Am Wiener Rathaushplatz gibt es bereits 78 Poller.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik | Wien
04/26/2019

Pro und Contra: Sind die Poller sinnvoll?

In Wien gibt es auf immer mehr stark frequentierten Plätzen Anti-Terror-Poller. Was für und was gegen sie spricht.

Pro

Ein Lastwagen rast auf einem Berliner Weihnachtsmarkt in die Menschenmenge. In Stockholm lenkt ein Attentäter einen Lkw in eine belebte Fußgängerzone. 86 Menschen sterben, als ein Terrorist in Nizza mit einem Transporter über die Uferpromenade brettert. Diese Fälle zeigen, dass Anschläge jederzeit passieren können – auch im international vergleichsweise sicheren Wien.

Das kann freilich kein Grund sein, die Stadt komplett zu verbarrikadieren. Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Trotzdem müssen Politik und Polizei zumindest alles versuchen, um es Attentätern so schwer wie möglich zu machen. Wenn nicht, wäre Untätigkeit der erste Vorwurf, den sie sich im Fall eines Anschlags gefallen lassen müssten.

Vielleicht macht die Tarnung der Terror-Abwehr als Sitzmöbel ja Schule: Dann hat sie auch einen unmittelbaren Nutzen.

Contra

Keine Frage: Die massiven Poller sehen imposant aus und verleihen ein Gefühl der Sicherheit. Terroristen bleiben außen vor, in der abgesicherten Zone kann man ganz ungestört und ohne mulmiges Gefühl flanieren und shoppen.

Das ist zumindest die Botschaft, die mit dem Aufstellen der Poller vermittelt werden soll. Leider gibt es aber nur wenige Szenarien, bei denen die Sperren tatsächlich wirksam wären – etwa, wenn ein ortsunkundiger Attentäter mit einem Fahrzeug in die Fußgängerzone eindringen will.

Wobei das Adjektiv „ortsunkundig“ ganz entscheidend ist: Wer sich auch nur ein bisschen auskennt, weiß, wie er die Poller umfahren und in die Fußgängerzone gelangen kann – besonders leicht in der „Mahü“, die bekanntlich nur zum kleinen Teil Fußgängerzone und zum Großteil als Begegnungszone für Autos geöffnet ist.