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Wiener "Mozarts" wollen die Bühne nicht räumen

Ab Juli dürfen die kostümierten Ticketverkäufer nicht mehr in vier Bereichen der Innenstadt arbeiten. Viele fürchten um ihren Job und hoffen auf neue Zonen.
Mozartverkäufer vor Staatsoper

Seit drei Jahren steht Athanosios vor dem Stephansdom, verteilt Flyer, verkauft Karten und ist Ansprechpartner für Touristen. „Ich liebe meinen Job, bald habe ich ihn aber nicht mehr“, sagt er. Bis Ende Juni darf er noch bleiben, dann wird er wie viele  seiner Kollegen wahrscheinlich zum AMS gehen müssen. 

Denn ab Juli werden die kostümierten „Mozartverkäufer“  aus dem Wiener Stadtbild verschwinden. Bereits im März kündigte Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) an, dass ab Anfang Mai keine verkleideten „Mozarts“ mehr an allen relevanten Verkaufsplätzen in der Inneren Stadt auf der Straße Tickets verkaufen dürfen. Das soll per Verordnung für den gesamten Stephansplatz, den Graben, die Kärntner Straße und den Herbert-von-Karajan-Platz vor der Staatsoper gelten. Der KURIER berichtete.

Kontrollen angekündigt

Das Verbot wurde mit 8. Mai kundgemacht; bis Ende Juni dürfen aber laut dem Büro der Planungsstadträtin die Mozartverkäufer in den gesperrten Zonen noch stehen. Denn einige Genehmigungen seien noch gültig, werden aber mit diesem Monat ablaufen. „Dann sind die sogenannten Mozartverkäufer in den verordneten Zonen endgültig verboten.“ Mitte Juni soll Sima dann auch ankündigen, wie die Kontrollen dazu ausschauen werden. 

Grund für das Verbot soll die steigende Zahl an Beschwerden von Passanten, Opernbesuchern und Touristen über das „aufdringliche Verhalten der Verkäufer“ sein. Auch gebe es bei Kontrollen immer wieder Regelverstöße und öfter seien Ticketverkäufer, ohne Genehmigungen anzutreffen. 

Der 33-jährige Kusha sieht das ganz anders. Er arbeitet schon länger in der Branche, seit August für das Wiener Barock Orchester. „Das ist alles eine Lüge, wir belästigen niemanden“, sagt er gegenüber dem KURIER. Viele Menschen, ob Touristen oder Wiener, würden zu ihm kommen und aktiv nach Hilfe fragen. „Oft fragt mich jemand nach kulturellem Angebot oder einfach nach dem Weg.“ 

Er habe noch nie negative Rückmeldungen bekommen, nur positive. Kusha zeigt Whatsapp-Chat-Nachrichten, in denen ihm Kunden danken: „Es (das Konzert) war ohne Zweifel das Highlight auf unserer Reise nach Wien. Und ohne Sie wäre und das entgangen.“ 

„Schaden für Wien“

Dass jetzt Kushas Karriere bald vor dem Aus stehen könnte, belastet ihn zunehmend. „Ich weiß nicht, wie es danach weitergeht. Ich weiß nicht, wie viele von uns dann gekündigt werden und ob wir neue Zonen bekommen.“ Er hofft, dass man an dem Verbot noch etwas ändern könne. „Ich liebe meinen Beruf und will eigentlich nicht zum AMS.“ 

Erst vor zwei Wochen sei ein Wiener zu Kusha gekommen und habe ihn umarmt, weil er in der Zeitung gelesen hätte, dass die Ticketverkäufer bald weg seien. „Das hat mich sehr berührt“, sagt Kusha. 

Auch seine Kollegen Doni und Tim vom Wiener Kaiser Orchester fürchten das Schlimmste. „Ich glaube, dass dieses Verbot einen großen Schaden für Wien bringen wird“, sagt Tim. Laut ihm würden nicht nur viele Menschen ihren Job verlieren, sondern auch die Konzerte hätten dann weniger Gäste. „Wir bringen die Touristen in die Säle und damit auch den Umsatz.“ 

Beide Männer arbeiten schon über zehn Jahre als Kartenverkäufer. Die Vorwürfe, dass sie Touristen belästigen würden, weisen sie zurück. „ Ganz im Gegenteil, wir helfen. Nicht nur Touristen, sondern auch Wienern“, sagt Doni. „Wir haben schon oft Taschendiebe aufgehalten oder Einsatzkräfte zu Notsituationen gerufen.“ Doni erklärt, dass die Stimmung unter den Ticketverkäufern derzeit sehr schlecht sei, viele seien traurig, wütend oder besorgt.

Keine neuen Genehmigungen

Auch Philipp Grünbacher macht sich Sorgen. Er ist inhabender Geschäftsführer des Wiener Mozart Konzertes. Bereits im März sagte er gegenüber dem KURIER, dass das Verbot keine nachhaltige Lösung sei. Seine Meinung hat sich auch nach zwei Monaten nicht geändert. 

„Meine Mitarbeiter sind besorgt um ihre Zukunft“, sagt Grünbacher. Da die Genehmigung Ende Juni ausläuft, hat er eine Neue für das restliche halbe Jahr beantragt. „Bis jetzt hat sich noch niemand bei mir gemeldet, was genehmigt wird und was nicht.“ 

Laut dem zuständigen MA36 werden keine Genehmigungen mehr für die neuen Verbotszonen ausgestellt. Ob sich die Betreiber neue Zonen in der Innenstadt suchen werden oder die Mozartverkäufer endgültig aus dem Stadtbild verschwinden, bleibt offen.

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