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Chronik Wien

Nach 107 Jahren: Das Bellaria-Kino in Wien muss zusperren

Der Betrieb hat sich wirtschaftlich nicht mehr gerechnet. Letzter Spieltag ist der 17. Dezember.

von Julia Schrenk

12/05/2019, 11:31 AM

Erich Hemmelmayer ist nicht wehm├╝tig. Zumindest nicht sonderlich. "Ich hab' mir immer gesagt, in dem Moment, wo ich Geld reinbuttern muss, h├Âr' ich auf."

Und der Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Am 17. Dezember wird das Bellaria Kino, eines der ├Ąltesten Kinos Wiens und eine echte Institution, zum letzten Mal aufsperren.

"Es geht sich einfach wirtschaftlich nicht mehr aus", sagt Hemmelmayer. Die alten Leute sterben weg, die Jungen kommen nicht nach. Dazu kommen die Mieten: f├╝r die R├Ąumlichkeiten, f├╝r die Filme. Und Nebenkosten, die nicht zu untersch├Ątzen sind. Verdient habe Hemmelmayer mit dem Kino ohnehin nie etwas. Es war sein Hobby, nicht mehr.

Die Entscheidung ist fix. "Daran gibt's nix zu r├╝tteln", sagt Hemmelmayer. Anfang Oktober hat er sich erstmals ├╝berlegt, sein Kino zuzusperren. Anfang November fiel die Entscheidung. Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gibt es nicht.

Fr├╝her, als man um 16 Uhr, um 18 und um 20 Uhr Filme gezeigt hat, sei schon um 16 Uhr der Saal voll gewesen. "Wenn Sie heute einen Film um 16 Uhr zeigen, haben Sie Gl├╝ck, wenn ein paar Leute drinnen sitzen."

Erich Hemmelmayer (50) betreibt das Bellaria in der dritten Generation. Vor etwas mehr als zehn Jahren hat er es von seinem Vater ├╝bernommen und der wiederum von seinem Cousin. Er├Âffnet wurde das Kino 1912.

Die Familie hat auch Wiens ├Ąltestes Kino, das Erika-Kino in der Kaiserstra├če (Neubau), betrieben. Er├Âffnet wurde es im Jahr 1900, geschlossen im Jahr 1999.

Als er das erz├Ąhlt, wird Erich Hemmelmayer doch ein bisserl wehm├╝tig. "Um meine Kunden tut's mir leid", sagt er. Und um seine zwei Angestellten.

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