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Chronik Wien
11/21/2020

OGM-Umfrage: Wie die Wiener die neue Koalition sehen

Vorschusslorbeeren für neue Stadtregierung. Ex-Vizebürgermeisterin Hebein wird für Scheitern von Rot-Grün verantwortlich gemacht.

von Christoph Schwarz

Sehr viel – abseits eines mehr als 200 Seiten starken Koalitionspakts – kann die neue Koalition bisher noch nicht vorweisen. Erst am Dienstag wird sie offiziell angelobt. Dennoch gibt es von den Wienern einen Willkommensapplaus: Die Zustimmung zu Rot-Pink ist hoch.

Das ergibt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM für den KURIER.

70 Prozent der Befragten äußern sich positiv über die Regierungskonstellation. 38 Prozent davon „begrüßen“ Rot-Pink explizit. 20 Prozent sind „skeptisch“, lediglich 8 Prozent lehnen die Koalition ab.

Noch höher ist die Zustimmung bei erklärten SPÖ- und Neos-Anhängern. 56 Prozent der roten Wähler begrüßen die neue Koalition, bei Neos-Wählern sind es sogar 79 Prozent.

Die Anhänger anderer Parteien sind skeptischer. Am negativsten – noch negativer als FPÖ-Wähler – äußerten sich deklarierte Grün-Wähler. Das Ende von Rot-Grün kam für viele überraschend.

„Vor allem die roten Wähler sind sehr zufrieden, nur wenige weinen Grünen-Chefin Birgit Hebein und den Grünen eine Träne nach“, sagt Meinungsforscher und OGM-Chef Wolfgang Bachmayer.

Denn auch im direkten Vergleich der beiden Koalitionen kann sich Rot-Pink ziemlich klar durchsetzen: So halten 56 Prozent der Befragten diese Koalitionsvariante für besser als die (hypothetische) Fortführung der rot-grünen Regierung (20 Prozent)

Dabei spannend: Rot-Pink ist quer durch alle Wählergruppen (freilich mit Ausnahme der Grün-Wähler) die bevorzugte der beiden Varianten. 71 Prozent der SPÖ-Wähler finden die Zusammenarbeit mit den Neos besser, nur

14 Prozent trauern den Grünen nach. Aber auch 68 Prozent der ÖVP-Wähler halten Rot-Pink für die bessere Option, nur 2 Prozent fänden Rot-Grün besser. 24 Prozent der türkisen Wähler sprechen sich für eine gänzlich andere Stadtregierung aus.

Hebein soll zurücktreten

Eine klare Meinung haben die Wienerinnen und Wiener auch zur politischen Zukunft von Birgit Hebein. Sie wurde von ihrer eigenen Partei in keines der zu vergebenden Ämter im Rathaus gewählt und ist nun nur noch Parteichefin.

65 Prozent der Befragten sprechen sich in der Umfrage dafür aus, dass Hebein auch in dieser Funktion zurücktreten soll. Nur 15 Prozent finden, dass sie weiterhin Wiener Parteichefin bleiben soll.

Überraschend: Auch bei den Grün-Wählern will nur eine relative Mehrheit Hebeins Verbleib in der Politik. 45 Prozent sprechen sich dafür aus, 33 Prozent dagegen. „Das klingt eher nach Fairness als nach echtem Willen für die Zukunft“, sagt Bachmayer.

Mehr Sympathien hat sich Hebein übrigens bei Frauen erhalten. So sprechen sich nur 56 Prozent der weiblichen Befragten für Hebeins Rücktritt aus, bei den Männern sind es 75 Prozent. Auch bei jüngeren Wählern schneidet die Grünen-Chefin – vergleichsweise – besser ab.

Verantwortlich gemacht wird Hebein auch dafür, dass Rot-Grün scheiterte: 61 Prozent halten die Person Birgit Hebein für „den Hauptgrund“ dafür, dass die Zusammenarbeit nicht in die Verlängerung ging. Unter SPÖ-Wählern sind 69 Prozent dieser Meinung, unter ÖVP-Wählern 80 Prozent. Bei Grün-Anhängern ist es anders: Hier halten 60 Prozent „andere Gründe“ für ausschlaggebend.

SPÖ liegt stabil voran

Wenig Veränderung gibt es bei der Sonntagsfrage im Vergleich zum Wahlergebnis. Die SPÖ liegt stabil bei etwa 40 Prozent.

„Ein Gewinner sind die Neos. Sie sind als eigentlicher politischer Profiteur in Wien in den Mittelpunkt gerückt“, sagt Bachmayer. Sie steigen um zwei Prozentpunkte.

Michael Ludwig, so Bachmayer, sei auf einem neuen Höhepunkt: „Er ist bundespolitisch der mächtigste Politiker der SPÖ.“ Ludwig sei es gelungen, die Fronten zu begradigen. Heißt: Seit er nicht mehr in einer Koalition mit den Grünen ist, ist das Match klar. Türkis-Grün auf der einen Seite, die SPÖ (und die Neos) auf der anderen. „Ludwig hat alle Möglichkeiten, seine Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner kurz vor der Nationalratswahl auszutauschen. Und dann zieht er gegen Kanzler Sebastian Kurz ins Feld.“

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