Tödliche Schüsse in Ottakringer Lokal: Verdächtiger bald vor Gericht
Im Zusammenhang mit einer Schießerei vom 6. November 2025 im bzw. vor einem Lokal in der Payergasse in Wien-Ottakring, bei der ein 33-jähriger Tschetschene getötet und ein 55-jähriger Serbe schwer verletzt wurde, hat die Staatsanwaltschaft beim Landesgericht eine Mordanklage gegen drei Männer eingebracht.
Ein 34-Jähriger wurde als unmittelbarer Täter angeklagt. Einem 36-Jährigen und einem 39-Jährigen wird Beitragstäterschaft angelastet.
Die Anklagebehörde kreidet den mitangeklagten Männern an, den Schützen unterstützt zu haben, indem sie ihn zum Tatort begleiteten und in seinen Absichten bestärkt haben sollen. Der 39-Jährige soll mit einer Glock-Pistole bewaffnet gewesen sein.
"Er war zufällig dabei"
Für die Verteidiger der zwei angeblichen Mittäter sind die Anschuldigungen haltlos. "Er war zufällig dabei und hatte mit dem Ganzen nichts am Hut", sagte Michael Babic (Kanzlei Rast Musliu). Verteidiger Michael Dohr kündigte Konsequenzen an, sollte sein Mandant verurteilt werden. "Wenn er nicht freigesprochen wird, dann hänge ich den Talar an den Nagel. Samt Barrett", meinte Dohr im Gespräch mit der APA.
Kreditgeschäft als Tathintergrund
Hintergrund der Schießerei soll ein Kreditgeschäft gewesen sein, das der mit einer halben Million Euro verschuldete Hauptangeklagte und der jüngste Angeklagte mit einem Kreditvermittler eingegangen waren. Vereinbart war, dass der Vermittler für 50.000 Euro eine Provision von 50 Prozent erhalten sollte. Als der Hauptangeklagte erfuhr, dass der Vermittler in ihrem Namen Kreditkarten bestellt und diese auch belastet hatte, behoben er und der 36-Jährige die gesamte Kreditsumme.
Dies führte letztlich zu einem Konflikt zwischen den Beteiligten, weshalb für den 6. November eine "Aussprache" am Yppenplatz anberaumt wurde. Zu dem Treffen in einem Lokal nahm der spätere Schütze eine am Westbahnhof gekaufte Faustfeuerwaffe der Marke Beretta mit. Der Kreditvermittler erschien wiederum mit drei Begleitern - darunter seinem Vater -, weil er Schwierigkeiten befürchtete.
Im Lokal soll dann der 34-Jährige zunächst auf einen Begleiter des Kreditvermittlers geschossen, diesen aber verfehlt haben. Danach zielte er auf den Vater des Kreditvermittlers, der einen Bauchdurchschuss mit Einschuss am linken Oberbauch und Ausschuss im Bereich der rechten Hüftregion erlitt, wobei es durch den Schusskanal zu insgesamt sechs Dünndarmperforationen und einer Trümmerfraktur der rechten Beckenschaufel kam. Eine Notoperation rettete dem 55-Jährigen das Leben.
Panik im Lokal
Nach den ersten zwei Schüssen brach in dem Lokal Panik aus. Die Lokalgäste liefen ins Freie, wo der 34-Jährige einen weiteren Schuss abgab, der den dritten Begleiter des Kreditvermittlers im Bauchbereich traf. Laut Anklage durchsetzte das Projektil die Körperhauptschlagader annähernd zur Gänze, der 33-Jährige verblutete am Gehsteig liegend, ehe die alarmierten Rettungskräfte eintrafen.
Der Schütze setzte sich nach der Bluttat in die Türkei ab, konnte aber Ende Jänner am Flughafen in Istanbul festgenommen werden. Er wurde von den türkischen Behörden ausgeliefert und sitzt inzwischen in der Justizanstalt (JA) Josefstadt in U-Haft.
Die Anklageschrift ist nicht rechtskräftig. Die Verteidiger haben ab Zustellung 14 Tage Zeit, diese allenfalls zu beeinspruchen. Mit einem Schwurprozess ist frühestens im Juli zu rechnen.
Kommentare