Chronik | Wien
22.12.2018

Spurensuche nach Clan-Attentat, Schütze weiter flüchtig

Es gibt eine Täterbeschreibung. Eine serbische Sängerin erklärte ihren Neffen für tot, die Polizei dementiert.

Einen Tag nach der tödlichen Schießerei in der Wiener Innenstadt ist die Polizei weiter auf der Suche nach dem Täter. Wie berichtet, sind Freitagnachmittag gegen 13.30 Uhr zwei Männer in dem Durchgang zwischen Lugeck und Wollzeile angeschossen worden.

Ein Mann, Vladimir Roganovic (laut jüngsten Polizeiangaben 32 Jahre alt), ist vor Ort gestorben. Der Mann soll mit einem Kopfschuss und einem Durchschuss im Oberkörperbereich getötet worden sein. Vladimir Roganovic soll erst am 7. Dezember aus dem Gefängnis entlassen worden sein. Dort soll er eine Haftstrafe wegen eines Bombenanschlags abgesessen haben. 2009 war  er wegen Mordes an einem rivalisierenden Bandenchef zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Das zweite Opfer, der 23-jährige Stefan V., wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Indes hat die Polizei eine Täterbeschreibung herausgegeben. Bei dem mutmaßlichen Schützen soll es sich laut Polizei um einen circa 30 Jahre alten,185 cm großen Mann mit Dreitagesbart handeln. Weiters gab die Polizei an, dass er vermutlich slawisch spricht, dunkle Kleidung trug und seine Kapuze über den Kopf gezogen hatte.

Sängerin betrauert Tod des Neffen

Für Verwirrung in Bezug auf den Zustand des zweiten Opfers sorgten am Samstag serbische und montenegrinische Medienberichte. Sie behaupteten, dass auch Stefan V. bereits seinen Verletzungen erlegen ist. Dabei bezogen sie sich auf die serbische Turbo-Folk-Sängerin Dara Bubamara.

 

"Es ist wahr, dass es passiert ist", wird die Sängerin in der Online-Ausgabe der serbischen Zeitung "Novosti" zitiert, "ich bin sehr traurig und schockiert über das, was passiert ist. Zuerst wurde sein Bruder getötet, und jetzt das."

Stefan V.s Bruder Filip, schreiben serbische Medien weiter, sei 2015 im Alter von 25 Jahren ermordet worden. Ein Jahr vor seinem Tod hätte er bereits 16 Strafanzeigen gehabt. Ihr Vater Kićun V. soll in den 1990er-Jahren ein einflussreicher montenegrinischer Boss gewesen. Er wurde im Juli 1999 bei einem Attentat vor dem Café "Cascade" getötet.

Die Gerüchte, das zweite Opfer sei auch verstorben, dementiert die Polizei. Der Verletzte, der von mehreren Kugeln getroffen worden sein dürfte, sei am Leben, versichert Polizeisprecher Daniel Fürst. Der Zustand des Mannes soll sich im Verlauf des Samstags auch weiter stabilisiert haben.

 

Schüsse in der Wiener Innenstadt

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Großes Polizeiaufgebot in der Wiener Innenstadt. 

Das Areal vom Lugeck bis Postgasse wurde großräumig abgesperrt. 

Polizisten waren mit Helmen und schusssicheren Westen postiert. 

Um kurz vor 15 Uhr wurden Passanten Augenzeugen einer Festnahme. Wie sich später herausstellte, stand diese jedoch nicht im Zusammenhang zur Tat. 

Helikopter kreisten über der Wiener Innenstadt. 

Laut derzeitigem Ermittlungsstand sollen Vladimir Roganovic und Stefan V. mit einem dritten Mann in einem Lokal im Bereich des Lugecks gemeinsam zu Mittag  gegessen haben.

Als die Personen das Lokal verlassen hatten, gab ein bisher unbekannter Täter mehrere Schüsse auf die drei ab und flüchtete anschließend zu Fuß. Durch den Angriff wurden der 23-Jährige lebensgefährlich und der 32-Jährige tödlich verletzt. Der unverletzt gebliebene 29-Jährige konnte von Polizisten noch am Tatort angehalten werden und wird nun als Zeuge befragt.

Das von Zeugen ursprünglich beschriebene Fluchtfahrzeug konnte im Zuge der Fahndung ausgeforscht und der Lenker angehalten werden. Es stellte sich jedoch heraus, dass weder der Pkw noch die Insassen im Zusammenhang mit der Tat stehen.

Clan-Fehde

Die Tat steht im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität im Bereich des Westbalkans, bestätigte die Polizei am Samstag.

Serbische und montenegrinische Medien hatten bereits davor erörtert, dass es sich bei den zwei angeschossenen Personen um Angehörige des „Kovocian“-Clans aus der montenegrinischen Stadt Kontor handeln könnte.

Der Clan führe seit Jahren  Fehden mit einem anderen Clan.  2016 wurden im Zuge der Rivalitäten innerhalb eines Monats acht Personen liquidiert und vier Personen schwer verletzt. Der Kopf des „Kovocian“-Clans, Slobodan Kašcelan, wurde vor wenigen Tagen in Prag von einer Sondereinheit der Polizei verhaftet. Hintergrund der Fehde soll ein Streit um Drogen-Geschäfte sein. Der eine Clan hätte 2014 vom anderen Clan 200 Kilogramm Kokain gestohlen. 

Wien: Fahndung nach Schützen