SMS-Blaster in Wien: Polizei fasst mutmaßlichen Cyber-Betrüger
Auch die Spezialeinheit Cobra stand im Einsatz.
Ermittlern des Landeskriminalamts Wien ist ein Schlag gegen mutmaßliche Cyberkriminelle gelungen, die über sogenannte „SMS Blaster“ millionenfach betrügerische Phishing-SMS versendet haben sollen.
Seit 6. April sollen die Phishing-SMS insbesondere bei größeren Veranstaltungen verschickt worden sein. Am 14. Mai wurde ein Verdächtiger ausgeforscht und von Cobra-Beamten festgenommen. Der 32-jährige Chinese ist geständig, berichtete die Polizei am Dienstag.
Im Zuge von Ermittlungen im Bereich Cybercrime konnten Ermittler des Landeskriminalamts Wien über einen Mobilfunkanbieter feststellen, dass die Betrüger zumindest seit dem 6. April im Großraum Wien mit einem oder mehreren Geräten unterwegs sein sollen und dabei sogenannte Phishing-SMS in großem Ausmaß versendet haben dürften, etwa bei Konzerten oder Fußballspielen, erläuterte Polizeisprecher Markus Dittrich.
Es konnten an mehreren Tagen stundenlange Bewegungen festgestellt werden, die teilweise mehrmals täglich wiederholt wurden. Dabei dürften mehrere Millionen betrügerische SMS im Namen namhafter Paketdienste und Mobilfunkanbieter versendet worden sein.
Bei den eingesetzten Geräten handelt es sich um sogenannte „SMS Blaster“. Das Gerät imitiert Mobilfunkzellen oder nutzt Mobilfunknetze automatisiert. Damit können tausende Nachrichten gleichzeitig an Mobiltelefone in der Umgebung gesendet werden. Laut Polizei sind bis zu 100.000 SMS pro Stunde möglich. Während der Verbindung mit einem solchen Gerät können Telefonate, SMS sowie mobile Internetverbindungen beeinträchtigt werden. Dadurch könne auch die Funktionsfähigkeit von Notrufsystemen eingeschränkt sein.
Mann hatte Baby im Auto
Durch wiederholte Schwerpunktmaßnahmen gelang es den Ermittlern, vergangenen Donnerstag am Nachmittag, den Verdächtigen zu lokalisieren. Er hatte im Pkw auch seinen sechs Monate alten Sohn mit. Im Auto befand sich eben auch ein „SMS Blaster“.
Da von derartigen Geräten eine erhebliche Strahlenbelastung ausgehen kann, wird dem Chinesen neben dem Verdacht des versuchten gewerbsmäßigen Betrugs auch die Gefährdung der körperlichen Sicherheit seines Sohnes zur Last gelegt, informierte die Polizei.
Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung wurden ein weiterer „SMS Blaster“, mehrere Mobiltelefone, Notebooks, Tablets sowie umfangreiches technisches Equipment sichergestellt. Die Gegenstände werden derzeit IT-forensisch ausgewertet. Der 32-Jährige befindet sich in einer Justizanstalt.
Kommentare