KURIER-Leser beim Wasserball im 100 Jahre alten Amalienbad
Schwierig war es für jene, die gut schwimmen können, aber kein Ballgefühl haben. Auch schwierig war es für jene, die gut mit dem Ball umgehen, aber ihr Köpferl nicht über Wasser halten können.
Insofern war Patrik Raith, Sektionsleiter für Wasserball im ASV Wien, nicht unbedingt zu beneiden, als er die kleine Gruppe an KURIER-Lesern und -Redakteuren in die hohe (und in Österreich exotische) Kunst des Wasserballsports einführen wollte.
Am Anfang musste sich das Szenario im grandiosen, heuer seinen 100er feiernden Amalienbad für den jungen Herrn Raith so darstellen: Die einen schwammen und sahen keine Kugel, und die anderen schlabberten viel Wasser.
An Enthusiasmus fehlte es den Novizen nicht, sodass ihr Coach oft nicht dazukam, den zweiten Satz seiner Anleitung fertig zu sprechen. Auf die Frage, wer denn schwerer zu trainieren sei, die Kinder oder die Älteren, wollte er länger nachdenken, um am Ende doch ehrlich zu antworten: „Beide gleich schwer.“
Eröffnet wurde das Amalienbad vor bald 100 Jahren, im Juli 1926.
„Luxus-Bad für Proleten“
Doch der Umgang mit dem Wasserball, den man nur mit einer Hand fangen darf und den man mit viel Gefühl aus dem Handgelenk und viel Kraft mit dem aus dem Wasser weit hinausragenden Arm werfen muss, dieser Umgang wurde zunehmend besser. Sodass am Ende auch noch Zeit für ein Staunen über die Architektur eines städtischen Juwels blieb. Eröffnet wurde das Amalienbad im Juli 1926.
Von konservativer Seite hagelte es Kritik. Vor allem die prachtvolle Ausstattung stieß auf Ablehnung. „Fast möchte man meinen, daß dieser Prunkbau mit seiner monumentalen Fassade und seiner luxuriösen Einrichtung ins unrechte Milieu geraten sei“, las man im Neuen Wiener Tagblatt. In der Reichspost hieß es wiederum: „Auch Proletarier brauchen Bäder. Also baute man ihnen einen kostspieligen Badepalast, in dem sie sich gar nicht heimisch fühlen.“
Nur wenige Wochen nach Eröffnung des Hallenbads am Reumannplatz beschloss der Gemeinderat den „obligatorischen Schwimmunterricht für die Wiener Schuljugend“. Womit wir zurück bei unseren im Wasser Spielenden sind.
Hoch den Arm, hoch den Ball: Das hochmotivierte KURIER-Team im Amalienbad.
Irgendwann waren sie so weit, dass sie ihrem Coach, der für sie den Tormann gab, zurufen konnten: „Jetzt halte einmal einen Ball von uns.“
Es liegt in der Anforderung des Wasserballspiels, dass die Glücksmomente für Anfänger nur von sehr kurzer Dauer waren. So wie sich ihr Können langsam steigerte, verließen sie ebenso langsam die Kräfte.
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