine Rettungsaktion starten können: „Man hätte ihn ja direkt am Khleslplatz oder in einem Museum aufstellen können.“

Eigentümer schweigt

Warum das Mini-Bauwerk abgerissen wurde, darüber kann nur spekuliert werden. Offensichtlich erscheint, dass es der künftigen Verwertung des Gartens entgegenstand. Immobilien-Eigentümer Clemens Rauhs ließ eine KURIER-Anfrage am Montag unbeantwortet.

Baufällig dürfte der ziegelgemauerte Taubenschlag jedenfalls nicht gewesen sein, denn etwas schief war er immer schon, wie der KURIER anno 1954 schrieb: Sein Geheimnis sei nämlich, dass seinerzeit ein etwas schiefer Baumstamm ummauert und darauf dieser ehrwürdige Zeuge von Jahrhunderten errichtet wurde. Übrigens schwärmte der Reporter schon damals vom Idyll Khleslplatz, wo die Zeit stillzustehen scheint.

Anders als ein Taubenschlag in Simmering (wiewohl „nur“ aus dem frühen 19. Jahrhundert), stand jener am Khleslplatz nicht unter Denkmalschutz. Doch warum griff die Schutzzone hier nicht? Eine Referentin der zuständigen MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) beteuert, dass kein „Abbruchansuchen“ vorläge; die Causa werde geprüft.

Blocher und Co. hoffen, dass wenigstens der auf Khleslplatz 8 situierte (und wesentlich jüngere) Taubenschlag erhalten bleibt – denn auch dort gibt es jetzt Erweiterungspläne. Die neue Widmung macht es möglich.

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