Die erste Wiener Pop-up-Uni wird wieder demontiert

Nach zehn Jahren folgt Ende für temporären Holzbau der Informatiker in der Sensengasse. Hat sich das Pilotprojekt rentiert?
Nur noch ein Geschoß steht in der Sensengasse vom temporären Holzriegelbau – bald ist auch dieses Geschichte.

Es gibt in Wien Pop-up-Stores, Pop-up-Lokale, Pop-up-Clubs – und auch eine Pop-up-Universität. Besser gesagt, es gab eine solche Einrichtung. Denn das temporäre Dasein des in der Alsergrunder Sensengasse errichteten Gebäudes ging dieser Tage zu Ende. Schicht für Schicht, Modul für Modul des Holzriegelbaus wurde mit schwerem Gerät abgetragen, verladen und abtransportiert. Bald kann das Grundstück besenrein übergeben werden – und an die aufgepoppte Universität wird nichts mehr erinnern.

Tatsächlich war es vor zehn Jahren Neuland, das die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und die Universität Wien bei diesem Projekt betraten: Aufgrund umfangreicher Forschungsaktivitäten der Fakultät für Informatik entstand anno 2015 ein nicht vorhersehbarer, dringender Raumbedarf – doch das neue Uni-Gebäude in der Währinger Straße 29 (auch Heimat der Publizisten) war bereits randvoll. So ersann man die Idee, die freie Baulücke an der Sensengasse 6 – via Hinterhof-Weg direkt mit dem Hauptsitz verbunden – mit einem Haus auf Zeit zu füllen.

Nur zwei Monate Aufbau

Geworden ist es schließlich keines der üblichen Containerdörfer, sondern ein dreigeschoßiger Holzbau: mit einer Nutzfläche von mehr als 450 Quadratmetern für 34 Arbeitsplätze und barrierefreiem Zugang im Erdgeschoß. Integriert wurden auch Sozial- und Besprechungsräume sowie ein eigenes Forschungslabor für die Informatiker.

Der Clou dabei: Nach nur zwei Monaten Bauzeit konnte das Projekt schon übergeben werden, da rund 70 Prozent der Bauteile vorgefertigt worden waren. Die Kosten für das Projekt wurden mit 1,2 Millionen Euro angegeben – und sollen sich auch gerechnet haben. „Nachdem es sich von Beginn an um eine temporäre Lösung gehandelt hat, sind die Art des Gebäudes (Holzriegelbau) und dessen Wiederverwendung auch wirtschaftlich attraktiv“, heißt es von der Universität Wien. Außerdem währte das Provisorium – fast typisch für Österreich – doppelt so lange wie ursprünglich geplant: Die Baugenehmigung auf fünf Jahre konnte nämlich einmal verlängert werden.

Doch nach einer Dekade ist damit endgültig Schluss – doch was kommt jetzt?

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So sah das dreigeschoßige Gebäude der Uni aus. 

Bau poppt woanders auf

Nachdem die Informatiker wieder ausgezogen sind, werden „große Teile“ des demontierten Holzbaus „vom errichtenden Unternehmen an anderer Stelle wieder aufgestellt und als Büroarbeitsplätze verwendet“, teilt die Uni mit. Die leere Fläche in der Sensengasse wird wieder zum Parkplatz – aber das auch nur temporär.

Denn die Fläche bleibt laut BIG für die Uni Wien reserviert: Sobald es konkreten Bedarf und eine Finanzierung gibt, soll dann ein Gebäude auf Dauer realisiert werden – das dann sogar fünf Stockwerke hoch werden darf.

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