Neues Jugendgefängnis kostete über fünf Millionen Euro

Seit Februar ist die neue Jugendstrafanstalt Münnichplatz in Simmering in Vollbetrieb. Der Betrieb hatte sich über Jahre verzögert.
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Zusammenfassung

  • Das Jugendgefängnis in Wien-Simmering kostete inklusive Ausstattung über fünf Millionen Euro, wobei 427.000 Euro auf die Einrichtung entfielen.
  • Die Justizanstalt Münnichplatz bietet 72 Haftplätze für männliche Jugendliche und legt besonderen Fokus auf Ausbildung, Therapie und Beschäftigung.
  • Zwischen 2019 und 2024 gab es 17 Ausbrüche aus geschlossenen Bereichen und 809 Entweichungen aus nicht-geschlossenen Bereichen österreichischer Gefängnisse, elf Häftlinge sind weiterhin flüchtig.

Seit 1. Februar ist die Justizanstalt (JA) Münnichplatz in Wien-Simmering für männliche Jugendliche mit 72 Haftplätzen in Vollbetrieb. Neben den bereits bekannten Bruttoerrichtungskosten von 4,73 Millionen Euro kamen noch 427.000 Euro für die Ausstattung hinzu. Somit kostete das Jugendgefängnis mehr als fünf Millionen Euro, geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) an die FPÖ hervor.

Der größte Part entfiel dabei mit 244.350,27 Euro auf Haftraumschlösser. Der Betrieb in der Sonderjustizanstalt Münnichplatz hatte sich über Jahre verzögert. Die baulichen Verzögerungen führten zu keinen Kostenerhöhungen für das Justizministerium, wurde in der Anfragebeantwortung festgehalten.

Grundlage für die Konzeption und Umsetzung des neuen Jugendgefängnisses waren Empfehlungen einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe "Standards Jugendvollzug", die auch Empfehlungen der Volksanwaltschaft berücksichtigte. Der Fokus wurde dabei auf Ausbildungs-, Therapie- und Beschäftigungskonzepte gerichtet. Die am Münnichplatz Inhaftierten haben etwa die Möglichkeit, eine Lehre zum Bäcker, Maler, Tischler, Maurer, Schlosser oder Spengler zu absolvieren. 

Entsprechende Werkstätten sind ebenso vorhanden wie Klassenräume, um den Pflichtschulabschluss zu absolvieren bzw. nachzuholen, und eine sogenannte Kreativwerkstatt, die der Berufsfindung und -vorbereitung dient. In der Justizanstalt gibt es zwei Pflichtschulklassen mit jeweils zwei Lehrkräften, zwei Ergotherapeuten und zwei Trainerinnen für nicht schulpflichtige Insassen.

Elf Häftlinge auf der Flucht

Eine weitere Anfragebeantwortung gibt Aufschluss über Gefängnis-Ausbrüche und Entweichungen aus dem nicht-geschlossenen Bereich, etwa Nichtrückkehrer oder Häftlinge, die bei Transporten flüchten. 

Demnach kam es in den Jahren 2019 bis 2024 zu 17 Ausbrüchen aus geschlossenen Bereichen der Justizanstalten sowie 809 Entweichungen aus nicht-geschlossenen Bereichen der Gefängnisse, der Großteil entfiel mit 700 auf Nichtrückkehrer. Elf Personen befinden sich auf der Flucht.

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