Weniger Subvention: Wien Museum kürzt Programm und Öffnungszeiten
Fast alle Tische sind reserviert: Gähnende Leere vormittags im Restaurant des Wien Museums.
Das Wien Museum am Karlsplatz, ganz der sozialdemokratischen Kulturpolitik verpflichtet, will niederschwelligen Zugang ermöglichen. Daher gibt es seit der Wiedereröffnung am 6. Dezember 2023 Gratiseintritt in die Dauerausstellung.
Im krassen Gegensatz dazu steht das nach der jüdischen Fotografin Trude Fleischmann benannte Museumsrestaurant „trude“ im Erdgeschoss: Es vermittelt um elf Uhr vormittags mit „Reserviert“-Schildern auf fast allen Tischen, dass es von den „normalen“ Museumsbesuchern gar nicht frequentiert werden will – und schielt relativ hochpreisig nach den Managern, die (nur) zum Lunch kommen.
Es gibt ja ohnedies den Selbstbedienungskiosk im dritten Stock. Nebenan, im Veranstaltungssaal, gab Matti Bunzl, der Direktor, zusammen mit Christina Schwarz, der kaufmännischen Direktorin, am Mittwoch seine Jahrespressekonferenz. Die beiden strahlten: 2025 zählte man 596.657 Besuche – um rund 47.000 weniger als im Jahr davor, als der Zustrom aufgrund der Wiedereröffnung ein besonders hoher gewesen sei.
Im neuen Pratermuseum hat man letztes Jahr 29.434 Besuche gezählt, insgesamt – also inklusive aller Standorte und Gedenkstätten – sei man auf 831.009 Besuche gekommen. Durch Eintritte (inklusive Jahreskarten und Führungen) hätte man 1,2 Millionen Euro lukriert, davon 734.403 Euro am Karlsplatz mit den Sonderausstellungen. Mit Abstand am beliebtesten war die Schau „Kontrollierte Freiheit“ über die Alliierten in der Nachkriegszeit mit 48.508 Besuchen. Und geradezu ein „Blockbuster“, so Matti Bunzl, sei die noch bis 22. Februar laufende Ausstellung „Fleisch“.
Subvention sinkt
Die Zukunft sieht aber weniger rosig als ein Lungenbraten aus: Die Subvention sinkt von 29,7 Millionen Euro (2025) auf heuer 28,4 Millionen und 27,9 Millionen (2027). Da sich Bunzl gegen Kündigungen ausspricht, werden an mehreren Standorten die Öffnungszeiten zum Teil massiv reduziert. Es kommt auch zu „temporären“ Schließungen. Ab 2. März wird überdies Franz Schuberts Geburtshaus zu sein – wegen Renovierung bis zum 200. Todestag des Komponisten 2028.
Zudem fährt Bunzl das Programm zurück. Die Ausstellung über Punk (1976 in London entstanden) in der Dependance Musa wird auf 2027 geschoben. Daher ist die sehr unterhaltsame, aber wahrlich nicht überlaufende Personale Leopold Kessler weitere vier Monate (bis 17. Mai) zu sehen. Und so gibt es im Musa heuer nur zwei, parallel angesetzte Ausstellungen von Berthold Ecker über Karl Heinz Koller und Heliane Wiesauer-Reiterer. Eine fünfmonatige Laufzeit (ab 2. Juli) scheint gar sportlich.
Im Wien Museum folgt auf „Fleisch“ nach einer einmonatigen Pause die Schau „21 Kilometer Freiraum“ über die Donauinsel. Hinzu kommt „Eine Familienaufstellung“ über Egon Schiele und seinen Schwager Anton Peschka (30. April bis 27. September), ab 1. Oktober erzählt man über die Mode die Geschichte und Bedeutung der Farben, und ab 6. November würdigt man ein halbes Jahr lang Franz West.
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