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Chronik Wien
11/14/2019

S-Bahn-Ausbau: Wiens nächste Nachtschiene

Rückkehr eines alten Verkehrsprojekts: Nachtschwärmer können künftig wochenends auch mit der S-Bahn heimfahren.

von Josef Gebhard

Böse Zungen behaupten bereits: Endlich dürfen auch die Mödlinger erleben, was ein ordentliches Nachtleben ist. Wird doch die nö. Bezirkshauptstadt dank der S-Bahn künftig am Wochenende auch nachts mit Wien verbunden sein.

Ab 15. Dezember gibt es das neue Service für Nachtschwärmer: In der Nacht vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen sind die Züge auf der Stammstrecke zwischen Floridsdorf, Meidling und weiter nach Mödling sowie auf der Vorortelinie (S45) durchgehend im 30-Minuten-Takt unterwegs (siehe Grafik).

Weiters bekommt die S 80 tagsüber einen durchgehenden 30-Minuten-Takt zwischen Hütteldorf und Aspern Nord. Zwischen Meidling und Floridsdorf wird künftig sogar im Drei-Minuten-Takt gefahren. Die Flughafenschnellbahn S7 fährt ab 15. Dezember schon um 4.06 Uhr von Floridsdorf ab.

Insgesamt werde damit das Bahnangebot um rund drei Millionen Zugkilometer pro Jahr ausgeweitet, sagt Wiens Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Allein die Stadt investierte 25 Millionen Euro.

Zweiter Versuch

Ganz neu ist das Projekt Nacht-S-Bahn in Wien jedoch nicht. Bereits zwischen 2007 und 2009 war sie auf der Stammstrecke an den Wochenenden unterwegs. Allerdings nur zwischen Floridsdorf und Meidling, dafür im 20-Minuten-Takt. Da es seitens des Landes Wien keinen Auftrag zu einer Fortsetzung gab, sei das Projekt damals laut ÖBB eingestellt worden.

„Die Rahmenbedingungen waren seinerseits anders als heute“, sagt ein Sprecher von Hanke. „Es gab noch keine Co-Finanzierung durch den Bund und auch keine Nacht-U-Bahn.“ Sie werde jetzt eng mit der neuen Nacht-S-Bahn verzahnt, wodurch das Angebot wesentlich effizienter als damals werde. Wie viel der Bund aktuell dazu zahlt, will man nicht verraten.

Nacht-U-Bahn

Dank der besagten U-Bahn hat man in der Stadt jedenfalls bereits langjährige Erfahrung mit dem nächtlichen Schienenverkehr. Anfang 2010 stimmten die Wiener im Rahmen einer Volksbefragung zu mehreren Themen überraschend und mit knapper Mehrheit von 55 Prozent für deren Einführung. Nicht gerade zur Begeisterung der damaligen roten Alleinregierung unter Bürgermeister Michael Häupl. Dabei hatte man im Befragungstext noch eigens darauf hingewiesen, dass der Betrieb rund fünf Millionen Euro pro Jahr kosten werde.

Wenig begeistert waren damals auch die Personalvertreter der Wiener Linien – vor allem wegen der geänderten Arbeitszeiten, den verkürzten Standzeiten für Reinigungs- und Servicearbeiten sowie Sicherheitsbedenken.

Im September 2010 ging die Nacht-U-Bahn dennoch in Betrieb, mittlerweile haben sich die Bedenken zerstreut: „Über die Jahre hat sich alles eingespielt“, sagt der oberste Personalvertreter Michael Bauer zum KURIER.

Auch das Management der Wiener Linien zieht eine positive Bilanz. Pro Betriebsnacht würden rund 45.000 Fahrgäste die U-Bahn nützen, die im 15-Minuten-Takt unterwegs ist, sagt eine Sprecherin. Insgesamt waren es 2018 rund 6,6 Millionen Passagiere.

Bei den ÖBB sieht man im Betrieb der Nacht-S-Bahn keine große organisatorische Herausforderung. Das hat vor allem einen wesentlichen Grund: „Wir haben bereits Lokführer, die im Güterverkehr im Schichtbetrieb unterwegs sind“, sagt eine Sprecherin. Insofern seien zumindest in Sachen Arbeitszeiten keine größeren Umstellungen erforderlich.