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Chronik Wien

Mafia-Prozess fortgesetzt: Warum die Polizei lange machtlos war

Ein Beamter vom Bundeskriminalamt sagte als Zeuge im Prozess gegen Dario D. alias "Dexter" aus.

09/26/2023, 12:17 PM

Am Dienstag ist im Wiener Landesgericht der Prozess gegen einen mutmaßlichen Mafia-Paten fortgesetzt worden, der in der Bundeshauptstadt innerhalb von zwei Jahren den Verkauf von mehreren 100 Kilogramm Heroin und Kokain organisiert haben soll.

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"Die Polizei war machtlos", sagte ein Vertreter des Bundeskriminalamts als Zeuge. Die Bande des Angeklagten nutzte nämlich "bis hinunter zum untersten Straßenverkäufer zu hundert Prozent abhörsichere Handys", wie der Ermittler verriet.

Die Kriminellen griffen zur Abwicklung ihrer Gesch√§fte ausschlie√ülich auf so genannte Krpyto-Handys zur√ľck, bei denen nicht ein Mal eine Standort-Peilung m√∂glich war. Man konnte mit den Ger√§ten zwar nicht telefonieren, aber Bilder, Videos und Audio-Nachrichten verschicken.

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√úber die Dienste Sky ECC - ein in Frankreich entwickeltes Apple-Ger√§t mit einer fix installierten App und einer gefinkelten Verschl√ľsselungstechnologie - bzw. Anom - vom FBI entwickelt und als "verdeckte Ma√ünahme" gezielt unter Kriminellen verbreitet, um deren Machenschaften nachvollziehen zu k√∂nnen - soll der mutma√üliche Banden-Boss Drogen-Lieferungen dokumentiert, Anweisungen erteilt und eine Art Buchhaltung verzeichnet haben.

Die Hierarchie der Gruppe

Dario D. alias "Dexter" - so ein an einen TV-Serienmörder angelehnter Spitzname des 35-Jährigen - habe täglich Selfies und Audio-Nachrichten verschickt, berichtete der Bundeskriminalamtsbeamte dem Schwurgericht.

"Die Struktur der Gruppe war sehr leicht erkennbar", schilderte der Ermittler, "alles war auf eine Person fokussiert." Dario D. sei "an der Spitze" gestanden, darunter habe es "Unterf√ľhrer" gegeben, die in √Ėsterreich gut vernetzt und bedingt entscheidungsbefugt waren und ein eigenes Dealer-Netz unterhielten, wobei diese Arbeitsebene den eigentlichen Chef gar nicht kannte.

Gab es Festnahmen, war es technisch möglich, die Daten der Krypto-Handys der inhaftierten Mitglieder zu löschen und damit Beweismittel aus der Welt zu schaffen.

FBI entschl√ľsselte Chats

Die Bande flog auf, als es ausl√§ndischen Strafverfolgungsbeh√∂rden gelang, die vermeintlich abh√∂rsichere Kommunikation der Kriminellen zu knacken und die Inhalte, die √ľber Server in Kanada und Frankreich liefen, zu sichern. In weiterer Folge wurden die Chats mit Hilfe des FBI entschl√ľsselt, was Ermittlungen gegen Kriminelle in zahlreichen europ√§ischen L√§ndern zur Folge hatte - sie alle hatten sich der Krypto-Messenger-Dienste bedient, um ihre Machenschaften abzuwickeln.

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Die Chats, die "Dexter" und seine rund 200 K√∂pfe umfassende Gruppierung betrafen, wurden √ľber Europol den √∂sterreichischen Strafverfolgungsbeh√∂rden zur Verf√ľgung gestellt.

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