Schönauer Wasser: Fisch-Massensterben in der Unteren Lobau

Die Ursache für das Fischsterben ist bisher unklar. Umweltschützer fordern Maßnahmen.
Ein Flusslauf, gesäumt von Bäumen und Büschen, unter einem bewölkten Himmel.

In den vergangenen Tagen sind rund tausend Fische im Schönauer Wasser in der Unteren Lobau verendet, wie das Wiener Magistrat für Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) am Donnerstag auf Anfrage der APA erklärte. 

Warum die Fische gestorben sind, ist unklar. Derzeit untersucht die Stadt mögliche Ursachen. "Vergleichbare Fälle hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben", sagte Günther Annerl, stellvertretender Leiter der MA 49. Umweltschützer forderten Schutzmaßnahmen.

Zuvor hatten Passantinnen und Passanten auf zahlreiche Fischkadaver in der Unteren Lobau aufmerksam gemacht, insbesondere im Schönauer Wasser. Zeitnah könne man Aufschluss über mögliche Gründe geben, sagte Annerl. Gerüchte zu möglichen Ursachen für die hohe Zahl an verendeten Fischen wies er zurück: "Ohne wissenschaftliche Untersuchungen sind das Spekulationen." Die Kadaver wurden von der MA 49 entfernt.

WWF fordert Aufklärung

Die Umweltschutzorganisation WWF hatte am Mittwoch eine transparente Aufklärung der Ursachen gefordert und die rot-pinke Koalition aufgerufen, zu handeln: "Ein derart massives Fischsterben wäre absolut vermeidbar, wenn die Stadtregierung endlich die Einleitung von Wasser in die Untere Lobau ermöglichen würde. 

Die Untere Lobau leidet seit Jahren unter einem extremen Wassermangel, der sich in niederschlagsarmen und kälteren Wintern doppelt negativ für die Fische auswirkt", sagte Michael Stelzhammer vom WWF.

Zu den Maßnahmen des geforderten Rettungspakets zählt laut WWF vor allem, Wasser von der Oberen in die Untere Lobau weiterzuleiten, um die ausgetrockneten Flächen wiederzubeleben. 

Zudem brauche es gezielte Renaturierungsmaßnahmen. Beispielsweise könnte die Untere Lobau an die Donau angebunden und das Flussbett mit Schotter aufgeschüttet werden, um den Wasserspiegel der Donau zu heben und so die Au-Gewässer im Nationalpark weiter mit Wasser zu versorgen.

Die Problematik der Austrocknung sei bekannt, sagte Annerl zur APA. Man habe bereits in der Vergangenheit Wege gesucht, um die Situation zu verbessern. Aber: "Aufgrund des Hochwasserschutzdammes und der in der Lobau befindlichen Trinkwasserbrunnen der Stadt Wien ist eine vollständige Wiederherstellung der Verbindung mit der Donau allerdings nicht möglich", erklärte der stellvertretende Leiter der MA 49.

Große Teile der Oberen Lobau würden bereits durch Maßnahmen der Stadt mit ausreichend Wasser versorgt. Man arbeite mit Expertinnen und Experten auch an Lösungen für die Untere Lobau. Dabei müssen demnach rechtliche Aspekte sowie die Auswirkungen auf die Trinkwassergewinnung der Stadt einbezogen werden, gab Annerl zu Bedenken.

Auen trocknen aus

Auch der Verein für Umweltgeschichte - "Lobaumuseum" machte auf das Problem aufmerksam. Die Fische seien unter der Eisdecke erstickt, so die Vermutung. Das komme öfter vor. Inzwischen seien davon aber nicht nur seichte Seitenarme betroffen, sondern in diesem Winter auch der Hauptgewässerzug: das Schönauer Wasser. "Dass hier tote Fische sind, ist ganz selten", erklärte Manfred Christ, Schriftführer des Vereins, im Gespräch mit der APA. Zuletzt habe es das wohl im Jahrhundertwinter 1962/63 gegeben, mutmaßt er. Das liege unter anderem daran, dass die Seitenarme ohnehin fast ganzjährig trocken sind - also schlicht nicht mehr existieren.

Denn die Donau gräbt sich immer tiefer ein: Der Wasserspiegel sinkt - Auen trocknen aus. "De facto bedeutet dies, dass die Untere Lobau im Sterben liegt", schlussfolgerte Christ. Deswegen müsse gegengesteuert und der Fluss zumindest auf das Niveau von 1996 angehoben werden. "Eine solche Investition scheint die Lobau dem Staat nicht wert zu sein", kritisierte er.

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