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Stadt Wien gibt Millionen für Übersetzungen aus

2020 wurde noch rund eine Million Euro für Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen ausgegeben, mittlerweile ist der Betrag mehr als doppelt so hoch. Besonders oft wird bei der MA 11 und dem WIGEV übersetzt.
Dolmetscher

Die Stadt Wien gibt Millionen für die Kommunikation aus. Nicht nur für die interne und externe Kommunikation, sondern auch für jene von Mensch zu Mensch. Konkret: Für Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen. 2,5 Millionen Euro sind im vergangenen Jahr allein dafür angefallen, wie aus einer Anfragebeantwortung der Stadt Wien, die die ÖVP gestellt hat, hervorgeht. Tendenz steigend.

Vor fünf Jahren, also 2020, beliefen sich die Gesamtkosten in diesem Bereich noch auf knapp über eine Million Euro. Seitdem sind die Ausgaben jedes Jahr gestiegen.

1,15 Millionen bei MA 11

Allerdings nicht in allen Geschäftsbereichen der Stadt gleich stark. Im Geschäftsbereich Stadtentwicklung und Mobilität, dem Geschäftsbereich Finanzen sowie dem Geschäftsbereich Kultur und Wissenschaft sind die Kosten für Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen im Vergleich zum Jahr 2020 zum Teil sogar deutlich gesunken.

Angestiegen sind dagegen die Kosten in der Geschäftsgruppe Klima und Umwelt. Von über 12.000 Euro im Jahr 2020 auf mehr als 24.000 Euro im Jahr 2025.

Dabei handelt es sich zwar um eine Verdoppelung, deutlich mehr wurde im Vergleich dazu aber in zwei anderen Geschäftsgruppen ausgegeben: Bildung und Integration sowie der Geschäftsgruppe Gesundheit und Sport.

In Ersterer, also jener Geschäftsgruppe, an deren Spitze derzeit Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) steht, wurde in den vergangenen fünf Jahren eine Verdoppelung der Kosten verzeichnet. Allerdings in einem deutlich höheren Rahmen als in der Geschäftsgruppe Umwelt. Wurden im Bereich der Bildung und Integration im Jahr 2020 noch 600.000 Euro für Dolmetsch- und Übersetzungsarbeiten ausgegeben, waren es im Jahr 2025 schon 1,2 Millionen.

Den größten Kostenpunkt stellt dabei die MA11 (Kinder- und Jugendhilfe) dar. 1,15 Millionen Euro wurden in dieser Magistratsabteilung im vergangenen Jahr für Übersetzungen ausgegeben.

Dass die Kosten steigen, führt die MA 11 auf „zunehmende Zuwanderung und internationale Krisenherde“ zurück. Und weiter: „Gerade bei Gefährdungsabklärungen ist es für die Wiener Kinder- und Jugendhilfe wesentlich, rechtliche Inhalte und sensible Themen in der jeweiligen Muttersprache der Betroffenen präzise abklären zu können. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Beteiligten ihre Rechte und Pflichten verstehen und notwendige Maßnahmen korrekt vermittelt werden“, heißt es vonseiten der MA 11.

Mehr Einsätze beim WIGEV

Neben der Geschäftsgruppe Bildung gibt aber auch die Geschäftsgruppe von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) viel Geld für Übersetzungen aus: Beliefen sich die Kosten hier im Jahr 2020 noch auf etwas über 320.000 Euro, waren es 2025 bereits 1,2 Millionen Euro. Der Großteil davon – nämlich 1,1 Millionen Euro – entfällt auf den Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV). Seit 2020 haben sich die Kosten hier mehr als verdreifacht. Gestiegen ist aber auch die Zahl der Einsätze: Von etwas mehr als 2.000 Übersetzungen im Jahr 2020 auf über 7.000 Einsätze im Jahr 2025.

Der WIGEV erklärt die gestiegenen Kosten in den vergangenen Jahren vor allem mit den gestiegenen Marktpreisen sowie dem vermehrten Einsatz von Live-Dolmetschleistungen, „die sowohl für Fremdsprachen als auch für Gebärdensprache eingesetzt werden“. Eine verständliche Kommunikation im Gesundheitsbereich sei zentral, heißt es vonseiten des WIGEV. Für die Patientensicherheit, die Versorgungsqualität sowie den Schutz von Selbstbestimmung und Persönlichkeitsrechten.

Außerdem zeige sich, so heißt es in der Anfragebeantwortung von Stadtrat Hacker, dass „Dolmetschleistungen in Relation zu den ambulanten und stationären Behandlungen an allen Kliniken nur in geringem Ausmaß in Anspruch genommen werden“. Am AKH sei etwa nur in 0,87 Prozent der Behandlungen eine Dolmetschleistung nötig gewesen.

Am häufigsten wird übrigens – sowohl bei der MA 11 als auch beim WIGEV – von und ins Arabische übersetzt. Bei der MA 11 folgen die Sprachen Farsi und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, beim WIGEV Russisch und Türkisch.

ÖVP übt Kritik

Scharfe Kritik an den steigenden Kosten für Übersetzungsleistungen übt die Wiener ÖVP. Die hohen Ausgaben seien „das Ergebnis einer völlig verfehlten Integrationspolitik der Wiener Stadtregierung“, sagt Gemeinderätin und Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec.

Ihre Parteikollegin Caroline Hungerländer, Gemeinderätin und Integrationssprecherin fügt dem noch hinzu: „Unsere Position ist ganz einfach: Deutsch ist Pflicht. Schluss mit fremdsprachigen Angeboten. Wer lange genug in Österreich lebt und immer noch kein Deutsch kann, soll die Dolmetscherkosten selbst tragen. Wir fordern die SPÖ-Neos-Stadtregierung auf, das rechtlich umzusetzen.“