Nachlass von Christine de Grancy: Ein anderer Blick auf Wien

Ein Teil des Nachlasses der renommierten Fotografin Christine de Grancy, die im Vorjahr verstorben ist, wurde nun dem Wien Museum übergeben – hauptsächlich Bilder und Negative über Wien sowie Porträts.
Adler auf der neuen Burg

Das Wien Museum hat einen Teil des Nachlasses der international renommierten Fotografin Christine de Grancy (1942–2025) übernommen, die im März vergangenen Jahres verstorben ist.

„Christine de Grancy war eine Erzählerin mit der Kamera, eine achtsame Beobachterin aus respektvoller Distanz. An der Schnelligkeit des Mediums war diese große Fotografin nicht interessiert, vielmehr nutzte sie diese, um den Betrachter zu einer Langsamkeit des Schauens, zu einem tiefen, auf Facetten gerichteten Blick zu führen“, erinnert Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler in einem Nachruf an die seit ihrer Jugend in Wien lebende Fotografin.

Wien Museum

Michael Ludwig (SPÖ, 2. v. re.) übernahm den  Nachlass von Christine de Grancy im Wien Museum.

De Grancy war mit André Heller, Erika Pluhar und Gabriela Brandenstein eng verbunden. Ihre Werke zeugen von einer außergewöhnlichen künstlerischen Sensibilität, einem unverkennbaren Stil und einem vielfältigen Oeuvre, heißt es in einer Aussendung der Stadt zur Übernahme eines Teils des Nachlasses. „Christine de Grancy hat Wien nicht nur dokumentiert, sondern neu sichtbar gemacht“, meint SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig, „ihr Blick auf unsere Stadt – poetisch, kritisch und zutiefst menschlich – ist ein unschätzbarer Beitrag zum kulturellen Gedächtnis Wiens und wird auch künftige Generationen inspirieren.“

Ein wesentlicher Teil des Werkes entstand auf Reisen

Geboren in Brünn und aufgewachsen in Graz, fand de Grancy nach ihrem Studium der Keramik und Gebrauchsgrafik sowie einer Karriere als Grafikerin und Art Director in den 1960er-Jahren zur Fotografie. Ein wesentlicher Teil ihres Werkes entstand auf Reisen, informiert die Stadt: „Sie bereiste Tunesien, Pakistan, Tibet, Niger, die Westsahara sowie des Öfteren Russland, um mit ihrer Kamera die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu dokumentieren.“

Mit großem Einfühlungsvermögen habe sie „eindrucksvolle visuelle Erzählungen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt“ geschaffen, heißt es weiter: „Besonders prägend aber ist ihr unverwechselbarer Blick auf Wien.“

Das „imperiale“ Wien

Charakteristisch sei dabei ihr ungewöhnlicher Blickwinkel gewesen – etwa auf das „imperiale“ Wien aus erhöhter Perspektive oder der Blick auf das alltägliche Leben der Stadt, gesehen aus der Perspektive steinerner Figuren, Engel und mythologischer Wesen, die die Dachlandschaften der Großstadt bevölkern.

Ebenfalls porträtiert hat sie jüdische Migrantinnen und Migranten, die nach der Islamischen Revolution aus dem Iran geflohen waren – die Themen ihrer Bilder könnten angesichts der Weltlage aktueller nicht sein.

Christine de Grancys Nachlass im Wien Museum umfasst circa 5.000 Vintageprints und Negative – in erster Linie über Wien, sowie zahlreiche Porträts. Ihre Reisedokumentationen übernahm das Weltmuseum, ihre Theaterfotos das Theatermuseum.

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