Weniger Betten, mehr Ambulanz: So ist die Lage in Wiens Ordensspitälern
Bernhard Schönthoner bleibt kurz an einer Koje stehen, wechselt ein paar Worte mit einer Patientin, wirft einen Blick auf die Werte am Monitor – dann geht er schon weiter zum nächsten Bett. Schönthoner ist leitender Oberarzt der Zentralen Aufnahme und Erstversorgung (ZAE) im Ordensspital Barmherzige Schwestern in Mariahilf.
Die internistische Notfallambulanz wurde vor rund einem Jahr ausgebaut. Seit Februar 2025 ist die ZAE täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Rund 35 Patienten werden hier mit Fällen wie Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Magen-Darm-Erkrankungen pro Tag behandelt.
Etwa die Hälfte von ihnen wird stationär aufgenommen, sagt Thomas Pavek, Geschäftsführer der Barmherzigen Schwestern. „Circa 20 Patienten werden meist am Vormittag mit der Rettung gebracht, die restlichen Patienten kommen zu Fuß“, weiß Pavek. Ein bis zwei Fachärzte arbeiten in der Ambulanz gemeinsam mit mehreren Assistenz- und Turnusärzten.
Triage nach Dringlichkeit
Dass Oberarzt Schönthoner zügig von einem Patienten zum nächsten wechseln kann, liegt auch an der durchdachten Raumaufteilung. Direkt beim Eingang befindet sich ein Erstuntersuchungsraum. Dahinter folgt ein Großbehandlungsraum mit getrennten Kojen sowie zwei davon getrennte Isolierzimmer.
Patienten werden bei der Erstuntersuchung triagiert.
Die Struktur ist bewusst nach dem sogenannten Manchester-Triage-System aufgebaut. Dabei werden neu eintreffende Patienten nach einer Ersteinschätzung in fünf Gruppen eingeteilt – je nachdem, wie dringend eine Behandlung notwendig ist. „Wir arbeiten mit farbigen Armbändern. Rot und Orange bedeuten, dass der Patient nur null bis fünf Minuten warten darf“, erklärt Schönthoner.
Ziel sei es, schnell sichere und nachvollziehbare Behandlungsprioritäten festzulegen. Für dieses Jahr rechnet Geschäftsführer Pavek mit rund 4.000 Rettungszufahrten und etwa 3.000 Patienten, die selbstständig in die Ambulanz kommen.
Die neue Ambulanz in Mariahilf ist Teil einer größeren Entwicklung in den Wiener Ordensspitälern mit Fokus auf ambulante statt stationäre Versorgung. Ziel der Ordensspitäler sei es, in den kommenden Jahren „digitaler, ambulanter, akuter“ zu werden. Das sieht auch der Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) vor. Laut David Pötz, Geschäftsführer der Vinzenz Kliniken Wien, soll das vor allem durch den Ausbau tagesklinischer Strukturen erreicht werden. Stationäre, tagesklinische und ambulante Leistungen sollen getrennt werden, um effizienter zu arbeiten.
Günter Pacher, Kaufmännischer Direktor im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt, kündigt an, dass auch sie dabei sind, den Fokus auf eine ambulante Versorgung zu legen. Das beinhaltet die Reduzierung von 411 stationären Betten auf 362. Dafür soll es statt zwei tagesklinischen Eingriffsräumen sechs geben. Und die ambulanten Untersuchungsplätze sollen von rund 50 auf 85 erweitert werden.
Jeder Dritte stationär
Der Bedarf an ambulanter Versorgung spiegelt sich auch in der Leistungsbilanz der Ordensspitäler von 2025 wider. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 480.000 Patienten in einem der sieben Krankenhäuser betreut. Davon wurden 120.341 stationär aufgenommen, also jeder Dritte, während 359.980 ambulant versorgt wurden.
Laut Pötz seien die stationären Zahlen gegenüber dem Vorjahr 2024 leicht gesunken, während die ambulanten Behandlungen um rund zehn Prozent gestiegen seien. Außerdem wurden mehr als 58.900 Operationen durchgeführt und 11.590 Rettungszufahrten gezählt.
Finanziell erhalten die Ordensspitäler dieses Jahr mehr, Ende März beschloss der Wiener Gemeinderat eine Fördersumme von 174 Millionen Euro. Diese Förderung sei jedoch auch an Vorgaben der Stadt Wien gekoppelt, so Pötz.
Vorgaben der Stadt
Eine davon betrifft die sogenannten Gastpatienten aus anderen Bundesländern: Die Zahl stationärer Behandlungen soll reduziert werden. Die Vorgabe lautet: nur 60 Prozent, wie im Jahr 2019, dürfen Gastpatienten sein. Vergangenes Jahr waren 80 Prozent vereinbart.
Man halte sich an die Vorgaben der Stadt, betont Pötz, eine bundesländerübergreifende Planung und Finanzierung wäre aus Sicht der Spitalsbetreiber jedoch sinnvoller. „Wir alle hoffen auf eine zeitnahe Lösung.“
Laut Pötz gäbe es auch keine getrennten Wartelisten der Ordensspitäler für Wiener und die anderen Bundesländer, aber „Termine können, je nach Behandlungsbedarf, unterschiedlich schnell vergeben werden“. Wie stark die Zahl der Gastpatienten tatsächlich sinken wird, hänge letztlich auch davon ab, wie gut die Versorgung in den Bundesländern funktioniert.
Kommentare