Raub fingiert: Wende im Prozess gegen Ex-Anwalt und dessen Frau
Mit einer überraschenden Wende ist am Mittwoch der Prozess gegen einen ehemaligen Wiener Rechtsanwalt und dessen Ehefrau am Landesgericht Wien fortgesetzt worden. Die beiden sollen gemeinsam 75.000 Euro von zwei Mandanten veruntreut haben. Die Erstangeklagte soll dann zur Vertuschung einen Raub in die eigene Kanzlei vorgetäuscht haben. Die Frau hatte am ersten Verhandlungstag die Verantwortung für beide Vorwürfe übernommen. Nun belastete sie ihren Mann.
Denn sie habe mit dem Verschwinden des Geldes nichts zu tun, insistierte sie. Im Juni 2025 will sie festgestellt haben, dass der Tresor in der Kanzlei leer war. Da standen schon die Mandanten, denen der Inhalt gehörte, vor der Tür und läuteten an. "Aus Panik habe ich die Polizei gerufen und das mit dem Raub gesagt", schilderte sie.
Besagten Raub hatte sie zunächst noch den beiden Geschäftsmännern in die Schuhe geschoben. Sie hätten sie mit einem Messer und einer Schere bedroht und das Geld genommen, erklärte sie gegenüber den Beamten damals. Die Polizei traf die vermeintlichen Räuber noch im Stiegenhaus an, freilich ohne das Geld. Für die Verleumdung und falsche Beweisaussage wolle sie immer noch die Verantwortung übernehmen, nicht aber für die Veruntreuung, fuhr die Angeklagte fort.
Ex-Anwalt beschuldigte wiederum Frau
Ihr Mann stritt ihre gegen ihn erhobenen Vorwürfe sowie die des Staatsanwalts ab. "Ich kann nur sagen, dass das nicht stimmt", erklärte er. Vielmehr habe seine Frau ihm berichtet, sie bzw. ihre Familie habe das Geld weggeschafft. Der Verteidiger des Ex-Anwalts deutete an, dass sein Mandant das bis jetzt nicht ausgesagt hatte, "weil er fürchtet, sich sonst in der Donau zu finden". Das wollte der Angeklagte vor Gericht so aber nicht wiedergeben.
Zuvor hatte die deutlich jüngere Gattin noch ausgeführt, dass es schon Anfang 2025 "massive" finanzielle Probleme in der Kanzlei gegeben habe. Als die Mandanten ihre 75.000 Euro zurückholen wollten, sei ihr Mann, den sie in der Verhandlung konsequent als "Herr Doktor" ansprach, nervös geworden und in Panik verfallen. Er habe den Termin nicht wahrnehmen wollen und die Kanzlei verlassen. Daraufhin habe sie den Tresor geöffnet und das Fehlen des Geldes bemerkt.
Der Erstangeklagten wird in diesem Verfahren weiters zur Last gelegt, einen bettlägerigen Bekannten bestohlen, sich fälschlich als Anwältin ausgegeben und ein Leasingauto veruntreut zu haben. Im Laufe des Verhandlungstages werden weitere Zeugen vernommen.
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