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Chronik Wien

Pflegepersonal unter Druck: "Wir halten noch durch"

Wiener Personalvertreter sieht Gefahr des Ausbrennens von Mitarbeitern. Unsicherheit bei Wechsel in nicht angestammte Bereiche.

11/12/2020, 12:57 PM

Die Situation in den Spit√§lern wird angesichts massiv gestiegener Coronavirus-Infektionszahlen zunehmend herausfordernder - auch f√ľr das medizinische Personal und die Pflegekr√§fte. Vor allem letztere sind durch die 24-Stunden-Eins√§tze bereits am Rande der Belastbarkeit angelangt, wie der Wiener Personalvertreter Edgar Martin im Interview mit der APA warnte. Die Gefahr, dass Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter ausbrennen, sei akut.

Schwierig sei die Lage nicht zuletzt deswegen, weil Corona jeden auch pers√∂nlich betreffe, sagte Martin. Er ist diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger im Gesundheitsverbund und stellvertretender Vorsitzender der Hauptgruppe II in der Gewerkschaft younion. "Ich glaube, was die Leute am meisten besch√§ftigt, ist der emotionale Rucksack, den sie mit sich herumtragen." Man m√ľsse sich daheim auch um Kinder oder Partner k√ľmmern bzw. sorgen. Die Krankheit lasse man nicht zur√ľck, wenn man das Spital verlasse. Diese permanente Belastung sei nicht zu untersch√§tzen: "Das macht etwas mit dir."

"Viele m√ľssen auch angestammte Bereiche verlassen und in Sonderbereiche hineinrotieren." Zwar d√ľrfte man dort nat√ľrlich nur t√§tig sein, wenn man eingeschult sei, aber man sei dort nicht so erfahren wie das Personal, das √ľblicherweise dort t√§tig ist, gab er zu bedenken. Das betreffe vor allem die Intensivstationen: "Somit ist das mit massiver Unsicherheit verbunden, wenn man das gewohnte Terrain verl√§sst. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist da."

Noch sei Situation zu meistern

Sollte es jemals zur Triage kommen - also das notgedrungene Aussuchen von Corona-Intensivpatienten im Falle einer √úberlastung der Intensivkapazit√§ten - w√ľrde die Belastung weiter massiv ansteigen, zeigte sich Edgar Martin √ľberzeugt. Noch k√∂nne man mit der Situation fertig werden: "Wir halten noch durch." W√ľrde die n√§chste Stufe erreicht werden, k√∂nnte sich das aber √§ndern, warnte der Gewerkschafter.

Schon jetzt zeige sich auch, dass sich die Belastung h√∂chst unterschiedlich bei den Betroffenen auswirke: "Es gibt Kollegen, die am liebsten alles hinschmei√üen w√ľrden und andere, die viele √úberstunden machen wollen." Zuletzt habe auch das Attentat in Wien - nach dem zahlreiche Menschen in den Wiener Krankenh√§usern versorgt werden mussten - f√ľr emotionale Belastungen gesorgt. "Das sitzt tief drinnen", meint der Gewerkschafter.

Martin warnte jedoch davor, nur die Mediziner und die Pflegekr√§fte im Auge zu haben. Auch Verwaltungspersonal, Reinigungskr√§fte und Techniker w√ľrden unter der momentanen Lage leiden - aber nicht so im Fokus wie die Kerngruppe stehen. Es bestehe die Gefahr, dass diese unbemerkt ausbrennen.

Der Personalvertreter hob hervor, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreut werden: "Unsere Psychologen sind derzeit sehr gefordert. Aber die Aufarbeitung wird erst passieren, wenn der Druck drau√üen ist." Wenn aktuell jemand ausf√§llt, wird umgehend das Problem versch√§rft, schilderte Edgar Martin. Dramatisch w√§re es, wenn viele demn√§chst daheimbleiben m√ľssten, um Kinder zu betreuen: "Ein Schul-Lockdown w√ľrde uns pulverisieren."

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