Straßenbemalung in Wien: Was sie bringt und was sie kostet

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In der Josefstadt wird derzeit über die Bemalung einer Gasse diskutiert. Vorgängerprojekte gibt es einige.

Farbe sollte eigentlich für gute Laune sorgen. In der Schmidgasse aber sorgt sie derzeit für Verstimmung. Die geplante Bemalung der dortigen Wohnstraße wird, wie berichtet, nicht von allen Anrainern gut geheißen. Zuletzt schaltete sich sogar die FPÖ im Bezirk ein, die bunte Straßen nicht als Verkehrspolitik erachtet. Dabei ist die Schmidgasse bei Weitem nicht die erste Gasse, die einen bunten Anstrich erhält.

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Noch heuer soll die Schmidgasse in Farbe getaucht werden. Nicht alle sind überzeugt.

Die Staglgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus wurde blau gestrichen, auf der Ernst-Melchior-Gasse in der Leopoldstadt wurde ein großes Tierchen angebracht – um nur einige zu nennen. Wohnstraßen wurden bisher zwei bemalt, wie die MA 28 (Straßenverwaltung und Straßenbau) berichtet. Darunter die Markgraf-Rüdiger-Straße, bei der man versucht hat, den Autofahrern mit Blumen zu vermitteln, dass es sich um eine Wohnstraße handelt – eine Nachricht durch die Blume sozusagen.

Straßenbemalung

Die Staglgasse bekam einen blauen Anstrich.

Angestoßen wurde deren Bemalung von der Initiative „Space and Place“. Schon damals, im Jahr 2020, war das kein leichtes Unterfangen. Allerdings nicht aufgrund von Gegenwind. Das Problem war damals viel eher, dass das Konzept der Straßenbemalung in Wien noch nicht so bekannt war. Dadurch haben „die Mühlen langsamer gemahlen“, sagt Brigitte Vettori, die Initiatorin von „Space and Place“. Bis die Straßenbemalung in der Markgraf-Rüdiger-Straße tatsächlich umgesetzt werden konnte, sei viel Zeit vergangen.

Mühlen mahlen langsam

Zuerst seien die Entwürfe mit einer Künstlerin erarbeitet worden. Dann sei die Abstimmung mit dem Bezirk und den Magistraten erfolgt. „Bis alle Genehmigungen da waren, ist ein Jahr vergangen“, sagt Vettori. Zu beachten gibt es schließlich einiges: Es dürfen keine bestehenden Markierungen oder Blindenleitsysteme übermalt werden, zu Pollern und Gehsteigen muss Abstand gehalten werden und 3-D-Effekte und Werbungen sind nicht zulässig, berichtet die MA 28.

Und dennoch gehe heute alles schneller und einfacher als noch vor ein paar Jahren: „Die Straßenbemalung als Verkehrsmaßnahme ist in der Stadt angekommen“, so Vettori. Eines aber bleibe gleich: Die Kosten. In der Schmidgasse sind für die Bemalung 15.000 Euro budgetiert. Für einige Anrainer und die FPÖ viel zu viel Geld.

Straßenbemalung

Auf der Ernst-Melchior-Gasse  ist ein türkises Tierchen zu Hause.

Dass Straßenbemalungen teuer sind, kann auch Brigitte Vettori nicht abstreiten: „Insgesamt ist es in Wien eine sehr teure Aktion, Straßen zu bemalen.“ Grund dafür seien unter anderem die speziellen Farben. „Wir waren mit dem Projekt Streetforum in der Türkei. In Istanbul haben sie eine Straße mit normaler Weißelfarbe bemalt. Das geht in Wien nicht.“ Hier werden spezielle rutschfeste Farben benötigt. Die Kosten sind dementsprechend hoch. Auch für die Blumen in der Markgraf-Rüdiger-Straße habe man damals in etwa 15.000 Euro bezahlt.

Zahlt es sich aus?

„Neugestaltungen kosten immer etwas“, sagt Vettori. Auszahlen würde es sich dennoch: „Durch die Bemalung wird eine Straße auch optisch zu einer Wohnstraße.“ Sie werde zu einem Ort, an dem sich Menschen gerne aufhalten, einander begegnen. „Es bringt einfach mehr Miteinander, mehr Verkehrsberuhigung.“

Außerdem sei die Maßnahme noch immer günstiger, als die Straße auf ein Niveau zu bringen – also die Anpassung der Straße an die Höhe des Gehsteiges. „Ich bin zwar völlig für eine Anpassung, aber es muss nicht sein. Man kann mit wenigen Mitteln viel machen“, sagt Vettori.

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